Fingernägel aus Neviges glitzern in aller Welt

Meterhoch sind die Regale, in denen die kleinen Dosen mit den Farben lagern. Seit einigen Monaten hat die Manufaktur ihre Pforten auch für die modebewusste Frau geöffnet. Früher wurde nur der Großhandel beliefert.
Meterhoch sind die Regale, in denen die kleinen Dosen mit den Farben lagern. Seit einigen Monaten hat die Manufaktur ihre Pforten auch für die modebewusste Frau geöffnet. Früher wurde nur der Großhandel beliefert.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
In aller Welt tragen Frauen bunte Nägel made in Neviges: Die „Nagel-Manufaktur Moritz Cosmetics“ stellt Gele und 800 Farben für künstliche Nägel her.

Neviges..  Kelly aus Brasilien war schon persönlich da, Oxana aus Weißrussland auch. Sie wissen, was tausende von Frauen, die sich in Nagelstudios in Paris, London oder den arabischen Emiraten ihre Hände mit Kunstnägeln verschönern lassen, nicht ahnen: Ihre bunten, oft glitzernden „Krallen“ kommen aus Neviges. Rund 120 Rezepturen für UV-Gele und 800 Farben werden in der „Nagel-Manufaktur Moritz Cosmetics“ an der Gewerbestraße 7 hergestellt. Das Team dieses weltweit exportierenden Unternehmens: Firmengründer Tanja und Klaus Schneider, Sekretärin Yvonne McCullough und Aushilfe Marlene Perez.

Vom Boden bis zur Decke nichts als Glas-Dosen mit Aufschriften wie „Pur Cappuccino“, „Pina Colada“ oder „Aqua grey“, und wie die Farben alle heißen. „Wir fertigen seit einiger Zeit auch für den Endverbraucher, also für die Frauen direkt. Da können Sie nicht mit Pink 005 ankommen“ erzählt Klaus Schneider, der schmunzelnd zugibt: „Wenn ich im Supermarkt bin oder sonst wo, gucke ich den Frauen zuerst auf die Hände und denke: Könnte von uns sein.“

Wichtig zu wissen: Die Manufaktur ist kein Nagelstudio, vielmehr gibt es hier alles zu kaufen, was Frau braucht, um sich zu Hause die Kunstnägel passend zum neuen Kleid zu gestalten. Dazu notwendig: eine UV-Lampe und hier hergestellte Gele und Farben.

„Manche Damen gestalten sich jeden Tag ihre Nägel anders, so wie andere abends vor dem Fernseher sitzen“, erzählt Tanja Schneider. Die gelernte Kosmetikerin besaß früher ein eigenes Studio und wollte 2007 nach der Geburt des Sohnes Moritz – Namensgeber des erfolgreichen Familienunternehmens – mehr Zeit für die Familie haben. Die Idee spukte schon länger in ihrem Kopf herum, flugs holte sie Ehemann Klaus ins Boot, der mit Kosmetik bis dahin nichts am Hut hatte. Ein gelernter Techniker und künstliche Fingernägel? Klaus Schneider fing Feuer, eine spezielle Maschine wurde angeschafft, und los ging’s: 65 kg UV-Gel kann das gute Stück in einem Rutsch produzieren. „Pro Jahr kommen wir auf zwölf Tonnen“, so Klaus Schneider. Gerade einmal zwei Gramm benötigt man für eine Nagelmodelage: das Geschäft brummt.

Experimente in der „Hexenküche“

In seiner „Hexenküche“ nebenan hat er bereits 120 verschiedene Rezepturen von Gel entwickelt, prinzipiell besteht ein Gel aus Acrylaten, Photo-Initiatoren und Haftvermittlern. Ab und zu ist auch der Rat eines befreundeten Chemikers gefragt. „Die Kosmetik-Verordnung wird immer strenger. Wir dürfen manche Sachen nicht verwenden, die beim Zahnarzt gang und gäbe sind“, erklärt Schneider. Abgefüllt werden die Produkte in Wuppertal.

Was den Schneiders besonders viel Spaß macht: ständig neue Farben zu entwickeln. Und weil für manche Frauen die Hände zur Mode der kommenden Saison passen müssen, versorgt sie eine Trendsetterin aus der Modebranche mit den nötigen Tipps. Was steht im Sommer an? „Viel orange, pink, aber auch verwaschene Nude-Töne“, erzählt Klaus Schneider, der auch 37 Pflege-Präparate aus Reiskeimöl mit verschiedenen Duftrichtungen kreiert hat. Für den Winter „Spekulatius“ oder „Winterpunsch“, im Frühling lieber „Heckenrose“ oder „Süßes Geheimnis“. Seitdem die Manufaktur nicht nur den Großhandel beliefert, nimmt die Damenwelt für die Nägel aus Neviges weite Wege in Kauf: „Oxana aus Weißrussland sammelt unterwegs noch ihre Freundin ein, die sind dann drei Tage unterwegs.“ Manchmal reiben sich die Schneiders selbst ein bisschen ungläubig die Augen. „Letzens hatten wir Anfragen aus China und Dubai.“