Italiener Oreni begeistert an der Orgel in Langenberg

Der italienische Organist Paolo Oreni spielte das zweite von einer Reihe „Internationaler Orgelkonzerte“ in der Pfarrkirche St. Michael.
Der italienische Organist Paolo Oreni spielte das zweite von einer Reihe „Internationaler Orgelkonzerte“ in der Pfarrkirche St. Michael.
Foto: frei
Die „Internationalen Orgelkonzerte“ in der Kirche St. Michael begeistern nach und nach immer mehr Besucher.Diesmal war der Italiener Paolo Oreni an der Reihe.

Langenberg..  Michael Smetten, Kantor in St.Michael, macht‘s besonders spannend: Nicht nur dass er sich internationale Größen auf der Orgel einlädt, er lässt das Orgelspiel ab und zu kombinieren mit einem Stummfilm und erweckt damit eine längst vergangene Kunstform zum Leben.

So hatte der Berliner Dom-Organist Wolfgang Seifen in Langenberg schon Furore gemacht mit seinen Improvisationen zu den Stummfilmen „Faust“, „Nathan“ und „Metropolis“ und hatte immer mehr Zuhörer zu den Vorstellungen angelockt. Diesmal stand ein Film religiösen Inhalts auf dem Programm: Das Werk des Italieners Giulio Antamoro, „Christus“, aus dem Jahre 1916 mit Improvisationen von Paolo Oreni, ebenso Italiener, ein mehrfach preisgekrönter Solist auf der Orgel.

Nun staunt man einerseits, wie weit man im Jahre 1916 schon in der Filmtechnik war – wie z. B. Überblendungen meisterlich eingefügt sind oder wie Massenszenen gelungen sind.

Andererseits ist man von dem übertriebenen Pathos der Akteure – noch ganz dem 19. Jahrhundert angehörend – peinlich berührt. Die Filmemacher hatten noch nicht das „Monopol“ der Filmkunst, die mimische Ausdrucksgenauigkeit, entdeckt. Da gibt es entweder die bösartige Fratze oder den entseelten Blick gen Himmel, Darstellungen, die uns eher ein Lächeln entlocken. Die Szenen sind auch dem Bibeltext folgend aneinandergereiht ohne dramatischen Zusammenhang, und gestellte Bilder nach berühmten Gemälden werden eingefügt. Bildfolgen, die eher an die Anfänge von Oberammergau erinnern, als dass sie von großer Kunst zeugen.

Ausgleich durch Musik

Diese ganzen Holpersteine und Absonderlichkeiten werden aber unbedeutend, ja lösen sich förmlich auf unter der phänomenalen Orgelimprovisation von Oreni. In einer radikal neuzeitlichen Tonsprache unterlegt er die verschiedenen Filmszenen, ja entschlackt sie, legt ihren Kerngehalt frei, ergründet ihre Tiefe, erhöht die wesentliche Aussage. Kitschige Sentimentalität wird in wahrhaftig erlebbare Emotionalität verwandelt.

Der Süßlichkeit in den Bildformen und Bildbewegungen stellt er eine Herbheit gegenüber, die der Künstlichkeit entgegenwirkt und zu einem Maß führt, das nicht nur den Film erträglich macht, sondern ihn auf eine ehrliche, aussagekräftigere Basis bringt. Nicht nötig, dass Paolo Oreni noch als Zugabe eine Improvisation gleicher Expressivität hinzugefügt hat. Aber er wollte wohl beweisen, dass seine Kunst der Bilder nicht bedarf, sondern für sich allein wirkt und letztlich nicht er vom Film, sondern der Film von ihm profitiert. Zum Schluss machte der Künstler noch eine Beifallsgeste in Richtung Orgel – klar, man staunt immer wieder, was gerade diese Orgel als Aktionsfeld für Könner so alles hergibt.

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