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Zweite Gesamtschule für...

"Es herrscht kein Notstand"

24.03.2010 | 18:15 Uhr

Velbert. Die Leiter der weiterführenden Schulen in Velbert sind längst nicht mit allen Forderungen der Bürgerinitiative zur Gründung einer zweiten Gesamtschule zufrieden.

In einer Pressekonferenz  gaben gestern Vertreter der Haupt- und Realschulen, der Gymnasien und des Berufskollegs eine gemeinsame Stellungnahme zur Gründung der Bürgerinitiative „2. Gesamtschule in Velbert“. Im Kern wurde die Grundlage, auf der die Initiative für eine weitere Gesamtschule argumentiert, in Frage gestellt.

„Wir sprechen uns gar nicht dagegen aus, dass über eine neue Schule nachgedacht wird“, erklärte Angelika Vogt, Leiterin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Jedoch seien die Zahlen, die im Raum stehen, „nicht nachvollziehbar“. So müsse die Initiative gegenüber der Stadt als Schulträger beweisen, dass aus Kapazitätsgründen nur knapp die Hälfte von 467 Bewerbern an den Gesamtschulen angenommen werden konnten. „Da sind auch Daten dabei, die einfach falsch sind“, erklärte Vogt. Werner Schuhmacher-Conrad, Leiter des Nikolaus-Ehlen-Gymnasiums, kritisierte die „haltlose Behauptung, dass 70 Prozent der Kinder eine ungewollte Schule besuchen müssten“. „Wir möchten aber auch auf Gemeinsamkeiten mit der Bürgerinitiative hinweisen“, sagte Vogt weiter. Dabei stehe vor allem die Realisierung des Elternwunsches und die schulische Vielfalt, die der Förderung der „Stärken eines jeden Kindes“ dienen soll, im Mittelpunkt. Dass sich die Gesamtschule als Schulmodell jetzt in den Vordergrund stelle, sei nicht gerechtfertigt. „Den Eltern wird vermittelt, dass in Velbert ein Notstand herrsche“, meinte Peter Schwafferts, stellvertretender Leiter des Berufskollegs Niederberg. Bei den Eltern würde die unbegründete Angst geschürt, dass das eigene Kind von der Haupt- oder Realschule aus keine Möglichkeit mehr habe, das Abitur zu erreichen. „Wir müssen diese Angst nehmen“, sagte Claudia Nübel, Leiterin der Realschule Kastanienallee.

Der Landtagsabgeordnete Marc Ratajczak (CDU), der ebenfalls anwesend war, regte an, eine Art „Schulmarkt“ zu veranstalten, auf dem die Schulen das eigene Schulmodell vorstellen können, um „vorhandenen Ressentiments“ entgegenzuwirken.

Mehmet Kalender

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Kommentare
11.04.2010
20:10
Es herrscht kein Notstand
von Kevin K. | #35

Ich denke, dass viele Eltern Ihre Kinder einfach an der Gesamtschule anmelden, weil Sie denken, dass es der richtige Weg sei und damit erst den Weg am Ende der Klasse 9 pflastern.

Es ist aber nicht so einfach die Gesamtschule zu durchlaufen, habe schon aus dem Freundeskreis Negative Eckpunkte bezüglich der E- und G-Kursen verteilung gehört und den FOR zu erreichen. (d.h. es muss zu einem genauen Zeitpunkt, ein gewisser Schnitt einfach dasein!!!)

Ich denke einfach, dass viele Eltern den Weg Ihrer Kinder nicht schon in Klasse 4 planen möchten und denken wenn Sie zur Gesamtschule gehen, dann läuft das schon...

Damit möchte ich sagen, dass eigentlich eine 2. Gesamtschule nicht notwendig ist - auch wenn es der Wunsch der Eltern ist.

Mit freundlichen Grüßen

27.03.2010
00:27
Es herrscht kein Notstand
von Thomas Auer | #34

@ VelberterBuerger

Ich empfehle Ihnen (und nicht nur Ihnen) den Film Treibhäuser der Zukunft.

