Im Velberter Rathaus wird keine Beschwerde vergessen

Schmuddelige Dreckecken – so wie hier an der Nedderstraße am Finanzamt bzw. Amtsgericht – bringen viele Velberter auf die Palme.
Schmuddelige Dreckecken – so wie hier an der Nedderstraße am Finanzamt bzw. Amtsgericht – bringen viele Velberter auf die Palme.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Das versichert Dirk Lukrafka. Die Bearbeitung dauert dem Velberter Bürgermeister aber mitunter doch zu lang. Kritik und Anregungen gelten zumeist dem Bereich Bürgerdienste.

Velbert..  Wer seinem aufgestauten Ärger so richtig Luft machen – oder aber eine tolle Idee loswerden – will, der will oft den Chef sprechen. Das ist im Rathaus bzw. bei der Stadtverwaltung der hauptamtliche Bürgermeister. Und der kommt damit prima zurecht, sagt er: „Ich finde das gut, dass sich die Leute melden“, erklärt Dirk Lukrafka, „sonst kriegt man ja kein Gefühl für die Situation vor Ort.“ Grundsätzlich sei es gut, „dass sich die Menschen an den Bürgermeister wenden, dafür ist er doch auch gewählt worden“.

Über die Jahre ist im Velberter Rathaus ein so genanntes Beschwerde-Management aufgebaut und etabliert worden, für das Nicole Fabig zuständig ist. Sie gehört zum Team des Bürgermeister-Büros, befasst sich dort mit den Anliegen und Ideen aus der Bürgerschaft sowie mit deren Kritik und Lob.

Wer sich an die Stadt wende, betont ihr Sprecher Hans-Joachim Blißenbach, bekomme zumeist binnen eines Tages eine Eingangsbestätigung. Und im Chef-Büro werde nachverfolgt, was daraus geworden sei. „Keine Beschwerde verläuft im Sande“, versichert Dirk Lukrafka. Manchmal dauere jedoch die Bearbeitung „schon länger, als man das selbst gerne hätte, zuweilen auch unverständlich lange, aber vergessen wird nichts“.

Die Palette der vorgetragenen Inhalte ist breit, ja schier unendlich. Offenbar geht so mancher von einer Allzuständigkeit der Stadtverwaltung aus. Themen wie Dreckecken, Abfall, Müll, Straßenreinigung oder Entwässerung landen ebenfalls oft im Bürgermeister-Büro, sind aber ureigenste Sache der Technischen Betriebe Velbert (TBV) und werden deshalb weitergeleitet. Übrigens sind dort am Lindenkamp in 2014 insgesamt 1466 so genannte konkrete Hinweise eingetroffen. Mit überdeutlichem Abstand auf Platz eins und zwei: Abfall und Blaue Tonne.

Nicole Fabig ist ebenfalls die falsche Adresse für Verfahren wie etwa Kita-Gebühren, Ordnungswidrigkeitenverfahren, Steuerbescheide oder (Anregungen zu) Planverfahren. Die meisten Eingaben ans Rathaus betreffen, wie die eigens geführte Statistik für 2014 zeigt, den Fachbereich 4 „Bürgerdienste“. Vorrangig geht’s hier u. a. um Tempokontrollen, Halteverbote, verkehrsberuhigende Maßnahmen und Lärmbelästigung. Hundehaufen, Hertie-Immobilie und Knöllchen-Knatsch inbegriffen. Ziemlich gut zu tun haben auch die Kollegen bei der Stadtplanung: Beherrschende Themen waren dort zuletzt die Innenstadt(-Planung) und Leerstände. Und immer gilt: „Die Eingangsstelle hakt nach“, versichert der Stadtsprecher.

Wie es um die Bürger-Kontakte des „ersten Bürgers“ dieser Stadt bestellt ist? Gespräche und Begegnungen gebe es auf allen Terminen, und er sei ja schließlich jeden Tag unterwegs, berichtet Dirk Lukrafka. Aber er will das ausbauen und z B. in der zweiten Jahreshälfte auf den Wochenmärkten ansprechbar sein. So wie sein Vorgänger. „Vor allem aber möchte ich die Jugendlichen gerne mehr ins Boot holen.“