Hartes Brot
03.10.2007 | 00:00 Uhr 2007-10-03T00:00:00+0200Engagierte Bürger wie Petra Mittelstenscheidt stehen immer wieder vor der schwierigen Aufgabe, das Thema Tierschutz im öffentlichen Bewusstsein zu halten
WELTTIERSCHUTZTAGProtestieren Sie gegen Stierkämpfe! Kein Ei aus Quälerei! Stoppt Versuche an Primaten! Kein Tier soll für Kosmetika sterben! Die Jagd auf Wale muss beendet werden!
Auf der Website des Deutschen Tierschutzbundes herrscht eine Art Kriegszustand. Vehement und mit heftigem Einsatz von Ausrufezeichen wird hier in Frage gestellt und angeprangert, was den meisten Zeitgenossen im Alltag wenig Kopfzerbrechen bereitet. Viel zu wenig, meint Petra Mittelstenscheidt. Die zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins Velbert-Heiligenhaus wirkt nicht wie die beinharte Kämpferin, die agitierend durch die Fußgängerzonen zieht. Ihre Energie, das Schicksal vieler Tiere zum Gegenstand ihres Engagements zu machen, zieht Petra Mittelstenscheidt aus einer über viele Jahre gewachsenen Überzeugung.
Bereits im Elternhaus wurden da wichtige Weichen gestellt: "Ich bin mit Tieren groß geworden - Hunde, Katzen. Der Bezug zum Tier hat mein Leben mit geprägt", sagt sie. Dass sie sich engagieren wollte, war für die in Mülheim geborene 44-Jährige seit Jugendtagen sicher. Über Greenpeace kam sie zum Deutschen Tierschutzbund. "Aber ich brauchte die örtliche Anbindung", erzählt sie. So wurde Petra Mittelstenscheidt vor rund zehn Jahren beim Tierschutzverein Velbert-Heiligenhaus vorstellig, zunächst als einfaches Mitglied. Aktiv wurde die Kommunalbeamtin dann zwei Jahre später. Das harte Brot bei Wind und Wetter am Info-Stand hat sie verdient, unzählige Bittbriefe an niederbergische Unternehmen geschrieben, Mitglieder betreut. Als Verwaltungsfachfrau, die nebenamtlich an der Spitze des Vereins steht, sagt sie: "Ein Verein mit rund 550 Mitgliedern ist aufwändig wie eine Firma."
Die Abteilung Velbert-Heiligenhaus zählt in der Gesamtheit aller dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossenen Vereine nicht zu den lautesten - und gewiss auch nicht zu den reichsten. Von Mitgliedsbeiträgen und Einzelspenden muss etwa das Tierheim an der Langenberger Straße plus Personalkosten gestemmt werden. Vertraglich geregelt ist zwischen Stadt und Verein, dass das Tierheim Fundtiere aufnimmt. Die Stadt zahlt für einige Tage pro Jahr Pauschalen und übernimmt einen Teil der Tierarztkosten. Firmenspenden - nahezu ein Totalausfall, sagt Petra Mittelstenscheidt.
Um im öffentlichen Bewusstsein zu bleiben, veranstaltet der Verein über das Jahr Basare, am kommenden Sonntag, 7. Oktober, einen Tag der offenen Tür mit Tombola, Trödelmarkt, Tiervorführungen, "Bastelparadies", Kaffee und Kuchen. Von 11 bis 17 Uhr sind alle Interessierten im Tierheim, Langenberger Straße 92-94, willkommen.
Der Erlös kommt in voller Höhe dem Tierheim zugute. Erstmals verkauft Petra Mittelstenscheidt hier auch ihre handgezeichneten, fein gerahmten Tierbilder - allesamt Originale. Denn auch künstlerisch ist sie durchaus begabt - aber das ist eine andere Geschichte. Siehe Kommentar
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