Danach können wir uns vielleicht weiter unterhalten.

Bis dahin verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

26.03.2010
15:05
Es herrscht kein Notstand
von Kevin Patrick Poppek | #33

In meinen Augen ist die Gesamtschule gut geredet worden, was die Oberstufe betrifft. Viele Schüler, die planen ihr Abitur zu machen, denken einfach nur, dass die Gesamtschule viel einfacher ist als das Gymnasium was garnicht stimmt dank des Zentralabiturs in NRW. Ich finde eine zweite Gesamtschule würde zwar eine Lösung für die Grundschüler sein aber definitiv nicht für die Oberstufe. An den Gymnasien in Velbert und Umgebung melden sich kaum noch welche für die Oberstufe an aus den oben genannten Grund: Gesamtschule ist vieeeeel einfacher. Auch weiß ich, dass das Gymnasium natürlich nicht einfach ist, aber die Oberstufe der Gesamtschule ist ebenfalls nicht einfach. Ich finde man sollte den Schülern genau in dieser Richtung mehr Informationen liefern denn dann hätten wir die Probleme mit der Oberstufe zumindest etwas vom Tisch. Ich selber habe mich dieses Jahr zuerst auf einer Gesamtschule und dann auf einem Gymnasium angemeldet und hab deutlich den Unterschied zwischen den Anmeldern gesehen ;) Erschreckend meiner Meinung nach wieviele sich an der Gesamtschule anmelden.. Dieser Kommentar soll keinesfalls eine Kritik an die Gesamtschule, insbesondere hier in Velbert sein!

Aber Velbert muss mehr für Schüler machen und mehr Informationen und Möglichkeit zur Verfügung stellen..

Liebe Grüße

25.03.2010
20:37
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #32

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

25.03.2010
20:17
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #31

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

25.03.2010
17:25
Es herrscht kein Notstand
von VelberterBuerger | #30

Sicherlich hängt der Schulerfolg von vielen Faktoren ab. Der Geld-Faktor wird immer eine Rolle dabei spielen. Was mich in diesem Zusammenhang einmal interessieren würde wären Untersuchungen (z.B. für die Velberter Gesamtschule), was mit den Schülern nach ihrem Abschluss passiert ist. Wieviele Abiturienten haben z.B. danach ein Studium angefangen/erfolgreich abschliessen können? Wieviele haben trotz Abitur an der Gesamtschule nur eine Ausbildung begonnen/abgeschlossen? - Das angeführte Argument Schüler haben länger Gelegenheit Fähigkeiten zu entdecken kann ich nicht gelten lassen. Das sind Vorzüge (Wenn man es als Vorzu sehen möchte) des Gangtagsbetriebs den z.B. Das Geschwister Scholl Gymnasium in Velbert ebenfalls unterdessen eingeführt hat. Fächer mit hohem Niveau und Basiswissen besitzen alle weiterführenden Schulen (LK/GK/FK/etc). Die Wahl, wann man als Schüler die Schule verlässt, hat man an jeder anderen weiterführenden Schule ebenso. Man kann die Hauptschule mit 10A oder B verlassen, bei der Realschule die Fachoberschulreife erreichen oder nach dem Hauptschulabschluss abgehen, man kann nach gutbestandenem 10B auch aufs Gymnasium wechseln und dort sein Abi machen.... - Warum das Niveau der Gesamtschule sinkt wenn man sie stärkt? Nun das ist ganz einfach. Den Anhängern der Gesamtschule wäre es sehr recht, alle Schulen zu schliessen und gegen Gesamtschulen zu ersetzen. Sollte dies jemals eintreten, haben wir ruck zuck amerikanische Verhältnisse und der Einheitsschule werden Eltern und Schüler davonlaufen (wie es bei den meisten Ländern mit etablierter Einheitsschule ist). Hier in Velbert wäre es ebenfalls der Anfang vom Ende denn andere Schulen wehren sich berechtigterweise gegen die Errichtung einer 2.Gesamtschule, da sicherlich die Gesamtschule Zulauf bekommen und andere Schulen Einbrüche erleben werden. Schulschliessungen wären zukünftig daher nicht ausgeschlossen. Das kann ich nicht für gut heissen.

