Hohe Schauspielkunst in Langenberg

Schauspielerin Cornelia Gutermann-Bauer als schwarzgewandete Kassandra mit beeindruckenden Lichteffekten.
Schauspielerin Cornelia Gutermann-Bauer als schwarzgewandete Kassandra mit beeindruckenden Lichteffekten.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Theater Velbert nutzte erstmalig Alldie-Kunst-Bühne für minimalistische Inszenierung. Weitere bekannte Künstler werden folgen

Langenberg..  75 Minuten nonstop sprach und spielte Schauspielerin Cornelia Gutermann-Bauer vom Turmalin-Theater im süddeutschen Kunreuth mit großer stimmlicher und körperlicher Präsenz auf der Bühne des Kunsthauses Langenberg.

Erstmals wurde damit ein Programm des Theaters Velbert auf der Bühne der ehemaligen Aldi-Filiale in der Wiemerstraße aufgeführt. Die ostdeutsche Schriftstellerin Christa Wolf schrieb ihre „Kassandra“ Anfang der 1980er Jahre, damals noch in der DDR und somit auch im Kontext ihrer gesellschaftlich-politischen Wirklichkeit. Autor Günter Bauer, der auch Regie führte, adaptierte den Text für das Theater.

Die Inszenierung war minimalistisch: es gab lediglich die schwarze Bühne, verschiedenfarbige Scheinwerfer, die die schwarzgewandete Mimin – eindrucksvoll auch die Schatteneffekte – bei ihrem intensiven Spiel beleuchteten.

Beeindrucktes Publikum

Der von Wolf als innerer Monolog angelegte Text wurde zu einer ausdrucksstark gesprochenen Lebensrückschau der Protagonistin, der Seherin Kassandra. Ihre weibliche Perspektive auf die antike griechische Geschichte und Mythologie deckte – neben den von ihr erlittenen Grausamkeiten durch männliche Vorherrschaft – auch die Machtbesessenheit der Herrschenden und die von ihnen gewollte Etablierung von Feindbildern auf.

Der Krieg selbst als Männlichkeits-Mythos wurde in seiner perfiden menschenverachtenden Grausamkeit durch die Stimme der Kassandra fühlbar. Kassandra wurde die seherische Gabe durch den von ihr sexuell verschmähten Gott Apollon verliehen, gleichzeitig soll ihre Stimme zur Bestrafung niemals Gehör finden.

Schon hier zeigte sich in Wolfs Text letztlich, wie die Stimme der Wahrheit zum Verstummen gebracht wird, wenn sie sich der herrschenden Macht nicht zu Willen zeigt. Günter Bauer ließ in dieser Inszenierung ganz den Text wirken, der von Gutermann-Bauer in höchster Eindringlichkeit interpretiert wurde.

„Tief beeindruckt“ zeigte sich Zuschauerin Christiane von Endt: „Ich muss da mal noch nachlesen, da mir die Zusammenhänge etwa im trojanischen Krieg nicht mehr so präsent sind.“

Übrigens freute sie sich besonders über die Möglichkeit, so hochrangige Schauspielkunst hier in Langenberg erleben zu können. Sie ist von Anfang an eine begeisterte Besucherin des Alldie-Kunst-Hauses und sieht unter anderem dem Konzert der Gruppe „Wildes Holz“ mit Spannung entgegen.

Bekannte Künstler

Norbert Bauer, künstlerischer Leiter und Gründer des Hauses Alldie-Kunst, wies in seiner kurzen Ansprache auf die erfreulich verlaufende Etablierung des Veranstaltungsortes hin: „Man kennt uns jetzt schon in den Künstleragenturen und so können wir nun auch bekanntere Künstler wie Jürgen Becker, Thomas Freitag, Nessie Tausendschön und viele Musiker demnächst bei uns präsentieren.“