Gedichtanalyse mal ganz anders

Wenn der Wind um die Häuser pfeift und die Kälte durch die kleinsten Ritzen kriecht, ist genau die richtige Zeit für handfeste, aber dennoch nicht weniger hochwertige Musik – die Balladen von Carl Loewe, unglaubliche 400 Stück an der Zahl. Obwohl Loewe auch andere Werke schrieb – Oratorien, Opern, Kammermusik und mehr –, ist er eigentlich nur wegen seiner Balladen bekannt. Diese zu schaffen, beherrschte der Romantiker allerdings meisterhaft. Er versah bekannte und unbekannte Balladen großer und kleiner Dichter mit der passenden Musik und trug sie mit Klavierbegleitung auch selbst vor, gewissermaßen als musikalische Gedichtanalyse. Von Langeweile ist nichts zu merken, wenn der Erlkönig seine Fänge ausstreckt, sich Odin auf Helgoland neue Hufeisen für sein Streitross bestellt und der Wind dazu heult oder ein junger Mann die Treue zu seiner Liebsten mit dem Leben bezahlt.


Inzwischen gibt es unzählige Aufnahmen, darunter auch eine Einspielung sämtlicher Lieder und Balladen und eine wunderbare Interpretation des jungen Thomas Quasthoff mit Norman Shetler, die noch immer erhältlich ist. Erste Eindrücke gibt es auf Youtube, aber seien Sie gewarnt: Loewe-Balladen machen süchtig.