25.03.2010
16:41
Es herrscht kein Notstand
von DIE LINKE. Velbert | #29

Der Schulerfolg hängt von zahlreichen Faktoren ab. Grundsätzlich kann man sicher nicht sagen, dass ein Gesamtschulsystem automatisch bessere oder schlechtere Schüler hervorbringt als ein mehrgliedriges System. Es kommt auf die Umsetzung an. Auch das Problem der 2 Klassen Gesellschaft wird damit nicht abgeschafft, lediglich etwas entspannt, nämlich bei der großen Mehrheit, die sich keine Privatschulen leisten kann oder will.

Gesamtschulen haben aber grundsätzliche Vorteile.
Z.B. haben die Schüler länger Gelegenheit, ihre Fähigkeiten zu entdecken und für sich eine zukunftsperspektive zu entwickeln. Auf der Gesamtschule kann auch z.B. ein Schüler mit Interesse an Mathematik (oder welchem Fach auch immer) in diesem Fach auf hohem Niveau unterrichtet und gefördert werden, während er in anderen Fächern geduldig die Basics vermittelt bekommt. Und wenn sich seine Interessen oder Ziele ändern, kann sich das im Extremfall umkehren, ohne dass er deswegen die Schule wechseln muss.
Ebenso kann er im Verlauf seiner Schullaufbahn nach seinen Interessen und Chancen flexibel entscheiden, nach welchem Abschluss er die Schule verlässt.
Damit ist das System praktisch flexibler und durchlässiger als das dreigliedrige System, wo jede Änderung der Situation einen Schulwechsel erfordert, wenn keine mangelhafte Förderung in Kauf genommen werden soll.
Ein Vorteil ist auch, dass die Schüler verschiedener Herkunft länger miteinander in Kontakt bleiben. Daraus erwächst u.a. ein realistischerer Blick auf die anderen Teile der Gesellschaft.

Warum das Niveau der Gesamtschulen sinken soll, wenn man sie stärkt, scheint mir nicht einleuchtend. Was bleibt ist, dass man sich natürlich weiter anstrengen muss, um das Niveau zu heben. Dass kann zu großen Teilen aber leider nicht auf Kommunalebene erfolgen.

25.03.2010
16:17
Es herrscht kein Notstand
von VelberterBuerger | #28

@DIE LINKE

von den Finnen können wir leider nicht allzuviel lernen, da die Vorraussetzungen völlig anders sind als hier (Schulstandorte, teils lange Schulwege, kaum Migranten). Zum Thema Mittelschicht: Das derzeitige Argument für eine Gesamtschule ist die angebliche Chancengleichheit. Es heisst, Kinder reicher Familien würden eher auf ein Gymnasium geschickt, als Kinder ärmerer Familien. Somit soll durch die Gesamtschule auch Kindern einkommensschwacher Familien ein guter Abschluss ermöglicht werden. Soweit die These. Doch das Problem kann nicht durch Gesamtschulen gelöst werden. Wie sie schon selbst bestätigten wird sich die Oberschicht weigern. Das bedeutet, dass das Niveau von Gesamtschulen dauerhaft noch rapider sinken wird. Privatschulen werden sich dumm und dusselig daran verdienen und wir haben das Problem 2-Klassen-Gesellschaft nicht gelöst! Weltweit sind die Erfahrungen mit der Einheitsschule einschneidend negativ (USA, Brasilien, Japan, Mexiko...). Elternwille hin oder her, ich bestreite, dass ein Großteil der Eltern ausreichend mit der Materie vertraut ist. Die Pros/Kontras einer Schulform anhand von Anmeldezahlen abzuwägen finde ich ausgesprochen oberflächlich und kurz gedacht. Speziell für den Fall Velbert finde ich die Idee der Schulleiter, Aufklärungsarbeit zu leisten, ausgezeichnet. Auf-/Abstieg ist auch ohne Gesamtschule möglich. Eine Schule die alle fördert gibt es nicht und wird es auch nie geben. Ich verweise auch an dieser Stelle einmal auf die Hamburger Schulreform, die ja auch den Einheitsschulen-Gedanken in sich trägt und gegen dessen Umsetzung sich breiter Protest regt und vermutlich bald wahlentscheidend werden könnte. Laut dem Präsidenten des deutschen Lehrerverbandes liegt die Gesamtschule in Deutschland beispielsweise am Ende der 10. Klasse hinsichtlich Lernleistung und hinsichtlich sozialer Entwicklung ihrer Schüler drei Jahre hinter dem Gymnasium und zwei Jahre hinter der Realschule (Studien von u.a. Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (MPIB), der Humboldt-Universität Berlin, der Ludwig-Maximilians-Universität München).

