Gastronomen kritisieren Aufzeichnung von Arbeitsstunden

Vor allem in der Gastronomie stößt die Regelung, jede Arbeitsstunde genau zu dokumentieren, auf Kritik. Die Gewerkschaft NGG dagegen begrüßt die seit dem 1. Januar geltende Neuerung.
Vor allem in der Gastronomie stößt die Regelung, jede Arbeitsstunde genau zu dokumentieren, auf Kritik. Die Gewerkschaft NGG dagegen begrüßt die seit dem 1. Januar geltende Neuerung.
Foto: Winfried Labus/WAZ-FotoPool
Die genaue Dokumentation von Arbeitsstunden im Rahmen der Mindestlohn-Regelung stößt bei vielen Gastronomen auf Kritik. Sie sehen dadurch die alltäglichen Abläufe behindert.

Velbert..  Ein typisch deutsches Bürokratiemonster sehen nicht wenige in dem seit dem 1. Januar geltenden Mindestlohn. Besonders in der Gastronomie wird die Pflicht, jede Arbeitsstunde zu dokumentieren als Belastung empfunden: Beginn und Ende der Arbeitszeit für den jeweiligen Tag, sowie die Dauer – Pausenzeiten also ausgenommen – der täglichen Arbeitszeit müssen notiert werden. Innerhalb einer Woche müssen alle Daten beisammen sein und bei einer Kontrolle durch den Arbeitgeber vorgezeigt werden können.

„Es geht nicht um den Mindestlohn selbst“, stellt André Linke, Geschäftsführer von Linke Catering klar, „wir haben schon vorher übertariflich bezahlt.“ Das Problem sei vielmehr der zusätzliche Arbeitsaufwand, der durch die neuen Dokumentationspflichten entstanden sei: „Wir brauchen jeden Monat etwa zwanzig Stunden zusätzlich“, so Linke. Als Betreiber eines Cateringunternehmers träfen ihnen die Pflichten besonders hart: „Wir treffen unsere Mitarbeiter oft erst in der jeweiligen Location“, erklärt er, da sei es schwierig, alle Stunden rechtzeitig dokumentiert zu haben. „Wir zeichnen einfach alles auf. Da wir fast nur Festangestellte haben, ist das kein Problem“, berichtet hingegen Restaurantbetreiber Walter Stemberg.

Erbrachte Leistung muss feststehen

Für die Beschwerden mancher Gastronomen hat Torsten Gebehart von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) nur wenig Verständnis: „Im Arbeitsvertrag steht schließlich nicht, was ungefähr gezahlt und wie viel ungefähr gearbeitet werden muss“, so der Geschäftsführer der NGG Region Düsseldorf-Wuppertal. Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssten daher ein Interesse daran haben, zu wissen, wie lange letztlich genau gearbeitet wurde. „Schon aus wirtschaftlicher Sicht muss das doch klar sein.“ Ein Dienstplan, der Raum für individuelle Änderungen lässt, reiche für eine Dokumentation aus.

Doch es ist nicht nur die Dokumentationspflicht selbst, die die Unternehmer umtreibt. „Wenn innerhalb so kurzer Zeit kontrolliert wird, können Arbeitszeiten nicht mehr flexibel gehandhabt werden“, so Linke, der sich und seine Beschäftigten oft mit arbeitsintensiven Wochenende konfrontiert sieht. Auch an den durch den Mindestlohn unverändert geltenden Arbeitszeitregelungen lässt Gebehart keine Kritik zu. „Die Arbeitszeit kann von acht auf zehn Stunden verlängert werden. Damit hat der Arbeitgeber immerhin 25 Prozent Flexibilität“, so Gebehart und verweist zudem auf die Belastungen in der Branche: „Kaum jemand erreicht das Renteneintrittsalter. Liegt der Lohn dann auch noch unter der Minijob-Grenze, droht für viele Altersarmut.“ Weil es von einem kleinen Teil der Arbeitgeber Usus sei, einen niedrigen Bruttolohn zu vereinbaren und weitere Arbeit schwarz zu bezahlen, befürwortet er auch das Einstellen weiterer Zollbeamten – auch wenn dieses zunächst mit Kosten verbunden ist. „Durch das Aufdecken von Schwarzarbeit bringt jeder Zollbeamte ein vielfaches dieser Kosten wieder ein.“