Jürgen Becker begeistert in Langenberg

Kabarettist Jürgen Becker gastierte im AlldieKunst-Haus in Velbert Langenberg . Der Titel seines Programms verspricht: "Der Künstler ist anwesend!"
Kabarettist Jürgen Becker gastierte im AlldieKunst-Haus in Velbert Langenberg . Der Titel seines Programms verspricht: "Der Künstler ist anwesend!"
Foto: WAZ FotoPool
Er kennt kein Pardon und vermischt Fakten mit Pointen: Der Kölner Kabarettist Jürgen Becker erntete im AlldieKunst-Haus viel Applaus.

Langenberg..  Ein Urgestein des kölschen Kabaretts, der Mann mit der Hirschgeweih-Narrenkappe (WDR Mitternachtsspitzen) Jürgen Becker präsentierte am Freitagabend sein Programm „Der Künstler ist anwesend“ im voll besetzten Saal des Langenberger AlldieKunst-Hauses.

Ein überaus passendes Thema für diese Örtlichkeit. Und seine Führung durch die Kunstgeschichte begann gleich mit einem skandalösen Bild des Surrealisten Max Ernst von 1926, dem Werk „Die Jungfrau züchtigt das Jesuskind“, einer recht deftigen Darstellung, die Becker ebenso deftig kommentierte: Ganz im Sinne des Papstes sei das doch, würde doch hier eben nicht ins Gesicht geschlagen, sondern auf den Popo des heiligen Sprosses und das Prügeln in dieser Weise sei in katholischen Erziehungseinrichtungen ja doch von jeher Gang und gäbe gewesen.

Rasant, fundiert und gespickt mit sinnigen Seitenhieben auf religiöse und weltliche Machthaber ging’s anschließend durch die Architektur-Geschichte weiter. Schloss der Begriff Kunst doch bis vor 200 Jahren auch das Handwerk mit ein, wie man hier lernt und Becker möchte „dem Pompösen sowieso gern die Luft rauslassen“.

Das tut er trefflich; kunst-und kirchengeschichtliche Fakten werden mit Banalem kombiniert. So wird der Vergleich von griechischen Säulen mit einem Hagebau-Rohbau fotografisch dokumentiert, Laokoon wird zum frühen Whistleblower á la Edward Snowden und der heilige Sebastian zum inoffiziellen Schutzheiligen der Schwulen. Herrlich unterhaltsam wechseln Fakten mit Pointen.

Bernd Tragbar, eigens aus Solingen angereist, ist „von Beckers umfassendem Wissen beeindruckt“. Und Tochter Nicole Schulte findet „bestechend, wie er Kunst mit politischer Satire verbindet.“

Überaus versiert präsentiert der vielfach ausgezeichnete Künstler in der zweiten Hälfte wiederum berühmte Gemälde, erläutert in urkomischen Wortsalven die Körperzugewandtheit der Renaissance: „Die Venus von Botticelli, nackt und wunderschön – die könnte noch heute als Topmodel durchgehen.“

Der röhrender Hirsch stand Pate

Dabei beherrscht er die Kunst, in seiner freigeistigen Respektlosigkeit dennoch niemals, um der Pointe willen, in billige Entwertung abzugleiten. Becker ist eben auch ein Künstler seines Metiers. Er spricht mit einiger Gelassenheit und Intelligenz aus, was viele insgeheim denken und triggert damit nicht nur die Lachmuskeln seines Publikums. Fast würde man ihn sich als Lehrer wünschen. Seine urkomische, immer sehr bodenständig kritische Perspektive auf die doch immer zutiefst menschlichen Hintergründe des Kunstschaffens könnte so manchen Schüler in guter Weise inspirieren.

Die gesellschaftskritische „Fortbildung“ dieser Art wurde von dem AlldieKunst-Haus-Publikum mit großem Applaus honoriert. Übrigens: Dass dieses großartige Programm in Langenberg zur Aufführung kam ist unter anderem dem Umstand zu verdanken, dass Hausherr Norbert Bauer das geplante Kunsthaus-Projekt „Der röhrende Hirsch“ ins Feld führen konnte. Ob auf dem Bild über der Wohnzimmercouch oder an einer Narrenkappe hängend: Hirschgeweihe verbinden eben.

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