Foto einer Velberter Schülerin fällt bei Bürgermeister durch

Grenzfall: Jugendlicher Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit. Mit dieser Annäherung an das Fotothema fiel Aline Dahm beim Bürgermeister durch.
Grenzfall: Jugendlicher Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit. Mit dieser Annäherung an das Fotothema fiel Aline Dahm beim Bürgermeister durch.
Foto: FUNKE Foto Services
Das Bild zweier sich zuprostender Jugendlicher sollte Teil einer Ausstellung im Velberter Rathaus werden. Doch der Bürgermeister persönlich ließ es abhängen.

Velbert..  Eine halbe Stunde dauerte es, bis Aline Dahm das Bild im Kasten hatte. Bis bei den beiden Freundinnen die Körperhaltung stimmte und die Bierflaschen die gewollten Positionen hatten. Dann war die Session im Herminghauspark beendet, ein Beitrag zum Fotografie-Schulprojekt „Grenzfälle 2.0“ im Rohzustand fertig. „Mit unserer Kunstlehrerin wurden die insgesamt zwölf Fotos dann nachbearbeitet“, erinnert sich die 16-jährige NEG-Schülerin, zuletzt wurden die 50 mal 70cm großen Bilder als Exponate im Rathaus aufgehängt. Bei der feierlichen Vernissage am vorvergangenen Mittwoch dann die Irritation bei Aline Dahm und ihren Mitschülern: Das Foto aus dem Herminghauspark war nicht mehr unter dem Dutzend. Die anwesende Kunstlehrerin und NEG-Schulleiter Michael Anger informierten die völlig aufgelöste Schülerin zerknirscht, dass Bürgermeister Dirk Lukrafka persönlich verfügt habe, das Bierflaschen-Bild abzuhängen. Eine Begründung dafür gab es nicht, so Aline Dahm. Die Kunsterzieherin schrieb einige Tage später einen Brief an den Bürgermeister, ließ den Appell, das Foto wieder aufzuhängen, von den Kursteilnehmern unterschreiben.

Drohendes Missverständnis

Und auch Alines Mutter machte der Empörung der Familie in einem offenen Brief an die Velberter Politik, die Medien, an Schulleitung und Bürgermeister Luft: Die Darstellung zweier biertrinkender Jugendlicher im Herminghauspark sei Realität, schreibt Jutta Fischer. „Welches Demokratieverständnis wird hier von unserem Bürgermeister vermittelt?“, fragt sie, spricht von „Zensur“.

Im Hauptausschuss vergangenen Dienstag nahm der Angesprochene dann Stellung, verwies darauf, dass die im Bild dargestellten Handlungen verboten seien. „Das ist ja der Sinn bei dieser Themenbearbeitung“, kontert Aline Dahm im Gespräch mit der WAZ. „Wir zeigen Grenzfälle in Form von Suizidgedanken, gleichgeschlechtlicher Liebe oder Drang Inhaftierter nach Freiheit – Dinge, die oftmals in der Gesellschaft mit Tabus belegt sind“, so Aline.

Der Bürgermeister hingegen fragt, ob das Rathaus als öffentlicher Raum geeignet ist für solche Darstellungen. „Vielen, die Behördengänge machen und an den Bildern vorbeigehen, ist nicht bewusst, dass sie Exponate einer Ausstellung sehen“, gibt er zu bedenken. Die Bildaussage könnte missverstanden werden, „ich möchte auf jeden Fall verhindern, dass jemand glaubt, Alkoholkonsum junger Menschen auf dem Spielplatz würde von der Verwaltung akzeptiert.“ Grundsätzlich müsste nun diskutiert werden, wie Ausstellungen künftig konzipiert werden.