Es gibt ihn noch, den SSV
22.07.2009 | 18:35 Uhr 2009-07-22T18:35:00+0200
Velbert. Nachdem der Sommerschlussverkauf nicht mehr gesetzlich geregelt ist, reduzieren viele Geschäfte früher
Die Rabatte locken, obwohl der Sommerschlussverkauf (SSV) noch gar nicht angefangen hat. Viele Velberter Geschäfte orientieren sich an dem früher gesetzlich festgeschriebenen Termin und senken Ende Juli die Preise. Der Großteil hat aber schon Wochen vorher angefangen.
„Das ist eine Sache von Angebot und Nachfrage”, sagt Jutta Seemann-Wolf. „Wir haben zwangsläufig schon reduziert. Wenn die Kunden sehen, dass viele Geschäfte in der Stadt schon Rabatte geben, müssen wir unser Angebot anpassen”, erklärt die Inhaberin von Herrenmoden und Miederwaren Wolf. Dieser Druck ist es, der Waltraud Vento den gesetzlich geregelten SSV vermissen lässt. „Mir wäre es lieber, wenn es so wäre wie früher, als alle am gleichen Termin starteten”, sagt die Inhaberin des Herrenmodengeschäftes Pino. „Jetzt fängt einer an, der nächste zieht mit und die Kunden fragen, wieso wir noch nicht reduziert haben. Man ist gezwungen, mitzumachen.”
Abgesprochen ist, dass der SSV am kommenden Montag startet. Gesetzlich gibt es ihn nicht mehr. „Aber: Totgesagte leben länger. Es gibt ihn immer noch, aber auf freiwilliger Basis”, erläutert Waltraud Loose. „Das läuft so: Die Textilbranche einigt sich auf einen Termin, der günstig liegt. An den halten sich dann auch die meisten. Zwar machen nicht mehr so viele mit wie früher, als der SSV noch gesetzlich geregelt war, aber mehr als die Hälfte ist weiter dabei”, sagt die Geschäftsführerin des Einzelhandelsverbandes Nordrhein-Westfalen.
Ursprünglich bezog sich der SSV auf Textilien, Schuhe und Lederwaren. Andere Branchen schließen sich auch dem freiwilligen Termin an. „Das sind vor allem die Bereiche Unterhaltungselektronik, Möbel, Glas, Porzellan und Keramik”, erklärt Loose.
Apollo-Optik wirbt schon seit Wochen mit „SSV-Angeboten”. Reduziert sind vor allem Fassungen und Sonnenbrillen. „Wir schaffen Platz für Neuwaren”, erklärt Augenoptiker Andreas Blum die Aktion. Die Kollektionen für Herbst und Winter kommen in die Geschäfte. Dafür müssen die Lager frei werden.
„Wir haben bewusst zur SSV-Zeit ein ,Reduziert-Fenster' eingerichtet. Ansonsten präsentieren wir uns anders”, sagt Arnd Klose vom gleichnamigen Sportgeschäft. „Wir nutzen dieses Ventil, um Ware reduziert anbieten zu können. Das läuft bei uns wie im Tante-Emma-Laden. Es kommt immer vor, das etwas übrig bleibt, eine bestimmte Größe nicht verkauft wird oder etwas nicht so gut läuft. Über den Preis können wir die Bestände dann schneller verkaufen.”
Auch Waltraud Vento hat die „SSV-Aktion” in ihrem Laden schon begonnen. „Das kommt auf die Stimmung an, das Kaufverhalten der Leute und auch das Wetter spielt eine Rolle. Ich entscheide gefühlsmäßig, wann ich den SSV starte”, sagt sie. „Voriges Jahr habe ich später reduziert. In diesem Jahr haben es die Kunden schon jetzt gut angenommen. Viele schlendern vorbei, sehen, dass wir die Preise gesenkt haben und kaufen dann spontan.” Dass einige Kunden nur an Sonderangeboten interessiert sind und gezielt auf der Suche nach Schnäppchen sind, beobachtet Jutta Seemann-Wolf. „Manche kommen rein und sagen direkt: ,Ich brauche einen BH – aber einen reduzierten. Ich will keinen regulären'”, sagt die Ladeninhaberin.
Viele Geschäfte werben zur gewohnten Zeit und auch schon früher mit den bekannten drei Buchstaben: „SSV”. Aber die klischeehaften Wühltische und die sich gegenseitig die Sonderangebote aus den Händen reißenden Schnäppchenjäger bleiben aus. Vielleicht ändert sich das am kommenden Montag, wenn Dieler seine Türen zum diesjährigen SSV öffnet – um 7.30 Uhr, extra früher als sonst.
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