Kantorei Velbert gelingt klare Zeichung eines Meisterwerks

Die Kantorei Velbert – hier ein Archivbild – führte Rossinis „Petite Messe solennelle“ auf.
Die Kantorei Velbert – hier ein Archivbild – führte Rossinis „Petite Messe solennelle“ auf.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Frank Schreiber gelang mit der Kantorei Velbert eine überzeugende Darstellung der „Petite Messe solennelle“ von Rossini. Überwiegend gute Solistenleistungen

Velbert..  Kantor Frank Schreibers vorsichtigen Empfehlungen im Programmheft zum jüngsten Konzert der Kantorei Velbert, sich auf „Sinnliches, Angenehmes und Opernhaftes“ einzulassen, hätte es vermutlich nicht bedurft – das Publikum in der gut besuchten Christuskirche applaudierte am Schluss des Konzertes so begeistert und ausdauernd, dass es sogar noch eine Zugabe genießen konnte.

Keine Wünsche offen gelassen

Gioachino Rossini schrieb seine „Petite Messe solennelle“ im Jahre 1863 als Auftragswerk der Gräfin Louise Pillet-Will in Passay bei Paris, wohin er sich bereits 1855, auf dem Gipfel seines Ruhms, zurückgezogen hatte. Mit der ihm eigenen Ironie nannte er seine späte Komposition „meine kleine, arme Messe“ – in Wirklichkeit handelt es sich um ein etwa anderthalbstündiges Werk für gemischten Chor, vier Solisten, Klavier und Harmonium. Kurz vor seinem Tod orchestrierte Rossini das Opus nachträglich.

Kantor Frank Schneider hatte seine rund 50 Sängerinnen und Sänger nicht nur bestens auf ihre anspruchsvolle vokale Aufgabe vorbereitet – er erreichte auch dank intensiver Stimmbildung und mit stets lockerem und aufmunterndem Dirigat, dass selbst die gefürchteten Fugen im Gloria und Credo durchsichtig, aber nicht leichtgewichtig, klangprächtig, aber nicht wuchtig, klar gezeichnet, aber nicht überpointiert klangen. Eine faszinierende Leistung der mit sichtbarer und vor allem hörbarer Freude sich engagierenden Choristen! – Mit Isabel Gabbe am Flügel und Christoph Lahme an einem besonders edel klingenden Harmonium hatte Schreiber Mitgestalter an seiner Seite, die keine Wünsche offen ließen und das vokale Geschehen so einfühlsam wie eigenständig begleiteten. Janina Hollich überzeugte mit ihrem vom Pianissimo bis zum expressiven Ausbruch (im „Agnus Dei“) vorbildlich durchgebildeten Mezzo und machte ihrer Lehrerin, der großartigen Oratoriensängerin Gerhild Romberger, alle Ehre. – Anna Kristina Naechster verfügt über ein staunenswert volumenreiches Sopranpotential, dessen allzu scharfes Forte sicher abzumildern ist. Beide Damen wussten fesselnd zu gestalten.

Das konnte man leider dem Tenor Ulrich Cordes nicht attestieren. Er sang zwar mit einnehmendem Tenorschmelz und sicherer Höhe, aber Musizierfreude oder Blickkontakt mit dem Publikum suchte man bei ihm vergebens. Ein Glücksfall war die Verpflichtung von Thomas Peter. Der in der Frankfurter Sängerschmiede des legendären Martin Gründler ausgebildete Bassbariton (bei ihm arbeitete er auch einige Jahre als Assistent) ist vor allem im Oratorienfach, aber auch in der Oper zu Hause. So wusste er, namentlich in seiner großen Arie „Quoniam“, beides bestens miteinander zu verbinden.