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Flüche, Jubel und schwarzer Ketchup

10.06.2012 | 19:00 Uhr
Flüche, Jubel und schwarzer Ketchup
Erst verhaltene Stimmung, dann Jubel: In der Gaststätte Alt Langenberg versammelten sich am Samstag 120 Fußballfreunde zum Public Viewing.Foto: Sonja Glaser-Stryak

Langenberg.   Die WAZ mischt sich beim Public Viewing unter die Langenberger Fußballfans.

Zum Glück lag Skoiva völlig daneben. Der Tipp der Hündin von Jörg Siegel aus Langenberg für die EM-Partie Deutschland - Portugal ging daneben. Noch vor Spielbeginn war ihre Vorhersage via Handy und Facebook rumgezeigt worden. Demnach hätte die Deutsche Elf verlieren müssen.

Und tatsächlich war die Stimmung der rund 120 Fußballbegeisterten über längere Phasen des Spiels nicht die beste. In weißen Trikots, schwarz-rot-golden geschmückt oder mit Deutschlandfarben geschminkt waren sie zum Public Viewing zur Gaststätte Alt-Langenberg gekommen. Deutschland gegen Portugal auf zwei Leinwänden, ein Flachbildschirm füllte das Fenster zum Biergarten hin aus. „Alles in HD+-Qualität“, verkündete Inhaber Arndt Schiller stolz, „wenn, dann machen wir’s auch richtig“. Und das hatten sie. Gastwirtin Charlin Vaak hatte sich etwas Besonderes ausgedacht: Schwarze Mayonnaise und schwarzer Ketchup mit roter Currywurst zu goldenen Pommes. „Einfach lecker“, auch Raja (7 ) war mit dabei. Nicht wegen des Essens, sondern „weil Deutschland da gewinnen kann“. Ihre Eltern hatten den Logenplatz im Biergarten. „Dafür sitzen wir auch schon seit Viertel vor sechs hier“. Sie hatten das EM-Gedeck, ein goldenes Pils, die rote Currywurst und den schwarzen Lakritzlikör probiert. Und blieben bei Schwarz-Gold.

Während sich auf den Leinwänden die deutsche Elf durchs Spiel schleppte, wurde gefachsimpelt, spekuliert, geflucht. Verfehlungen kommentiert: „Rot…“ – „Du hast doch keine Ahnung, Schiri!“. Außer Flüchen und einer ersten kurzen Begeisterung gleich nach Anpfiff, blieben die Emotionen verhalten. Auch Volker Münchow MdL fieberte mit, rauchte in der Pause erst mal eine Zigarette, „hätte ich mal doch lieber die schwarze Krawatte angezogen!“

Hinten im Saal heizte DJ Ralle vom RMM Event Management während der Pause ein, versuchte die Stimmung zu heben. „Sobald für uns ein Tor fällt, spiele ich ‚Oh wie ist das schön‘ ein. Hoffe, dass ich es gleich noch spielen kann.“ Nach dem zweiten Anpfiff gleich zu Beginn wieder eine gute Chance für die Deutschen, kurzzeitig lautes Rufen, Hoffen, enttäuschte Gesichter, weiter banges Warten. Nach 72 Minuten endlich überall Jubel, Freude, Aufatmen. Gemeinsam sangen endlich alle „Oh, wie ist das schön…“. Nicht ganz die Kulisse eines Stadions, aber die Stimmung war super. Krönchen, Schals, Mützen, alles wurde wieder zurechtgerückt und etwas stolzer getragen. Dann begann das Zittern um den Vorsprung. Als in der 88. Minute der Ball von Manuel Neuer gehalten wurde, stürzte Arndt Schiller von seinem Stuhl, fiel auf die Knie und dankte dem Fußballgott, „ich hätte auch noch den Fußboden geküsst.“ Alle warteten nur noch gebannt auf den Abpfiff. Endlich Erlösung, gewonnen! „Oh, wie ist das schön“.

Almuth Farer


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