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"Schwarzer Freitag"

Jugendliche protestieren gegen Alkoholverbot

16.07.2009 | 17:46 Uhr

Velbert. Den „schwarzen Freitag für die Freiheit” rufen Jugendliche in Velbert aus – und protestieren gegen den Ratsbeschluss vom 23. Juni. Der beinhaltet ein Aufenthaltsverbot in öffentlichen Grünanlagen zwischen 23 und 6 Uhr und verhängt dort gleichzeitig ein Alkoholverbot.

Auslöser für das harte Vorgehen der Stadt: die Randale im Herminghauspark Anfang April. 15-Jährige mit Alkoholvergiftung, Prügeleien mit mehreren Verletzten und schubkarrenweise Scherben – die drastischen Maßnahmen sind eine Reaktion darauf. Können sie auch helfen gegen zunehmenden Alkoholkonsum bei Kindern und Jugendlichen? „Sie haben korrigierende Wirkung, nicht abschreckende”, sagt einer, der es wissen muss: Rolf Pfänder, Suchtberater beim Diakonischen Werk. „Wenn das konsequent überprüft wird, kann ich mir vorstellen, dass es eine positive Wirkung hat.” Er sei „generell dafür, dass Jugendliche mit Regeln konfrontiert werden”.

"Aber das muss sofort passieren"

Allerdings bestehe ohnehin schon ein Alkoholverbot für alle unter 16 Jahren. Dass viele Jugendliche und sogar Kinder sich dennoch betrinken, sei vielfach stillschweigend hingenommen worden. Deshalb plädiert Pfänder dafür, „dass Regeln auch zur Anwendung kommen und es schnell Sanktionen gibt”. Darunter versteht der Suchtberater beispielsweise, dass die Polizei, die einen betrunkenen Jugendlichen aufgreift, direkt mit ihm zu seinen Eltern fährt. „Aber das muss sofort passieren – eine Strafe, die Monate später erfolgt, macht keinen Sinn.”

Über die Ursachen des zunehmenden Alkoholskonsums junger Leute kann Rolf Pfänder nur mutmaßen: „Da fallen mir so Stichworte wie Auflösung der Familienstrukturen und fehlende Fürsorge auf. Es wird nicht mehr hingeguckt, was die Jugendlichen treiben, das hat schlichtweg mit Verwahrlosung zu tun.” Und so könne es passieren, dass junge Menschen „ungesunde Rituale” entwickeln, „weil das Korrektiv fehlt”.

"Man kann sich durchaus damit töten"

Und was ist mit der Vorbildfunktion von Erwachsenen, die übermäßig dem Alkohol zusprechen? „Die ist sicher da”, räumt der Suchtberater ein, „aber diese Exzesse unter jungen Leuten gehen doch einen Schritt weiter.” Hinzu komme, „dass keiner was sagt, wenn 13-Jährige besoffen über die Straße laufen”. Dabei hat Pfänder festgestellt: „Je eher dabei eingegriffen wird, desto besser.” Zumal sich die meisten Jugendlichen nicht bewusst seien, wie gefährlich Alkohol ist: „Er ist nunmal ein Nervengift; man kann sich durchaus damit töten.”

Bei manchem helfe allerdings ein einmaliger Absturz – und ein anschließendes Gespräch mit einem Suchtberater. „Mir fällt da ein Jugendlicher ein, der unter Alkohol sehr aggressiv wurde und deshalb ein Strafverfahren am Hals hatte.” Unter seinen Freunden habe sich das Ritual entwickelt, sich freitags und samstags „richtig die Hucke vollzusaufen”.

Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit und ein gutes Gespräch

Pfänder: „Im Gespräch stellte sich heraus, dass er das einfach mitgemacht und nicht drüber nachgedacht hat.” Gemeinsam mit dem Suchtberater habe der Junge schnell ein Alternativprogramm erdacht und – zumal er seit kurzem eine Freundin hatte – sofort umgesetzt. „Fehlentwicklungen”, sagt Pfänder, „passieren, wenn keiner mehr hinguckt. Aber ich habe häufig das Gefühl, dass ein bisschen mehr Aufmerksamkeit und ein gutes Gespräch helfen.”

