In Velbert gibt es einen Schüler-Stammtisch für Senioren

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Was wir bereits wissen
Ein Mal im Monat trifft sich der Gründungsjahrgang der Realschule Velbert in der Bürgerstube. Auch nach 60 Jahren gibt es jede Menge Gesprächsstoff.

Velbert..  Klassentreffen sind keine Seltenheit. Dass sich aber alte Schulfreunde nach 52 Jahren zusammenfinden und von da an jeden Monat in gemütlicher Runde die alten Zeiten aufleben lassen, ist dann doch etwas ganz Besonderes. Seit mittlerweile acht Jahren feiern die ehemaligen Schüler des Gründungsjahrgangs der Realschule Velbert nicht nur jährlich das Ende ihrer Schulzeit, sondern treffen sich auch jeden ersten Dienstag im Monat in der Bürgerstube in Velberts Innenstadt.

Immerhin: Von den etwa 30 Jungen der einstigen Gründungsklasse gehören neun zum festen Kern des Stammtisches. Von den übrigen sind viele in alle Welt verstreut, manch einer ist sogar in die USA ausgewandert. Die Idee für den Stammtisch hatte ein Schulkamerad, der heute in Cuxhaven wohnt – umgesetzt wurde sie aber vom Velberter Ernst Walter Reinhausen. „Alle aufzutreiben war natürlich manchmal schwierig“, erzählt er, von manchen wisse er bis heute die Adresse nicht. Die einstigen Mitschüler von der Idee zu begeistern, war hingegen deutlich einfacher.

Theaterbesuch sorgt für Lacher

Manche sind seit der Gründung des Stammtisches jeden Monat dabei – kein Wunder bei der Stimmung, die die Senioren verbreiten. Treffen die alten Freunde aufeinander, spürt man den Zusammenhalt von damals. Doch vor allem mangelt es ihnen auch 60 Jahre nach dem Ende ihrer Schulzeit nicht an amüsanten Geschichten. Unvergessen ist der gutmütige Klassenlehrer – genannt Opa – der im Unterricht beim Hören eines Musikstückes auf dem Grammophon die Aufmerksamkeit der lesenden Schüler wecken wollte und stets an gleicher Stelle aufsprang – dabei jedes Mal „Jetzt kommt es!“ rufend. Dass er dies auch beim Besuch des Theaters tat und hierfür von seinem Sitz im Publikum – wie gewohnt unter dem Ausruf „Jetzt kommt es!“ – aufsprang, sorgt bei den Freunden noch heute für Gelächter.

Für nicht weniger Gesprächsstoff sorgen auch die harmlosen wie gelungenen Streiche: Als ihr Zeichenlehrer sie zu sich nach Hause einlud, versteckten die findigen Jungen, was sie in die Finger bekamen. „Noch Wochen später hat er uns gefragt: Wisst ihr wo meine Sachen sind?“, lacht Udo Neblung.

Fragt man die heute um die 70-Jährigen nach ihrer Schulzeit, wird klar: Sie haben viel miteinander erlebt. Viele lustige Erlebnisse gab es, doch die Zeit nach 1949 war für die Jugendlichen nicht nur leicht: Kinder von Heimatvertriebenen galt es trotz mitunter deutlicher Altersunterschiede in den Klassenverband zu integrieren. Auch konservativen Erziehungsmethoden sahen sich die Schüler ausgesetzt, konnten jedoch auf die Solidarität der Mitschüler und nicht selten auf die der Lehrer bauen. Das Ende der Schulzeit sorgte darum bei vielen für gemischte Gefühle. „Wir haben gemerkt, dass wir nun auf uns allein gestellt sind“, erinnert sich Reinhausen.