Handwerkskammer lehnt Zwangsabgabe für Betriebe ab

Auch Ausbildungsplätze zum Dachdecker bietet die Börse der Handwerkskammer Düsseldorf.
Auch Ausbildungsplätze zum Dachdecker bietet die Börse der Handwerkskammer Düsseldorf.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die NRW-Landesregierung will „ausbildungsunwilligen Handwerksbetrieben“ eine Abgabe aufs Auge drücken. Die Handwerkskammer äußert Kritik, diese Abgabe träfe die Falschen. Außerdem gebe es genügend Ausbildungsplätze.

Velbert..  Die rot-grüne Landesregierung diskutiert zurzeit die Einführung einer Zwangsabgabe für ausbildungsunwillige Handwerksbetriebe. Sie hofft, damit die im Koalitionsvertrag festgelegte Ausbildungsplatzgarantie erfüllen zu können.

Ein Vorstoß, der nicht nur bei der Handwerkskammer in Düsseldorf nicht nachvollzogen werden kann. So sind dort zurzeit Lehrstellen im vierstelligen Bereich registriert: „Wir haben für den Bezirk Düsseldorf etwa 1500 offene Ausbildungsplätze in unserer Börse, eine Zahl, die noch nie so hoch war“, versichert der Pressesprecher der Kammer, Alexander Konrad. Wobei die Handwerksbetriebe keinesfalls gezwungen seien, ihre Vakanzen in der Börse der Kammer zu listen. De facto sei das eigentliche Potenzial noch viel höher.

Eine mögliche Zwangsabgabe sieht die Handwerkskammer kritisch: „Zwang macht da keinen Sinn“, so Konrad, „damit werden doch nur die bestraft, die sich ohnehin bemühen. Was soll es denn auch bringen, z. B. Betriebe, die nichts anderes tun, als Zäune aufzustellen, oder Kleinstbetriebe mit ein oder zwei Angestellten zum Ausbilden zu zwingen?“

Mangel an qualifizierten Kräften

Warum trotz des großen Angebotes dennoch viele Stellen offen bleiben, führt Konrad auf verschiedene Faktoren zurück. So sterbe beispielsweise mit der Hauptschule die Schulform aus, aus der man früher sein Klientel zog. „Die Schüler mit den höheren Abschlüssen orientieren sich oft anderweitig. Auch weil sich immer noch nicht herumgesprochen hat, dass man auch im Handwerk mit dualen und trialen Bildungswegen Karriere machen kann. Das wird in Schulen oft nicht gleichwertig dargestellt.“

Gabriele Leßel, Abteilungsleiterin Berufsbildung bei der Kreishandwerkerschaft Mettmann, kennt die Nöte der Betriebe in Bezug auf die Qualifikation potentieller Bewerber: „Wir haben viele Berufe mit gestiegenen technischen Anforderungen, dafür fehlen einigen Bewerbern wichtige Schlüsselqualifikationen. Mathe zum Beispiel braucht man heute in jedem Handwerksberuf.“ So müsse auch die Frisörin ausrechnen können, wie viel Farbe das Haar verträgt, genau wie der Bäcker die richtige Zutatenmischung fürs Brot berechnen können sollte. Eine Zwangsabgabe käme für bereits unter Lehrlingsmangel leidende Berufsgruppen wie Bäcker, Konditor oder Fleischer einem Schlag ins Gesicht gleich. Vielen Lehrlingen fehlten überdies soziale Kompetenzen, die man nicht nur im Kundenkontakt dringend brauche. „Zum Anfang jedes Lehrjahres bieten wir darum unter dem Motto ,Kippe, Kappe, Kaugummi’ spezielle Kniggeseminare an.“