Annette Wenzig

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Kommentare
28.07.2009
14:00
Jugendliche protestieren gegen Alkoholverbot
von Konrad D. | #18

Verharmloser? So leid es mir tut, ich sehe (so gut wie) keine Verharmloser. Wohl aber seit einigen Jahren eine zunehmende Verteuflung von Alkohol, in einem vorher ungekannten Ausmaß.

Je lauter die vorgetragen wird, umso mehr muss es einem natürlich wie Verharmlosung oder Verherrlichung vorkommen, wenn sich jemand dagegen wehrt, dass einem Rechte, die man immer schon hatte, immer weiter beschnitten werden.

Ich bin weder jugendlich noch muss ich unbedingt auf der Straße trinken aber ein Verbot davon ist für mich ein deutliches Anzeichen, dass es gesellschaftlich in eine gänzlich verkehrte Richtung geht, nämlich immer mehr mehr Kontrolle, immer mehr Einmischung in persönliche Freiheiten.
Ich sehe auch nicht, auf welcher rechtlichen Grundlage ein solches Verbot zulässig wäre. Aber glücklicherweise scheinen scheinen unsere Gerichte das ja genauso zu sehen.

28.07.2009
13:40
Jugendliche protestieren gegen Alkoholverbot
von mondsteinchen | #17

Jugendliche protestieren gegen Alkoholverbot - ja gehts noch?! Da müssten doch auch den letzten Verharmlosern alle Alaramglocken schrillen.

Im Übrigen bin ich dafür die Grenze auf 18 zu erhöhen. 16 ist mir viel zu niedrig angesetzt, die Jugenlichen in dem Altern fühlen sich schon sehr erwachsen und tun auch so als ob, aber es sind dennoch Kindern.

18.07.2009
04:09
Jugendliche protestieren gegen Alkoholverbot
von Frank Telega | #16

Sehr gute beobachtet. Der Junge Mann mit dem Krombacher T-Shirt hat gesungen, nur hatte er nicht einen schluck getrunken. Das versichere ich Ihnen, denn es war der Fahrer des Autos.

17.07.2009
18:44
Jugendliche protestieren gegen Alkoholverbot
von Thomas Auer | #15

@ Nils

Von welcher Notwendigkeit sprechen Sie?
Aber bitte schön beim Thema Verordnung bleiben.

Also, von welcher Notwendigkeit, neben den sowieso vorhandenen Gesetzen bedarf es?

17.07.2009
18:23
Jugendliche protestieren gegen Alkoholverbot
von Nils Hase | #14

Danke liebe Stadt!

Als ich heute die Ansammlung von angetrunkenen Jugendlichen vor der CDU gesehen habe mit der Bierdose in der Hand unterstrich es die Notwedigkeit!

Es soll ein Protest gegen Persepktivlosigkeit sein? Welche Persepktive wird denn gewünscht , wenn man mit Bierfalsche und Krombacher T-Shirt halbherzige Parolen gröhlt.

Da wird die Arbeit die andere seit Jahren machen um Jugend eine Stimme zu geben mal eben zu nichte gemacht und Vorurteile eindrucksvoll unterstrichen.

Politische Aktivität ist Fördernswert aber die Darstellung die dort abgeliefert wurde war nicht nur peinlich sondern absolut deplatziert und wird nur das Gengenteil fördern!

Glückwunsch

Nils

17.07.2009
16:56
Jugendliche protestieren gegen Alkoholverbot
von Thomas Auer | #13

@ ecki84

Die von Ihnen angeführten Vergehen (beschimpfen, prügeln, Vandalismus, Randalieren) konnten schon vorher aufgrund bestehender Gesetze geahndet werden.
Aber sie wurden anscheinend nicht oder nur sehr unzureichend angewandt. Die jetzige Verordnung wird daran auch nichts ändern, der einzige Unterschied ist, dass ausnahmslos allen Bürgerinnen und Bürgern der Besuch des Hermi etc. der Aufenthalt versagt wird.
Und wenn Sie, wie von Ihnen geschrieben, dann aber doch das Wegbier mit Fingerspitzengefühl durchgehen lassen, wird diese Verordnung ad absurdum geführt.
Also weg damit!

