„Für 90-Jahrfeier sehen wir schwarz“

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Was wir bereits wissen
Langenbergs Freischützen fahren schweres Geschütz auf: Man fühlt sich von der Stadt alleingelassen. Vereinsintern dagegen herrscht größte Harmonie

Langenberg..  Die Wiederwahl aller Vorstandsmitglieder erfolgte einstimmig, man konnte auf ein sportlich sehr erfolgreiches Jahr zurückblicken, die gesamte Vereinsfamilie erfüllt von Harmonie und Eintracht: Gelegenheit also, um eine rundherum positive Bilanz zu ziehen, als sich Langenbergs Freischützen jetzt zur Jahreshauptversammlung im Vereinsheim auf dem Sportplatz Nizzatal trafen. Doch dann kam es doch noch ganz anders. Und es war in der Tat schweres Geschütz, das Vorsitzender Siegfried Köhler gegen die Stadt auffuhr.

Gegenstand seiner Generalabrechnung: Die Sanierung des Sportplatzes Nizzatal – und die massiven Auswirkungen, die das für die Freischützen gehabt habe. „Auf Nachfrage hat man uns stets versichert, dass das Schützenfest in gewohnter und uneingeschränkter Form stattfinden kann“, berichtete Köhler. Erst im Mai habe sich dann plötzlich herausgestellt, „dass dies auf keinen Fall möglich“ sei. Köhler: „Und nicht nur das: Es mussten auch kurzfristig Familienfeiern, Vergleichskämpfe und das Training abgesagt werden.“

Kurzfristig und ohne jede Unterstützung durch den „Verursacher, die Stadt“, habe man dann selbst nach geeigneten Räumen fürs Schützenfest suchen müssen. „Das bedeutete erhebliche Kosten, die wir allein tragen mussten, denn eine Bitte an die Stadt um finanzielle Unterstützung wurde abgesagt“, berichtete der Vorsitzende weiter.

Tief verletzte Schützenseele

Wie tief die Verletzungen empfunden werden, die die Schützenseele durch die Stadt erfuhr, wurde auch deutlich, als Köhler an die Vorbereitung der Sanierungsarbeiten erinnerte: „Während alle Sportplatznutzer zu Informationsveranstaltungen eingeladen waren, wurden die Freischützen nicht informiert“, erklärte Köhler sichtbar verärgert.

Fußballtor behindert Anlieferungsverkehr

Und fügte der Liste der durch die Stadt erlittenen Unbilden weitere hinzu. Beispielsweise die Ersatztore für den Fußballplatz, die nun „genau vor unserem Vereinsheim“ stünden, was eine vernünftige Anlieferung zu den vereinseigenen Garagen nunmehr unmöglich mache. Oder das generelle Rauchverbot, das auf der Sportanlage bestehe, und den Gästen bei Festen und Feierlichkeiten nicht nur das Rauchen im Vereinsheim verbiete: „Besucher dürfen auch vor der Tür den Vereinsheims nicht rauchen, sie müssen die Sportanlage verlassen – absurd“, kommentierte das der Freischütz-Vorsitzende.

Auch Festumzug 2015 steht in Frage

Nahezu zwangsläufig also da auch die düstere Prognose, die Köhler für seinen Verein zieht. „Für die 2016 anstehende 90-Jahrfeier sehen wir schwarz“, lautete sein Blick in die Zukunft. Und ob der traditionelle Umzug zum Schützenfest 2015 stattfinden könne, sei ebenfalls fraglich. Köhler: „Angesichts der finanziellen Verluste im letzten Jahr und der dringenden Investitionen in Sportgeräte, Kleidung und Lehrgangskosten für die Jugendabteilung werden wir im Februar eine Entscheidung zu treffen haben, ob wir den Festumzug ausfallen lassen müssen.“

Stadt weist alle Vorwürfe zurück

Bei der Stadt allerdings weist man sämtliche Vorwürfe zurück. „Der Verein ist weit im Vorfeld vor der Baumaßnahme am Sportplatz darauf hingewiesen worden, dass das Schützenfest nicht im gewohnten Rahmen auf der Anlage stattfinden kann“, erklärte gestern Stadtsprecher Hans-Joachim Blißenbach. Zudem sei der Zugang zum Vereinsheim immer möglich gewesen.

Dass eines der Jugendtore vor dem Vereinsheim stehe, bestätigt er: Da diese Tore alle entsprechend der Spielfelder auf dem Platz verteilt seien, stünden natürlich auch eines vor dem Freischützen-Heim.

Rauchen war schon immer verboten

Auch was das Rauchverbot angehe, sei die Lage eindeutig: „Mit der Sanierung des Sportplatzes hat es keine Veränderungen gegeben. Die seit Jahren bestehenden gesetzlichen Regelungen für das Rauchen in öffentlichen Gebäuden und auf Grundstücken der Stadt gelten nach wie vor auch für den Sportplatz Nizzatal“, so Blißenbach.