In Zukunft Gesamtschule
09.12.2010 | 16:24 Uhr 2010-12-09T16:24:00+0100
Neviges.Die alten bildungsideologischen Gräben und Kämpfe, sie spielen heute (fast) keine Rolle mehr. Die Kommunalpolitik vor Ort ist sich weitgehend einig. Zumal beim Grundsätzlichen: Es sollen endlich mehr Gesamtschulplätze her.
Hierzu rückte die Hardenbergschule spätestens Anfang Oktober als Standort-Kandidatin in den Fokus. Da gab es allerdings noch insgesamt 14 denkbare Szenarien. Mitte November dann das Votum von Kollegium und Schulkonferenz, die Ganztagshauptschule Am Waldschlösschen in eine Gesamtschule umwandeln zu wollen. Und jetzt ist klar: Sie wird’s.
Das ist zumindest der mehrheitliche Wille des Fachausschusses für Schule und Bildung, der am Mittwochabend eine grundsätzliche Vorentscheidung – das Sagen hat natürlich der Rat – getroffen hat: An der Hardenbergschule soll eine zweite städtische, vierzügige Gesamtschule eingerichtet werden. Aufbauend, zunächst also lediglich im Sek I-Bereich mit den Stufen 5 bis 10. Der Start ist schon zum Schuljahr 2011/12 gewünscht. Laut Protokoll sogar einstimmig. Außerdem soll die bestehende Gesamtschule Poststraße von sechs auf fünf Züge verkleinert werden. Diese Marschrichtung ergibt unterm Strich 84 zusätzliche Gesamtschul-Plätze, bei maximaler Auslastung wären es sogar 90. Und an der Poststraße wird die Raumnot der Oberstufe gelindert, weil sechs Klassenräume frei werden.
Hingegen sind an der Hardenbergschule – aktuell dreizügig mit 18 Klassenzimmern – sowohl Um- als auch Ausbauten erforderlich. „Spätestens 2013/2014 müssten wir damit wohl anfangen“, meinte Ulrich Stahl, demzufolge z. B. „aus der sicherlich etwas überdimensionierten Aula eine Mensa werden“ könnte. In einer ersten Kalkulation schätzt die Verwaltung die Kosten des Baubedarfs in Neviges auf rund 1,8 Mio Euro brutto. Der Fachabteilungsleiter betont: „Wir brauchen auf jeden Fall Klassenräume, wenn auch nicht sofort.“
Darüber hinaus hat die „Gesamtschul-Operation“ zwangsläufig Folgen für die gesamte Velberter Schullandschaft, wie die Prognosen der Verwaltung bis 2019/2020 zeigen. Das gelte vor allem für die Haupt- und Realschulen – „Die Auswirkungen werden in erster Linie die Heinrich-Kölver-Schule treffen.“ –, während die Lage bei den Gymnasien wohl stabil bleibe.
Alle übrigen Szenarien sind seit der Fachausschuss-Sitzung vom Tisch. Das gilt insbesondere für die Überlegung einer Kooperation bzw. eines Zweckverbandes mit Heiligenhaus. Wie Stahl darlegte, ist eine „wohnortbezogene Auswahl“ der Schüler absolut unzulässig. Man könnte also nicht die gewünschte Zahl von Plätzen für Velberter sicherstellen. Und Dependancen müssen für die Bezirksregierung wesentlich näher beieinander liegen als Poststraße und Am Waldschlösschen.
14:55
@DIE LINKE.Fraktion Velbert
Schade, dass Sie nicht erklärt haben, woher der Schulausschuss das Geld für die zweite Gesamtschule nimmt. Aber diese Frage richtet sich wohl eher an die Ratsmitglieder, die kurz zuvor für das Sparpaket votiert haben.
20:00
Wie wäre es denn mal mit ein paar Hintergründen zu den Themen Sportzentrum, Berateraufträge, Finanzspekulationen...
In der Velberter Zeitung steht ja im Allgemeinen wenig Aufklärerisches was die Lokalpolitik betrifft.
19:55
Ein Dank an die Linke, dass sich hier überhaupt mal wieder ein Politiker/Partei an einer Diskussion beteiligt.
Es wäre schön gewesen, wenn man auch mal was zu anderen Dingen gehört hätte.
Aber zu den Sparbeschküssen gab es nur das Schweigen der Lämmer
18:14
Gerade für die Bildung sollte man endlich etwas tun. Eine Gesamtschule fehlt hier schon seit vielen Jahren. Und was sind 1,8 Mio. gegenüber dem geplanten Neubau für 22 Mio. für die Technischen Betriebe.
11:51
@ Diver2010:
Es wäre sinnvoller, gegen die tatsächlichen Verschwendungen zu wettern (Sportzentrum, Berateraufträge, Finanzspekulationen...) als gegen dringend notwendige Investitionen. Man sollte lieber froh sein, dass das jetzt endlich (und längst überfällig) eingestielt wird, solange es noch geht!
18:33
Am 30.11.2010 beschloss der Rat der Stadt Velbert das 100-Punkte-Sparpaket mit spürbaren Folgen für jeden Bürger dieser Stadt, weil Velbert angeblich kurz vor dem Bankrott steht. Nur wenige Tage später beschliesst der Schulausschuss (davon 6 Ratsmitglieder der obigen Entscheidung) 1,8 Mio Euro für eine zweite Gesamtschule zu verpulvern. Für wie blöd hält der Rat eigentlich seine Bürger und wie lange will sich die Bürgerschaft dies noch gefallen lassen?