Industriekapitäne unterwegs in der Welt der Wirtschaft
19.02.2010 | 20:21 Uhr 2010-02-19T20:21:00+0100
Wie bereitet man die Manager von Morgen auf die hochkomplexe Welt der Wirtschaft vor? Noch vor einem Hochschulstudium und der üblichen Assistentenzeit bietet das Unternehmensplanspiel „Markt & Wettbewerb“ des „Bildungswerkes der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft“ die Möglichkeit, Unternehmenslenker zu spielen und eine imaginäre Firma zur wirtschaftlichen Blüte zu bringen – oder schlimmstenfalls mit Glanz und Gloria in den Bankrott zu wirtschaften.
Dieses Managementtraining für junge Menschen, bei dem sich „Mannschaften“ von Auszubildenden in 61 Spielteams aus 42 Unternehmen aus ganz NRW miteinander messen, findet im Rahmen von Wettbewerben über mehrere Monate statt. Nach sechs Vorrunden, die in den jeweiligen Betrieben ausgetragen werden, konkurrieren letztlich nur noch acht Gruppen aus sechs NRW-Unternehmen in Wickede, Wiehl, Lüdenscheid, Gelsenkirchen und Phillipstal am Firmensitz des Vorjahressiegers.
Und das war die Schulte-Schlagbaum AG (SAG), die zum dritten Mal in Folge siegreich war und so die Rolle des Schirmherrn übernahm – „das gab es noch nie in der Geschichte des Wettbewerbs“, so SAG-Sprecher Daniel Schäferhoff. Elif Aydin (22), Pasquale Matthes (21) und Julian Liebert (22) sind drei von insgesamt zwölf SAG-Azubis, die in der Schlussrunde in zwei Gruppen zusammen mit ihrer Ausbilderin Elke Lange-Ehrbarth Industriekapitäne spielten. Nachdem sie im vergangenen Jahr schon unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise Kaffeemaschinen produzieren und an den Mann bringen mussten, waren jetzt Spielekonsolen das Konsumgut.
Mittags im Foyer des Best Western Parkhotels: Die Drei haben ihre Scheinfirma offenbar gut durch alle Schwierigkeiten hindurchlaviert. „10 Millionen Euro Gewinn“, verkündet Elif Aydin, eine künftige Industriekauffrau, stolz. Sie und ihre Kollegen warten auf das Urteil der Jury, die die Führungsqualitäten der Kandidaten-Teams abschließend bewerten muss. Die SAG-Crew verweist nicht ohne Stolz darauf, dass sie sich in der Schlussphase ihres Spiels mit einem regelrechten Sanierungsfall am Markt behaupten musste. „Wir haben also erst einmal kräftig investiert, was dann zu erheblichen Schulden führte“, berichtet Pasquale. Marketingstrategien entwickeln, Personalplanung nach der Geschäftsentwicklung ausrichten – die jungen Leute standen während des Spiels immer wieder vor neuen Herausforderungen, die sie am Computer zusammen absprechen und dann als Entscheidung ins Geschehen eingeben mussten. Im Laufe des Nachmittags dann kommt das Votum der Jury: Die beiden SAG-Gruppen holen die Plätze eins und zwei. Die Führungskräfte von Morgen kommen also aus Velbert.
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