17.07.2009
15:58
Jugendliche protestieren gegen Alkoholverbot
von ecki84 | #12

Warum hat der Rat der Stadt denn diesen Beschluss des Verbotes gefasst? Damit Ordnungsamt und Polizei eine Handlungsgrundlage haben. Es geht hier doch nicht darum, friedliche Personen, egal ob jung (Alkohol offiziell schon erlaubt!) oder alt, die auf offener Straße z.B. eine Flasche Bier in der Hand halten, z.B auf dem Weg zu Freunden oder einer Feier, zu bestrafen und mit einem Ordnungsgeld zu belegen. Da werden die Ordnungshüter schon Fingerspitzengefühl haben und zeigen und unterscheiden können/müssen. Es geht hier um randalierende Personen, egal welchen Alters, die in besoffenem Kopf andere Leute beschimpfen, verprüfeln und fremder Leuts Eigentum beschädigen. Hier sind wir alle gefragt. Grenzt diese Personen aus. Die friedvollen sind immer in der Mehrzahl, die Schläger nicht. Gemeinsam stärke zeigen. Zivilcourage! So erregt man auch Aufmerksamkeit, positive Aufmerksamkeit!

Herr Alfermann, bitte keine neue Diskussion über generelle Verbote auf öffentlichen Flächen. Alles zu kritisieren ist einfach, dass können Linke und die Anderen immer viel und gut. Lösungen aufzeigen und schaffen, da verblasst ihr.

17.07.2009
13:02
Jugendliche protestieren gegen Alkoholverbot
von Der Watz | #11

...Verbote sind immer schlecht.
Auch wenn sie gut gemeint sind!

Denn wir alle wissen ja;
Gut gemeint ist das Gegenteil von Gut.

n schönen Gruß

Watz

17.07.2009
12:51
Jugendliche protestieren gegen Alkoholverbot
von Thomas Auer | #10

Es ist eine Protest gegen eine offensichtlich populistische Verordnung. Ein Kotau der Verwaltung vor der Ratsmehrheit und dem ebenfalls populistischen Antrag der CDU für Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit. Die ganzen SOSler, die in Velbert rumlaufen, haben 0 Befugnisse und laufen auf gut deutsch gesagt für Nüsse durch die Gegend.
Es gibt genügend bestehende Gesetze und Regelungen, diese müssten allerdings auch angewandt werden und letztlich hapert es doch wohl eher an der Anwendung dieser Gesetze und Regelungen.
Es ist nicht einsehbar, wieso z. B. am Münzbrunnen in der Außengastronomie Alkohol getrunken werden darf und ein paar Meter weiter auf der Bank nicht. Ist (überspitzt formuliert) der Trinker in der Außengastronomie privilegierter Genießer und der auf der Bank sitzende per se ein Säufer?

17.07.2009
11:46
Jugendliche protestieren gegen Alkoholverbot
von Markus Gentzik | #9

Allein die Überschrift dieses Kommentars, der begleitende Alkoholbericht sowie die Fragestellung ihrer öffentlichen Umfrage in der Stadt suggerieren dem Leser, daß es uns heute nur um das Alkoholverbot ginge - sie machen uns damit sämtlichen politischen Anspruch streitig. Wir sind kein pöbelnder, trinkender Haufen der randaliert, und ich habe auch keine Lust, daß dieser mit der heutigen Demo gleichgesetzt wird. Dies ist gelinde gesagt eine Frechheit, die populistisch wirkt und Jugendliche diffamiert. Schade daß Jugendliche und junge Erwachsene sich ernsthaft sorgen machen, und ihre Redakteurin die zugeschickte Pressemitteilung solange zerpflückt, bis nur noch das negative übrig bleibt.

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