Haus und Herz geöffnet
10.09.2010 | 18:46 Uhr 2010-09-10T18:46:00+0200
Es war ein großer Tag im Leben des Rrahman Islami, als eine seiner Töchter in der vollen Aula der Gesamtschule mit lupenreiner Stimme ein Lied vortrug und dafür herzlichen Applaus bekam.
„Meine Tochter, wie sie da stand und die Menschen bewegte, da war es da, das Gefühl: Wir gehören dazu“, erinnert er sich. Ein sicherer Job beim größten Arbeitgeber der Stadt, eine gemütliche und gut bemessene Wohnung, eine Bilderbuchfamilie.
Velbert als Chance
Es war ihm nicht an der Wiege gesungen, dem Kosovo-Albaner Islami, geboren im Vielvölkerstaat Jugoslawien, dass sein Lebensmittelpunkt eines Tages Velbert in Deutschland sein würde. Denn Anfang der 90er Jahre studierte er in Pristina Wirtschaft, war auf dem Weg in eine gute Zukunft. Doch nach einer Demonstration gegen Bürgerkrieg und Slobodan Milosevic kam er ins Gefängnis, musste danach mit seiner Einberufung zum Kriegsdienst rechnen. „Wir sahen die vielen toten Soldaten“, sagt er. 1992 beschloss er, mit seiner Frau Shpresa und der sechs Monate alten Tochter Qendresa zu flüchten.
Das neue Leben begann mit einem Asylantrag in Düsseldorf, wo die ebenso abenteuerliche wie teure Fahrt für die Islamis endete. „Es war sehr hilfreich, dass ich meine Haft im Kosovo durch Dokumente belegen konnte“, erinnert sich Islami. Die drei Bürgerkriegsflüchtlinge wurden gleich nach Velbert weitergeleitet, wo sie am 17. Juni von den Behörden empfangen wurden. „Ich habe diese mittelgroße Stadt mit der Industrie sofort als Chance für meine Familie begriffen“, sagt Rrahman Islami. Die erste Zeit war durch häufige Umzüge geprägt – und die Entscheidung des jungen Mannes, beruflich neu zu starten: „Als Asylbewerber konnte ich mein Studium nicht fortsetzen. Also beschloss ich, so schnell wie möglich irgendeinen Job zu bekommen.“
So dauerte nicht lange, bis er auf einer Baustelle zur Schüppe griff, eine Beschäftigung in einem Gartenbaubetrieb schloss sich an. Während seine Familie stetig größer wurde, wechselte der Vater in die Metallverarbeitung, organisierte Hilfsgütertransporte in den Kosovo und knüpfte Kontakte: „So habe ich Bernd Hofius kennengelernt, Dr. Paul Stein von der evangelischen Kirchengemeinde – und Friedrich und Gisela Stang.“
Mit letzterem, dem pensionierten Studiendirektor, und seiner Frau entwickelte sich seit 1999 eine Art Freundschaft. Die resolute wie herzliche Gisela Stang erteilte dem Islami-Nachwuchs samstags Klavierunterricht, auch Nachhilfe in Schulfächern gab es für die begabten und disziplinierten Kinder. Als die Stangs zum ersten Mal ins Hochhaus zu Besuch kamen, schlugen sie die Hände über dem Kopf zusammen: „Sie brauchen sofort eine andere Wohnung“, zitiert sie Shpresa Islami und muss noch heute über das Entsetzen der beiden Senioren herzlich lachen.
Seither wohnen sie in der Hardenberger Straße. „Die Deutschen haben uns Haus und Herz geöffnet“, sind die Islamis dankbar. Obwohl muslimisch, besuchen sie zu Weihnachten christliche Gottesdienste – und selten die Moschee. Seit 2000 sind die Islamis deutsche Staatsbürger, zu Hause wird prinzipiell nur deutsch gesprochen. Shpresa Islami: „Wir planen keine Rückkehr in den Kosovo – unsere Heimat ist hier!“
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