Fachleute aus Velbert sind gegen eine Zuckersteuer

So sieht nicht gerade ein gesundes Frühstück aus. Statt einer Steuererhöhung für Zucker bevorzugen lokale Experten Vorbeugung und Aufklärung.
So sieht nicht gerade ein gesundes Frühstück aus. Statt einer Steuererhöhung für Zucker bevorzugen lokale Experten Vorbeugung und Aufklärung.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Bundesregierung will dem Übergewicht – vor allem bei Kindern – den Kampf ansagen und erwägt eine Erhöhung der Zuckersteuer. Velberter Fachleute und der Kreis bevorzugen einen anderen Ansatz

Velbert..  Nach dem Willen der Koalitionspolitiker in Berlin soll dem Übergewicht der Kampf mit einer nationalen Präventionsstrategie angesagt werden, die auch eine Erhöhung der Zuckersteuer einschließt. Ob höhere Preise tatsächlich vom Zuckerkonsum abhalten, bezweifeln Fachleute, die sich beruflich mit gesunder Ernährung befassen.

Basisarbeit ist wichtiger

Als Ernährungsberaterin ist Claudia Linker im gesamten Velberter Raum in Schulen und Kindertagesstätten mit Schulungen für gesunde Ernährung unterwegs. Zu den Plänen der Regierung sagt sie: „Rein vom gesunden Menschenverstand her glaube ich nicht, dass wenn jemand wirklich Süßigkeiten kaufen will, dass da ein paar Cents mehr abschreckend wirken.“ Ihr wäre eine Verstärkung der Basisarbeit wichtiger: „Wenn ich zum Beispiel mit einer Kita zusammenarbeite, ist mein erster Termin immer der mit den Eltern, die kaufen schließlich ein und kochen.“ Dass dabei nicht immer gesundes Essen auf dem Einkaufszettel steht, hat sie oft beobachtet: „Viele kriegen Toast mit Nutella mit, bei dem selbst die Rinde entfernt wurde. Letztens traf ich einen Jungen, der zum Frühstück Fanta trank und davon überzeugt war, dass er etwas Gesundes trinkt, wegen der Orangen auf der Flasche“, nennt sie zwei Beispiele.

Wie wichtig es ist, gerade in jungen Jahren eine gesunde Ernährungsweise zu erlernen, kann auch Anna Schiffer bestätigen: „Zwar stellen wir bei unseren Schuleingangsuntersuchungen für den Kreis fest, dass das Übergewicht bei den Fünf- und Sechsjährigen unter zehn Prozent liegt. Aber Studien wie die KIGGS-Studie des Robert Koch-Instituts zeigen, dass es z.B. bei den 17-Jährigen schon 17 Prozent Übergewichtige gibt. Es steigt also mit dem Älterwerden an.“

Als Ursachen sieht die Leiterin der Gesundheitsförderung im Kreisgesundheitsamt aber nicht nur Zucker, sondern auch Fett und Bewegungsmangel. Um dem entgegen zu wirken, hat der Kreis bereits vor Jahren das Lott-Jonn-Programm aufgelegt, dass neben Schwerpunkten auf der Bewegung und Entspannung auch viele Einheiten zum Thema Ernährung beinhaltet. „Dazu zählt beispielsweise das Programm ,Gut Essen lernen’ zur Verbesserung der Mittagsmahlzeit. An diesem haben seit 2009 39 Kitas im Kreis, davon zehn aus Velbert, teilgenommen“, so die Ökotrophologin. Ebenfalls gut angenommen wird auch die Weiterbildung „Süßes in der Kita“, bei der ein angemessener Umgang mit Süßem im Fokus liegt oder der Kurs „Schmecken lernen“, bei dem sich alles um die Ernährungspyramide dreht.

Dass der Geschmack der Kinder sich verändert hat, konnte auch Renate Zanjani beobachten, wenn sie mit dem mobilen Kinderkochbus durch Velbert und Heiligenhaus zieht: „Mir ist aufgefallen, dass bei den Kindern immer alles so eine Grundsüße haben muss. So dass es zum Beispiel normal ist, das Erdbeeren mit Zucker nachgesüßt werden.“ Auch fällt der für die Zentrale Unternehmenskommunikation der Diakonie Aprath zuständigen Sprecherin oft die mangelnde Vielfalt auf: „Viele kennen Kartoffeln mit Fleisch oder Spaghetti Bolognese. Mit unserem Kochbus wollen wir die Palette erweitern.“