Im Schützenverein „Kleine Schweiz“ regieren die Frauen

Freuen sich auf eine fröhliche Amtszeit (v.l.) : Die Ehrendamen Anette Dellenbusch und Karin Helbig, Prinzgemahl Nadja Bovensiepen, Schützenkönig Bettina I. und Adjutant Sabine Bovensiepen.
Freuen sich auf eine fröhliche Amtszeit (v.l.) : Die Ehrendamen Anette Dellenbusch und Karin Helbig, Prinzgemahl Nadja Bovensiepen, Schützenkönig Bettina I. und Adjutant Sabine Bovensiepen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Frauen an die Macht: Bettina Tewes ist neuer weiblicher Schützenkönig des SV Kleine Schwiz in Tönisheide. Und Bettina I hat sich auch einen rein weiblichen Hofstaat ausgesucht.

Tönisheide..  Die Männer hätten schon ein bisschen erstaunt geguckt. Ob sie auch geschluckt haben, als Bettina Tewes nach 14 Schuss den Vogel herunter holte? „Nein, die Resonanz hier in meinem Verein war rein positiv, alle haben sich mit mir gefreut.“

Bettina I, im richtigen Leben Bürokauffrau in Wülfrath, ist neuer weiblicher Schützenkönig des SV Kleine Schweiz, und auf diese Bezeichnung legen sie und ihr ausnahmslos weiblicher Hofstaat Wert. Denn eine Schützenkönigin, das sei ja „nur“ die Ehefrau bzw Partnerin des Königs. Hat man alle Jahre, kennt man. Aber dieses Jahr lautete das Motto: Nicht gucken, selber machen.

Vom Mitbewerber zum Hofstaat

Und die Herren Schützen? Die hätten, so heißt es aus den Reihen ihres quietschfidelen Hofstaates, in diesem Jahr „wohl ein bisschen gepennt“. An dieser Stelle muss Adjutant Sabine Bovensiepen eingreifen und eine Lanze für ihren Ehemann brechen: „Also, meiner hat nicht gepennt, der hat mitgeschossen.“ Sie selber übrigens auch, ebenso Tochter Nadja.

Sechs Kandidaten traten beim Königsschießen an, zwei männliche, vier weibliche. Es waren just ihre „Kontrahentinnen“, die Bettina I., deren Urgroßvater zu den Vereinsgründern gehörte, dann kurzerhand als ihren Hofstaat auserkor: Neuer Adjutant ist Sabine Bovensiepen, Prinzgemahl ist deren Tochter Nadja, die Ehrendamen sind Anette Dellenbusch und Karin Helbig. Die vier unterstützen ihren König, begleiten ihn zu anderen Schützenfesten, repräsentieren den Verein.

Wie wichtig das ist, wissen vor allem die beiden Ehrendamen Anette Dellenbusch und Karin Helbig aus eigener Erfahrung: Waren die beiden doch an der Seite ihrer Männer in den letzten Jahren jeweils Schützenköniginnen. Dieses Mal nahmen sie selbst den Vogel ins Visier, zum Erstaunen ihrer besseren Hälften: „Meiner wusste gar nichts davon, unsere Männer waren zu feige“, sagt Anette Dellenbusch kichernd. Dass die Vier in der Amtszeit von Bettina I. jede Menge Spaß haben werden, daran dürfte kein Zweifel bestehen. Was sie alle hier schätzen: „Die Geselligkeit, und natürlich den Sport. Ich bin hier praktisch aufgewachsen“, meint Bettina I. Tradition und Moderne, ein Schützenverein, nach außen hin repräsentiert von geballter Frauenpower, das ist auch für Herbert Leonhardt aus dem Vorstand kein Problem. „Wer Kuchen backt, darf hier auch König werden.“

Das wird bei den Hardenberger Schützen, gegründet 1656, ganz anders gesehen. Ex-Kaiserin Angelika Rohles: „Bei uns schießen nur die Männer auf den Vogel, und ich finde das auch gut so. Warum sollte man das ändern?“