Das aktuelle Wetter Velbert 4°C
Eine Stunde in . . .

Frischer geht’s nicht

16.10.2012 | 17:00 Uhr
Frischer geht’s nicht
Thomas Albert auf dem Wochenmarkt in Velbert.Foto: Uwe Möller

Velbert.   WAZ-Mitarbeiterin Sonja Lelittka verbrachteeine Stunde auf dem Velberter Wochenmarkt

„Wo drückt der Schuh?“ Wenn Lothar Albert auf dem Wochenmarkt Käse, Wurst und Eier verkauft, ist der Kunde König. Hier findet man neben einer Vielzahl von kulinarischen Köstlichkeiten immer ein offenes Ohr für Wünsche und Fragen – Herzlichkeit und Lächeln inklusive. Und das trotz Nieselregen und frostigen Temperaturen.

An Backwaren reihen sich unter anderem Molkereiprodukte, Obst- und Gemüse, Fleisch- und Wurstwaren sowie Bekleidung und Lederwaren. Mehr als 50 verschiedene Händler bieten auf dem Rathausplatz jeden Dienstag und Freitag ihre Waren an. Und Hausfrauen, Hobbyköche, Frischefanatiker und Feinschmecker kommen ganz auf ihre Kosten.

Klasse statt Masse

Und dennoch: Die Konkurrenz ist groß. Dessen sind sich auch die Händler bewusst und setzen gezielt Akzente. Gerd Otto Wieschermann verkauft Wild und Geflügel: „Bei uns zählen die Frische und die Qualität. Wir sind Spezialisten und liefern neben einem komprimierten Angebot die dazugehörige hochwertige Beratung. Fragen Sie beim Discounter mal nach einer besonderen Fleischsorte und deren Zubereitung. Da werden Sie nicht weit kommen.“

Und trotzdem: Entgegen aller positiven Erwartungen, den neuen Standort betreffend, sind die Umsätze gesunken. „Um bis zu 30 Prozent“, berichtet Wieschermann und fügt hinzu: „Das Geschäft läuft schlechter, das sagen alle. Die fehlenden Parkmöglichkeiten sind das größte Problem. Aber wir wollen nicht schimpfen, schließlich kann die Verwaltung auch keine Parkplätze herzaubern.“

Durch die Schnelllebigkeit, die Sättigung und die Bequemlichkeit gerate der Wochenmarkt in Vergessenheit, ist Wieschermann überzeugt. Er mutmaßt: „Es ist diese Drive-In-Mentalität der Menschen. Sie wollen mit ihrem Auto am liebsten zum Stand vorfahren. Essen ist allem Anschein nach zum notwendigen Übel geworden.“ Lothar Albert nickt zustimmend. Seit einem halben Jahrhundert arbeitet er auf dem Wochenmarkt und sieht die Veränderungen: „Früher wurde hier ein Pläuschchen gehalten. Heute dominiert die Anonymität.“

Zukunftspläne

Trotzdem sei der Wochenmarkt auf einem guten Weg: Der Sofortverzehr vor Ort soll verstärkt werden, es wird mit Vollgas am Internetauftritt gearbeitet. „Außerdem wollen wir einen Babymarkt für Mütter einrichten, um den Platz auch für die jüngere Käuferschicht bekannt zu machen“, erzählt Wieschermann. „Optimal wäre es natürlich, wenn wir auf den Offersplatz ziehen könnten. Aber das ist noch Zukunftsmusik“, so der Markthändler.

Auf dem Velberter Wochenmarkt sind rund 80 Prozent der Kundschaft Stammkunden. Erika Ohlscher ist eine von ihnen und begutachtet auch an diesem regnerischen Tag prüfend Obst und Gemüse. „Viele Produkte sind auf heimischen Feldern gewachsen – das schätze ich sehr. Aber es hat sich auch eine Menge verändert: Früher ging man auf den Wochenmarkt, um alte Bekannte zu treffen und ein Schwätzchen zu halten. Das ist inzwischen leider nicht mehr der Fall. Und, ja, das vermisse ich.“

Sonja Lelittka

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/7199707/create

Weitere Nachrichten aus dem Ressort
Fotos und Videos
Heiligenhaus von oben
Bildgalerie
Aus der Luft gegriffen
Velbert aus der Luft
Bildgalerie
Von oben
Kroaten am Mariendom
Bildgalerie
Wallfahrt
Velbert Weltweit
Bildgalerie
Serie
Aus dem Ressort
417 Festmeter Holz geerntet
Forstbetrieb
Baumbestand des Waldes auf dem Hordtberg wird durch die TBV forstwirtschaftlich genutzt
Ein Fan-Duell auf Augenhöhe
Vor dem...
Krachende Zweikämpfe auf dem Rasen, packende Wortduelle bei den Fans? Die Vorsitzenden der Velberter Bayern- und BVB-Fanclubs treffen sich zum Streitgespräch – das vor lauter Eintracht keines ist.