Ev.Kirchenchor in Neviges wappnet sich für sein Jubiläum

Singen aus Spaß an der Freude und zu Ehren Gottes: Der evangelische Kirchenchor probt jeden Mittwoch im Gemeindesaal an der Siebeneicker Straße. Neue Gesichter sind stets willkommen.
Singen aus Spaß an der Freude und zu Ehren Gottes: Der evangelische Kirchenchor probt jeden Mittwoch im Gemeindesaal an der Siebeneicker Straße. Neue Gesichter sind stets willkommen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der evangelische Kirchenchor wird im nächsten Jahr 120 Jahre alt. So langsam laufen die ersten Vorbereitungen, aber erst einmal wird geprobt für den nächsten Auftritt im Gottesdienst.

Vor dem ersten Ton ist Strammstehen angesagt. Arme hoch recken, tief einatmen, „das einzige, was angespannt sein darf, sind die Bauchmuskeln“, mahnt Chorleiterin Anna Levina-Mejeritski. Dann den Oberkörper nach vorn fallen lassen, und „tsch, tsch, tsch“, die Luft kräftig herausblasen.

Angespannt ist hier ansonsten niemand: Spaß am Singen ist Trumpf beim evangelischen Kirchenchor, der jeden Mittwoch um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus an der Siebeneicker Straße 5 probt. Ein Chor mit großer Tradition: Im nächsten Jahr wird er 120 Jahre alt, da hat vor allem Chor-Archivar Günther Thiele bereits jetzt einiges zu tun: „Ausmisten, alte Quittungen wegwerfen, Material sichten.“ An diesem Mittwochabend ruht seine Arbeit, da wird er, wie schon seit 50 Jahren, anderweitig gebraucht: Als einziger männlicher Tenor ist Schwänzen undenkbar.

Was sowieso niemandem hier in den Sinn kommt: „Ich komme immer, die Gemeinschaft ist toll, man kann auch mal Wünsche äußern“, meint Karin Kusserow, seit 37 Jahren Mitglied und mit dieser Zahl im gesunden Mittelfeld. Ist es wirklich nur dieses Gemeinschaftsgefühl, das gemeinsame Singen, das alle hier zusammenschweißt? „Ich nehme hier ganz viel mit nach Hause. Auch, was die Texte betrifft“, meint Katharina Sindt, die vor zwei Jahren dazu stieß. Und Britta Burkhardt, Sopran mit Erfahrung in mehreren Chören und mit 48 Jahren die Jüngste, merkte vor einem Jahr, dass ihr etwas fehlt ohne Kirchenmusik. „Ich singe einfach gern geistliches Liedgut. Zu Ehren Gottes zu singen gefällt mir, das ist einfach schön.“

Und anspruchsvoll. „Bitte bei ,Liebe und Wärme in der kalten Welt’ die Sopranstimme nur als Begleitstimme“, ruft Chorleiterin Anna Levina-Mejeritski, hält kurz inne und gibt die nächste Tonfolge an. „Jetzt nur einmal Tenor mit Bass.“ Konzentration ist angesagt, gilt es doch, einige Klippen zu überwinden, was auch die Chorleiterin weiß: „Das klingt sehr schief, was Sie da singen, aber das muss so sein. Wir machen jetzt ein Experiment, Tenor und Alt, aber ohne den Bass.“ Am Schluss kommen alle zum Einsatz, das Ergebnis ist verblüffend: „Sehen Sie, vierstimmig klingt es viel harmonischer.“

Harmonie ist wichtig, auch jenseits der Tonleiter. Heute dürfen sich am Ende der Probe gleich vier Geburtstagskinder ein Ständchen wünschen, Notenzettel werden verteilt, dabei auf die ein oder andere Strophe verzichtet, denn gleich gibt es noch Häppchen und selbstgebackenen Kuchen. Man hat Zeit füreinander, alle sind heiter und gut gelaunt. Auch ein Grund, warum der Mittwochabend fest verplant ist.

Jetzt ist erst einmal Sommerpause bis zum 12. August. Wer Spaß am Singen hat: Einfach mittwochs um 19.30 Uhr im Gemeindehaus vorbeischauen. Man mus keine Noten können, nur die Bereitschaft mitbringen, ab und zu sonntags vormittags nicht zu Hause zu sein. Denn was wäre der Gottesdienst ohne ein fröhliches Halleluja.