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Grundschüler streiten fair und bewältigen Konflikte

19.01.2016 | 12:00 Uhr
Grundschüler streiten fair und bewältigen Konflikte
Robin Christ vom Verein „Gewaltfrei lernen“ zeigt Leon, wie man im Streitfall schlichtet.Foto: Uwe Möller

Tönisheide.   Der Verein „Gewaltfrei lernen“ bringt Schülern der Gemeinschaftsgrundschule Tönisheide spielerisch und mit viel Bewegung bei, wie Konflikte vermieden und gelöst werden.

Was passiert, wenn in einer Turnhalle 21 I-Dötze rennen, springen, sich austoben? Das gleiche, was auch auf dem Schulhof geschieht: Man rempelt sich an. Je nachdem, welche Hitzköpfe da aneinander geraten, entsteht aus dem unabsichtlichen Rempler in Windeseile dicker Zoff. Nicht bei den Schülern der Grundschule Tönisheide – falls sie beherzigen, was Robin Christ ihnen mit Schwung und Engagement auf spielerische Weise auf den Weg gibt. Robin Christ ist Sportwissenschaftler, Pädagoge und Mitarbeiter des Vereins „Gewaltfrei lernen“. An diesem sonnigen Morgen zeigt er der 1b, wie man brenzlige Situationen entschärft.

Rumms, bei den Springübungen sind gleich an allen Ecken und Enden der Turnhalle Schüler zusammengestoßen, das war natürlich so gewollt. „Und jetzt?“, fragt Robin Christ. Wie aus einem Mund klingt es da aus 21 Kehlen: „Entschuldigen!“ Doch damit nicht genug. „Und guckt man dann dem anderen aufs Knie?“ Lukas in seinem knallorangenem Sporthemd rollt entnervt mit den Augen, was für eine blöde Frage: „Nee, in die Augen.“

Stopp, bis hierhin und nicht weiter

Hintergrund
Ein Angebot für Kitas und alle Schulformen

Der Verein „Gewaltfrei lernen“ hat seinen Sitz in Pulheim bei Köln. Das Angebot, durch bewegungsreiches Training und Rollenspiele Konfliktfähigkeit zu trainieren und somit z.B. Mobbing zu vermeiden, richtet sich an Kitas und alle Schulformen. Das Programm wird individuell erstellt für Drei- bis 20-Jährige.

Mehr Information unter  (0 22 38) 83 88 79 oder per mail: info@gewaltfreilernen.de

Was tun, wenn man selbst in der Bredouille steckt oder die beste Freundin auf dem Schulhof geärgert wird? In drei Doppelstunden lernen die Schüler aller Klassen, wie man die Eskalation harmloser Situationen verhindert. Und sich selbst oder anderen hilft. „Hör sofort auf, das ist mein Freund“, würde Tom sagen. Der pfiffige Kerl mit dem T-Shirt „School is cool“, das auch viele andere hier tragen, weiß auch, wie er sich gegenüber dem „Opfer“ verhält. „Ich frage: Wie geht’s dir? Kann ich dir helfen oder soll ich den Lehrer holen?“

Zur Übung rangelt Ilaria mit Lukas, und Lina Sophie probiert aus, ob sie nicht doch vielleicht stärker als Vincent ist. Doch wer hier dicke Arme macht, hat verloren. „Den anderen an beide Handgelenke fassen und mit Bärenstimme sagen: Stopp“, ruft Robin Christ. Hilft das nicht, greift Stufe zwei: „Stopp, oder ich gehe zur Aufsicht.“ Lässt der andere immer noch nicht locker, lernen die Kinder, dass es kein gemeines Petzen ist, sich dann wirklich an die nächste Lehrerin zu wenden. Leichter gesagt, als getan – erst mal rauskommen aus den Fängen des Gegners. Kein Problem mit dem effektiven „Zaubergriff“.

Schulleiterin Bärbel Emersleben ist von dem Konzept begeistert, nennt es allerdings lieber „fair streiten“. Denn natürlich werde sowieso nicht mit Gewalt gelernt. „Es fordert ein sehr konsequentes Verhalten der Lehrer, man darf nicht sofort eingreifen. Die Schüler sollen ja erst einmal selbst klar kommen.“ Auch für Eltern gibt es übrigens einen Übungsabend mit Anleitungen zum Schlichten von Konflikten. Raten doch viele Eltern ihrem Nachwuchs einfach: „Schlag zurück“.

Kathrin Melliwa

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2016-01-19 12:00
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