Im Bonbonregen
15.02.2010 | 18:52 Uhr 2010-02-15T18:52:00+0100
Velbert. „Helau“ hieß es gestern wieder, als die Rosenmontagszüge durch die Städte zogen. Auch in der Velberter City waren die Narren los: Rund Zehntausend Jecken waren zum fahrenden Treiben gekommen.
Mit Schirmen und Plastiktüten bewaffnet, gingen sie auf Kamelle-Jagd. Und zwar nicht nur kleine Karneval-Fans. „Er kommt, er kommt!“, ruft die kleine Jessica (7) und hüpft aufgeregt auf der Stelle. Dann beugt sie sich nach vorne, vergewissert sich, ob der Zug auch wirklich in ihre Richtung zieht. Wenige Minuten später geht es los: Überall werden Schirme aufgespannt, Tüten aufgezerrt und lauthals gegröhlt. Denn nur wer närrisch auf sich aufmerksam macht, wird mit Bonbons belohnt. „Helau!“ ruft auch Jessica, reißt ihre Arme in die Höhe und lässt sich begeistert vom süßen Regen berieseln. „Ich finde Karneval toll, weil es da so viele Süßigkeiten gibt“, meint sie grinsend und reicht ihre Beute ihrer Mutter weiter, „und weil man sich so schön verkleiden kann.“ Ein Hippie-Kostüm ist es dieses Jahr: bunt, mit Strohhut und vielen Papier-Blümchen - wie das Schwesterlein. So begeistert wie die beiden Bonbon-Jägerinnen scheinen aber nicht alle Kinder zu sein: „Aua, ich hab’ keine Lust mehr“, ruft so der Mini-Löwe von nebenan. Kein Wunder: Statt in die Tüte, hat der Zweieinhalbjährige ein Bonbon auf die Nasenspitze bekommen. Vor Treffern im Gesicht schrecken Justyna, Hanna, Asena und Martina nicht zurück: Voller Elan stürzen sich die vier Zwölfjährigen in Richtung der Wagen, nehmen mit, was sie kriegen können. „Alle Süßigkeiten sind super“, meint Asena, „am liebsten aber mag ich Popcorn.“ Sie selbst war schon auf einem Umzug in Köln, kennt die Unterschiede zum närrischen Treiben in Velbert. Und trotzdem: „In Köln werden größere Sachen geworfen, zum Beispiel Riesen-Kuscheltiere, aber hier gefällt es mir trotzdem“, erklärt sie. Dann öffnet sie ihre Plastiktüte einen Spalt breit und deutet stolz auf ein flauschiges, weißes Plüschtier. Nicht ganz so groß und dennoch schön: Das ist es eben, was den Velberter Rosenmontagszug ausmacht. Michael Schmidt, Zugleiter, ist jedenfalls zufrieden. „Das war ein hervorragender Rosenmontag“, meint er. Zwar zählten in diesem Jahr nur 29 Gruppen zum „närrischen Lindwurm“ - zehn weniger als beim letzten Mal - doch Schmidt ist optimistisch: „Wir hatten einfach viel Schnee, das schreckt viele Leute ab, einen Wagen zu bauen“, sagt er. Auch sonst, so scheint es, verlief alles zufriedenstellend: Die Polizei meldete keine besonderen Vorkommnisse, und auch der Schnee konnte dem Narrentreiben nichts anhaben, „Dank der Technischen Betrieben“, so der Zugchef. Denn deren Mitarbeiter hatten morgens die Straßen frei geräumt. Fleiß, der belohnt wurde: Der Einsatzleiter der TBV bekam prompt den Orden von Prinzessin Babett.
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