Hochkarätiges Treffen der Gegenwartskunst

Für dieses längst einzigartige „Who is who“ der deutschen Kunst kurz vor der Jahrtausendwende war’s ein Jubiläumsjahr: 1994 gebar der noch blutjunge Kunsthaus-Verein die Idee mit der Grundsteinkiste. Norbert Bauer war dafür ein Jahr kreuz und quer in Deutschland unterwegs. Es muss noch eine ganz andere Zeit gewesen sein – eine Zeit, als noch die Werke und nicht ihre Auktionspreise die Schlagzeilen bestimmten.

395 Arbeiten bekannter bis großer Namen dokumentiert der Katalog. Bis in den Herbst letzten Jahres hinein war die 28 mal drei Meter messende Grundstein-Wand „komplett aufgebaut“, wie Norbert Bauer sagt, in einer Halle in Essen-Kettwig. Dort hatte sie der damalige Noch-Bürgermeister Stefan Freitag besichtigt – und sich begeistert gezeigt. Inzwischen sind die Grundsteinkisten eingelagert bei den Technischen Betrieben Velbert: bereit für den Einbau in den großen Wandelgang des Bürgerhauses. In der zweiten Jahreshälfte sollen die zehnjährigen Arbeiten am wuchtigen Prunkstück des Stadtbildes soweit sein, dass die bildende Kunst ungefährdet einziehen kann.

„Die Idee Grundsteinkiste ist noch längst nicht ausgereizt.“ Norbert Bauer sagt’s mit hörbarem Elan. Nach einer gemeinsamen Idee knüpfen Gisbert und Sigmund Watty, Gitarrist und Pianist aus Langenberg, sowie Kontrabassist und Komponist Alois Kott ein weltweites Netz aus Kompositionen: Denn zu jeder Kiste soll ein 99 Sekunden kurzes Werk entstehen, das sich in der Ausstellung oder zu Hause per Smartphone-App multimedial abspielen lassen wird. Mehrere Werke lassen sich zu einem 33 Sekunden Medley verknüpfen.

Eingeladen sind dann – möglichst noch 2015 – auch alle noch lebenden Künstler, die so großzügig für Langenberg geliefert hatten. Wenn sie alle zusagen, wird’s ein Gipfeltreffen deutscher Gegenwartskunst, das seinesgleichen sucht. Und die Kunsthäusler planen bereits weitere Großtaten: Auch Lyrik ließe sich ja in die „Kiste“ packen . . . Zur Bücherstadt würde es passen.