Griechisches Ehepaar feiert Goldhochzeit in Tönisheide

Maria und Nico Psomiadis feiern am 7. Februar goldene Hochzeit.
Maria und Nico Psomiadis feiern am 7. Februar goldene Hochzeit.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Maria und Nico Psomiadis stammen aus Griechenland. Seit 50 Jahren leben sie in Tönisheide, fühlen sich hier wohl. Am 7. Februar feiern sie Goldhochzeit.

Neviges..  Nico Psomiadis ist ein freundlicher, besonnener Mann. Aber zwei Worte bringen ihn mächtig in Rage: Alexis Tsipras. Der 71-Jährige hat kein Verständnis für den neuen Regierungschef in seinem Geburtsland. Denn Heimat, das ist für Nico und Maria Psomiadis seit 50 Jahren Tönisheide. Morgen feiern sie Goldene Hochzeit.

Aber zuerst muss Nico Psomiadis noch ein bisschen Dampf ablassen, was die neue Regierung in Griechenland betrifft. „Ich bin kein Freund von diesen Banditen, wie die sich benehmen, das gefällt mir nicht. Und dieser Tsipras, das ist ein Spinner. Ich sage Ihnen, der hat doch noch keine einzige Stunde geklebt“, sagt jener Mann, der als 18-Jähriger zum Arbeiten nach Deutschland kam. „Bei uns gab es ja nichts, man musste etwas tun.“

Seine erste Station: Eine Textilfirma in Tübingen, bei der er ein Jahr lang blieb – so lange musste man damals bei jenem Arbeitgeber ausharren, der einen aus Deutschland angeheuert hatte. „Dann konnte ich nach Tönisheide umziehen, hier hatte ich nämlich Verwandtschaft.“

Und reichlich Sehnsucht nach seiner Maria, die zunächst in dem Heimatdörfchen Pentayrissos blieb. Die zwei verbindet eine Sandkastenliebe, man kennt sich, solange man denken kann. Sie war 15, er 17, als es funkte. „Wir waren total verknallt“, sagt Nico, und Maria fügt ein bisschen verlegen hinzu: „Ja, er war der Hübscheste“. Die Postboten in Tönisheide und Pentayrissos hatten alle Hände voll zu tun. „aber sie schrieb die schöneren Liebesbriefe“, schmunzelt Nico, der damals für 3,50 Mark in der Stunde bei der Gießerei Baumgart rackerte. 1964 dann die Einberufung zum Militär, der Pflichtdienst dauerte ein Jahr.. Da er schon mal in Griechenland war, gab man sich ein Jahr später, am 7. Februar 1965, das Jawort. „Es war ein schönes Fest mit dem ganzen Dorf, zwei Tage lang, mit viel Ouzo“, erzählt Nico Psomiadis.

Ganz so wild wollen sie morgen natürlich nicht feiern, man geht essen, mit den Familien der zwei Söhnen Pavlos (48), den alle nur Paul nennen, Ioannis (44) und den drei Enkeln Maria und Nico. „Eine Tradition, alle drei heißen wie die Großeltern“, sagt Maria Psomiadis, die 38 Jahre bei der Firma Haco beschäftigt war. Seit dem Tod der einen Schwiegertochter vor neun Jahren kümmert sie sich zudem um Haushalt und Kinder ihres Sohnes. Die Familie, „das ist unser ganzer Stolz.“ Wie ihr Nico kann sie sich nie, nie vorstellen, woanders als in Tönisheide zu leben. Gut, man fährt im Sommer ins eigene Häuschen nach Griechenland – „das hat uns Deutschland ermöglicht“ – aber Heimat, das ist hier, das ist seit 50 Jahren die gemütliche Wohnung in der Kirchstraße, das sind Freunde, Nachbarn, das ist sein Fußballverein. „Ich bin glühender Fan von Borussia Dortmund, wenn ich eine Karte bekomme, dann fahre ich ins Stadion.“ Auch der Beginn dieser Liebe ist unvergessen, damals, als er 1963 in der Gaststätte „Sandkühler“ das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft sah. „Dortmund gegen Köln. Ich war neutral, aber Dortmund hat super gespielt und gewonnen, da habe ich gejubelt.“ Die Reaktion des Wirtes war eindeutig: „Bezahlen und raus“, erzählt Nico Psomiadis und lacht. „Der alte Paul Sandkühler war FC-Fan.“ Wenn ihm seine Borussen morgen zeigen, dass sie das Siegen nicht ganz verlernt haben, wäre das für Familie Psomiadis ein schönes Geschenk zur Goldenen Hochzeit.