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Schattenspiel

GSG bringt Spiel des Lebens auf die Bühne

07.11.2010 | 19:21 Uhr
GSG bringt Spiel des Lebens auf die Bühne

Velbert/Essen. GSG-Pennäler haben in der Essener Marktkirche mächtig Licht in den Schatten gebracht: Mit ihrem Menschenschattenspiel feierten die Schüler in der Essener Marktkirche Weltpremiere.

Stationen eines Lebens mit Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ musikalisch ausklingen zu lassen, farbige Schattenspiele auf eine riesige Leinwand zu projizieren und alle teilnehmenden Schüler/innen, schwarz gewandet, mit Kerzen in den Händen durch die Kirche ziehen zu lassen. Das produziert Gänsehaut. Doch wussten die 60 Jugendlichen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums (GSG) und die beteiligten Lehrer noch einen drauf zu legen. Weniger als Zugabe, sondern vielmehr als Reminiszenz an die 21 Opfer, die bei der Love-Parade ihr junges Leben ließen. Der Epilog: Geboren, um zu leben. Live von Schüler/innen und Lehrern intoniert.

Und damit sind wir schon am Anfang des Menschen(schatten)spiels „Im Schatten ist Licht“, mit dem das GSG am vergangenen Wochenende seine Weltpremiere in der Essener Marktkirche – ja – feierte. Ausverkauft waren die sechs Aufführungen, mit denen das Gymnasium den offiziellen Beitrag Velberts zur Ruhr 2010 (re-)präsentierte. In „Stationen eines Lebens“ – von der Geburt bis zum Tod – zeichneten die Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren ihre Sicht vom Leben. Vom Kindsein, vom Druck in der Schule, von Alkohol und Gewalt, von Widerstand gegen die Erwachsenenwelt, aber auch von der großen Liebe, der Hochzeit, dem Elternwerden. Konsequent weitergedacht: Karriere, Alltagsfrust, Träume, Altwerden und Geborgenheit.

Nicht nur die intensive Wirkung des blauen Glaskubus der Marktkirche, der unbedingt und zentral als Stilmittel eingesetzt wurde, der gesamte Raum der kleinen gotischen Kirche wurde als Bühne genutzt. Nicht zu übertreffen die Karriere-Szene: Gut 25 Schülerinnen, wieder in schwarz, eilen in kerzengerader Haltung mit imaginärem Handy am Ohr durch den gesamten Kirchenraum, verbreiten Hektik. Und das musikalisch unterlegt mit Hermann van Veens „Weg da“. Oder der Alltag, der zu einem langweiligen Einheitstrott verkommt. Dargestellt von zwei Schülerinnen, die sich in ansteigender Geschwindigkeit gegenseitig die Wochentage vorbeten. Dann aber in ihre Träume versinken und (hier wieder die unnachahmliche Wirkung des Glas-Kubus) sich surfend in Kalifornien wiederfinden. Alles in allem: eine Inszenierung, die ihresgleichen sucht.

Ellen Wiederstein

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