Karim Abouras aus Velbert hat nach Unfall einen Job gefunden

Auftragsbearbeitung, Telefonzentrale, Terminvereinbarung: Für Karim Abouras, hier im Gespräch mit seinem Kollegen Philipp Piepiora, ist das Autohaus an der Mettmanner Straße „ein wunderschöner Arbeitsplatz“.
Auftragsbearbeitung, Telefonzentrale, Terminvereinbarung: Für Karim Abouras, hier im Gespräch mit seinem Kollegen Philipp Piepiora, ist das Autohaus an der Mettmanner Straße „ein wunderschöner Arbeitsplatz“.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Über 1900 Bewerbungen blieben ohne Erfolg. Doch im Autohaus Winzen wird der querschnittgelähmte Karim Abouras nun Assistent der Geschäftsführung. Seine Behinderung ist hier kein Hindernis

Velbert..  Karim Abouras hat – wohlgemerkt mit abgeschlossenem Studium – mehr als 1900 Bewerbungen geschrieben. In 86 Prozent dieser Fälle habe er gar keine Reaktion erhalten, sechs Mal kam es zu einem Vorstellungsgespräch, „und gegen zehn Prozent der Absagen hätte ich theoretisch gesetzlich vorgehen können“, erzählt der 34-Jährige. Zum Beispiel, weil sie eindeutig diskriminierend formuliert gewesen seien. Abouras ist nämlich Rolli-Fahrer – und hat jetzt endlich eine Festanstellung. Im Autohaus Winzen, wo im August eigens für ihn eine Stelle geschaffen wurde.

„Ein wunderschöner Arbeitsplatz für einen Rollstuhlfahrer“, findet der gelernte Automobilkaufmann, der später noch studiert und den „Betriebswirt des Kfz-Gewerbes“ draufgesetzt hat. Und dem trotz seines schweren Unfalls der Humor nicht flöten gegangen ist: „Ich bin ein sehr günstiger Mitarbeiter, schließlich bringe ich auch meinen Bürostuhl selbst mit.“

Das Reh hat überlebt

2003 passierte der folgenschwere Autounfall. Wildwechsel. „Ich bin gut ausgewichen, das Reh hat überlebt.“ Seinen Pkw hatte er nach „links rausgezogen, das Heck brach rechts aus“; letztlich kippte der Wagen um. Der gebürtige Essener – seine Mutter ist Wienerin, sein Vater Ägypter – hatte „mehrere Brustwirbel gebrochen und gesplittert“. Seither ist er unterhalb davon querschnittsgelähmt.

Es folgten vier Monate Krankenhaus, eine mehrwöchige Reha. Und Karim Abouras biss sich durch. „Wir waren damals im Krankenhaus 42 Patienten mit ähnlichen Verletzungen und auch ungefähr gleichen Alters. Davon sind heute nur drei aktiv, sowohl beruflich als auch im Privatbereich.“

Letztlich sorgten zwei Kontakte für den „Durchbruch“ bei der langjährigen Jobsuche, nachdem Abouras verschiedene (befristete) Stellen hatte und „viel als Aushilfe“ gearbeitet hat: Juniorchef Markus Winzen saß einst am Berufskolleg in der selben Klasse. Und er selbst kannte das Autohaus, in dem sich 22 Mitarbeiter um Nissan- sowie Skoda-Verkauf und -Service kümmern, auch aus der Zeit, als er für einen privaten Zulassungsdienst im Einsatz war. Bei Winzen soll der 34-Jährige zum Assistenten der Geschäftsführung aufgebaut werden.

„Ich sehe da gar kein Problem“, meint Markus Winzen, auf die Behinderung angesprochen. Nur der bürokratische Aufwand sei höher, doch Georgios Margaritis von der Arbeitsagentur habe ihn gut informiert und beraten. Einfach super!“

Wen Karim Abouras im Alltag als richtig hilfsbereit erlebt? „Vor allem ältere Herrschaften mit Rollator. Und auf Tabellenplatz zwei ausländische Mitbürger.“