Immer knapp daneben
13.02.2012 | 15:25 Uhr 2012-02-13T15:25:00+0100
Velbert. Johanna von Koczian verkörpert schwerreiche Dilettantin, die trotz notorisch falscher Töne immerhin die Carnegie Hall füllte
Gastspiele öffnen Mittelstädten wie Velbert ohne eigene Bühne, Orchester oder Tanzensemble immerhin die Möglichkeit, einen Eindruck von der Kulturarbeit aus anderen Städten zu gewinnen. Auf diese Weise sind bereits große Sinfonieorchester, Dirigenten, Musiker, aber auch legendäre Schauspieler in die Schlossstadt oder ins Bürgerhaus nach Langenberg gekommen.
In der Woche nach Karneval, am Mittwoch, 29. Februar, ist es wieder so weit: Um 20 Uhr gastiert das bekannte und beliebte Ensemble der Komödie am Kurfürstendamm im Forum Niederberg. In der Hauptrolle der musikalischen Komödie ist Johanna von Koczian zu sehen.
Eine einzigartige Frau
Florence Foster Jenkins war in jeder Hinsicht eine einzigartige Frau, gesegnet mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein. Mit schlafwandlerischer Sicherheit verfehlte die selbst ernannte Sopranistin die Töne der größten Opernarien, die sie auf Bällen und Wohltätigkeitsveranstaltungen triumphierend ihren Zuhörern entgegenschmetterte.
Als Millionenerbin investierte sie ein kleines Vermögen in ihre „Sangeskünste“ und mietete zuletzt die berühmte Carnegie Hall für ein legendäres Konzert. „Glorious!“ ist eine grandiose Komödie und eine anrührende Hommage für diese Frau, deren Lebensfreude und Liebe zur Musik absolut ansteckend sind.
Johanna von Koczian besuchte das Schauspielseminar am Salzburger Mozarteum und wurde von Gustaf Gründgens für die Salzburger Festspiele entdeckt. Weitere Engagements führten sie Anfang der fünfziger Jahre unter anderem an das Wuppertaler Schauspielhaus, dann an die die Staatlichen Schauspielbühnen Berlin, das Bayerische Staatsschauspiel München, das Wiener Theater in der Josefstadt und nach Hamburg an das Thalia Theater. Ihren Durchbruch als Theaterschauspielerin hatte sie 1956 am Berliner Schlossparktheater mit der Rolle der Anne Frank. Ein Jahr später kam der erste Film „Viktor und Viktoria“. Es folgte „Petersburger Nächte“, danach stand sie mit Hansjörg Felmy für „Wir Wunderkinder“ vor der Kamera. Für ihre Rolle der Kirsten Hansen wurde sie mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet. Angebote aus Hollywood lehnte sie aus privaten Gründen ab – und weil sie das deutschsprachige Theater nicht aufgeben wollte. Auch im Fernsehen war sie oft zu sehen.
Johanna von Koczian ist übrigens ausgebildete Sopranistin; in der fünfziger Jahren wurde sie bekannt mit der Rolle der Polly Peachum in Bert Brechts Dreigroschenoper, hier spielte sie zusammen mit Lotte Lenya, Willy Trenk-Trebitsch, Erich Schellow und Wolfgang Neuss.
Für die mittlerweile fast 80-jährige Johanna von Koczian ist es eine besondere Herausforderung, die mangelnde Fähigkeit der Intonation von Florence Foster Jenkins bei richtiger Klavierbegleitung auf der Bühne darzustellen.
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