25.03.2010
15:32
Es herrscht kein Notstand
von DIE LINKE. Velbert | #27

@ VelberterBuerger

Sie haben natürlich recht, dass unsere Gesamtschulen nicht identisch mit dem finnischen System sind, und dass wir von den Finnen viel lernen können. Aber eine vollständige grundlegende Umgestaltung des Bildungssystems ist derzeit nicht realistisch. Die Gesamtschulen sind unseres Erachtens ein Schritt in die richtige Richtung, zu mehr Chancengleichheit, wirklicher bedarfsgerecher Förderung.

Warum sollte die Mittelschicht deswegen absteigen? Im Gegenteil wird die Mittelschicht durch die Stärkung des Bildungsstadortes Deutschland (wir haben derzeit viel zu wenige Abiturienten) ebenso profitieren wie die gesamte Gesellschaft.

Die Gesamtschulen sind ein zentrales Anliegen der LINKEN, weil wir glauben, dass sie für alle Beteiligten der richtige Weg sind. Selbst für die Oberschicht, auch wenn die sich vermutlich tatsächlich verweigern wird. Dass auch nach einer konsequenten Umsetzung des Gesamtschulgedankens die Bildungspolitik nicht am Ende ist, sondern sich weiter um die Verbesserung der Lernbedingungen kümmern muss, ist selbstverständlich.

Der Elternwille ist als solcher noch nicht abgefragt worden, eine solche Erhebung ist von der Stadt bislang nur angedacht. Wir denken aber, dass die Anmeldezahlen (und die liegen vor, exakt nachprüfbar, Jahr für Jahr) bereits eine deutliche Sprache sprechen.

25.03.2010
15:19
Es herrscht kein Notstand
von Gesamtschulkritiker | #26

Eine im Zusammenhang mit der dritten Runde der PISA-Studien in Auftrag gegebene Auswertung der aktuellen PISA-Ergebnisse 2006 hat ergeben, dass Länder mit früher Aufteilung der Schüler in ein gegliedertes Schulsystem im Vergleich deutlich besser abschneiden, als Länder, in denen erst mit 15 oder 16 Jahren aufgeteilt wird. Die Kompetenzwerte an den Schulen in Deutschland, an denen bereits mit 10 Jahren aufgeteilt wird, liegen beim Vergleich der PISA-Studie 2006 mit dem Schwerpunkt Naturwissenschaften mit einem Mittelwert (MW) von 516 Punkten deutlich über dem OECD-Durchschnitt. Sie liegen insbesondere klar vor den Skandinavischen Staaten (Schweden: 503, Dänemark: 496, Norwegen: 487), der Schweiz (512), Frankreich (495) und Italien (475), wo die Schüler bis zum 15. oder 16. Lebensjahr Gesamtschulen besuchen. Ich bin klar weitere Gesamtschulen!!

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