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Versteigerung

Gewinnerin ist die Stadt

11.10.2011 | 17:43 Uhr
Gewinnerin ist die Stadt
Die Versteigerung von Fundsachen. Foto: H.W. Rieck

Velbert.   Das sagenhafte Haushaltsloch der Stadt Velbert ist gestern ein bisschen kleiner geworden. Im Innenhof des Rathauses trennte sich die Verwaltung per Hammerschlag von Gegenständen von Wert, die von Bürgern dieser Stadt in den letzten beiden Jahren irgendwo in öffentlichen Gebäuden, Schulen oder Bussen, auf der Straße oder auch im Wald vergessen worden sind.

Das sagenhafte Haushaltsloch der Stadt Velbert ist gestern ein bisschen kleiner geworden. Im Innenhof des Rathauses trennte sich die Verwaltung per Hammerschlag von Gegenständen von Wert, die von Bürgern dieser Stadt in den letzten beiden Jahren irgendwo in öffentlichen Gebäuden, Schulen oder Bussen, auf der Straße oder auch im Wald vergessen worden sind.

Hartmut Saale ist so einer. Im Frühjahr hat er in Neviges seine Uhr verloren, „für mich ein herber Verlust, da ich sie einst von meinem Vater geerbt habe.“ Kürzlich hörte er von der Versteigerung und ist nun gestern hergekommen. „Vielleicht ist sie ja gefunden worden und ich ersteigere sie für drei Euro zurück“, lacht der Rentner.

Saale wie die vielen anderen Schnäppchenjäger mussten jedoch viel Geduld mitbringen. Im zugig-kalten Innenhof des Rathauses und vor ungemütlicher Regenkulisse eröffneten um 11 Uhr Astrid Weber, Abteilungsleiterin des Bürgeramtes, und ihre Kollegen Sigmund Halten und Ellen Tillmann die Auktion. „Da die letzte Versteigerung vor zwei Jahren war, hatten sich die Keller im Rathaus und in den Stadtteilen erheblich gefüllt“, berichtet Astrid Weber. Hunderte Gegenstände waren bereitgestellt worden – Fahrräder für jeden Geschmack, aber auch Geldbörsen, Taschen, Rucksäcke, aber auch einen Schubkarre, Sturzhelme und jede Menge Schirme. Was der Mensch eben so liegen lässt.

Dick angezogen haben sich viele Erwachsene eingefunden, dicht gedrängt um die Absperrung rings

Erlös der Auktion
Karnevalsperücken

Astrid Weber konnte bis Redaktionsschluss noch nicht sagen, wie viel die Auktion der Fundsachen für die Stadt erbracht hat. Die Information will die Abteilungsleiterin des Bürgeramtes jedoch nachreichen. Neben den normalen Fundsachen werden zur Auktion auch leere Brieftaschen gebracht, die die Polizei aufgenommen hat. Der lustigste Posten gestern bei der Versteigerung war ein Rucksack mit zwei Karnevalsperücken, der beim diesjährigen Rosenmontagszug liegen geblieben war.

um die drei Auktionäre. Astrid Weber schwingt einen Gummihammer: „Nur zwei Euro für ein Lederportemonnaie?“, ruft sie mit gespieltem Unglauben. Rumms – dann eben nur zwei Euro. Sigmund Halten kassiert, Ellen Tillmann übergibt. Ein kunderbuntes Kinderfahrrad wechselt für sieben Euro in Privathand. Die meisten Anwesenden beobachten den Prozess, ein Ruck geht durch die Menge, alles tritt noch einen Schritt weiter nach vorn, als Weber das erste Handy hochhält. „Noookia, natürlich ohne Sim-Karte“, informiert sie lauthals. Jetzt kommen die Gebote wie am Schnürchen, darauf scheinen die Interessierten nur gewartet zu haben: Sieben, acht, neun – 13 Euro für die Stadtkasse. Jost Hampel telefoniert mit seiner Familie, gibt im Telegrammstil die wichtigsten Infos der Auktions-Handys an seine Familie weiter. Und bietet mit – „Samsung für Vatter, Motorola für de Mutter, fürn Sohnemann und sein Auto ein Navi“, erzählt er später. Und das alles für gerade mal 30 Euro – „da kann man doch nicht meckern, oder?“

Die Frau mit dem Hammer arbeitet nicht sortenrein ab. Immer mal wieder folgt ein Fahrrad auf eine Tasche, ein mobiles Telefon auf einen Rucksack. So bleiben alle dabei, die fehlende Reihenfolge macht die Auktion unberechenbar. Klar ist: Schirme gehen bei diesem Schmuddelwetter besonders gut. Kamal Öztürk und der Wülfrather Bert Hartmann liefern sich ein kleines Duell bei einem ausgesprochen gut erhaltenen Damenfahrrad. Der Beamte zeigt die blank polierten Speichen, die Weißwandreifen. Bei 25 Euro steigt Hartmann aus. „Soll er’s haben“, knurrt er, nimmt es aber sportlich.

„Hier eine Schubkarre, erstes Gebot: 20 Euro!“, ruft Astrid Weber fröhlich. Dafür gibt’s Gelächter. „Bei Obi ist die kaum teurer“, kommt es von einer Frau aus der dritten Reihe abschätzig. Für das Gartengerät bietet heute niemand etwas. Trotzdem ist es ein guter Tag. Nach vier Stunden sind die Magazine fast leer. Das Gute unterm Strich: Gewinner ist die Stadt.

Matthias Spruck

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