Erkältungswelle hat Velbert erreicht

Wer mit dickem Kopf und laufender Nase schon flach liegt, braucht keine Impfung mehr. Für alle anderen könnte die aber sinnvoll sein, um das Immunitätsspektrum zu erweitern.
Wer mit dickem Kopf und laufender Nase schon flach liegt, braucht keine Impfung mehr. Für alle anderen könnte die aber sinnvoll sein, um das Immunitätsspektrum zu erweitern.
Foto: dpa
Das Kreisgesundheitsamt Mettmann meldet eine ungewöhnlich hohe Zahl an Fällen. Amtsarzt Dr. Rudolf Lange kann einen Grippeausbruch zwar nicht bestätigen, empfiehlt aber eine Impfung.

Velbert..  Surrend gleiten die Glastüren der Rats-Apotheke auseinander. Schlucken den nächsten Kunden, der schniefend über Husten und Gliederschmerzen klagt. „Seit drei Wochen haben wir mit einer massiven Erkältungswelle zu kämpfen“, berichtet Heinz-Jürgen Waterkamp. Der Apotheker deutet auf die Medikamente in den Regalen: „Und es wird nach allem gefragt, was die Erkältung lindert und die Abwehrkräfte stärkt.“

Dass eine Erkältungswelle über Niederberg schwappt, ist nicht nur Waterkamps persönliches Empfinden. Dr. Rudolf Lange leitet das Kreisgesundheitsamt, das auch für Velbert zuständig ist. Er weiß: „Uns liegt eine deutlich höhere Zahl an Erkältungskrankheiten vor als sonst zu dieser Zeit. Unter diesen Viren befinde sich auch ein Stamm, der stark die Stimmbänder strapaziert – „deshalb sind momentan so viele heiser.“

Dass viele Betroffene nicht nur eine Erkältung, sondern eine handfeste Grippe plagt, das kann Lange offiziell nicht bestätigen. Er erklärt, warum: „Influenza ist nicht meldepflichtig. Deshalb können wir keine konkreten Zahlen nennen. Es sei denn, ein Arzt lässt bei seinem Patienten eine Laboruntersuchung machen – dann haben wir die klare Bestätigung, dass Fälle von Influenza unterwegs sind.“ Diese Meldung würde das Amt zur Zeit alle zwei Tage erreichen. „Die absolute Spitze des Eisbergs“, kommentiert Lange knapp.

Der Unterschied zwischen Erkältung und Grippe? „Die Gesamtfamilie der Viren besteht aus tausenden verschiedenen Stämmen, die eine Erkältung auslösen. Und eine Sippe davon ist besonders problematisch: die Influenza“, erklärt Lange. „Die ergibt ein schwereres Krankheitsbild, die Komplikationen können dramatischer sein. Während sich eine Erkältung langsam einschleicht, haut eine Grippe einen von jetzt auf gleich um“, sagt er weiter. „Und dann geht ein paar Tage lang erst mal nichts mehr.“

Auch Ulrike Müller vom Klinikum Niederberg kann nicht unbedingt von einer wütenden Grippewelle sprechen. Aber auch hier der gleiche Tenor: „Es ist spürbar, dass wir grundsätzlich ein höheres internistisches Patientenaufkommen haben.“ Das sei unter anderem der Jahreszeit und der Witterung geschuldet. „Im extremen Fall einer Influenza ist man bei uns richtig“, fügt die Pressesprecherin noch hinzu.

In den Wartezimmern der Ärzte schnupft, röchelt und fiebert es, die Patienten tummeln sich und mit ihnen die Viren. Lohnt sich eine Impfung jetzt überhaupt noch? Die Antwort auf diese Frage, ein klares „Ja“ wenn es nach Dr. Rudolf Lange geht. „Ich würde in jedem Fall immer eine Impfung empfehlen“, sagt der Amtsarzt. „Es kommt immer wieder vor, dass sich ein Stamm der grassierenden Viren verändert. Jahr für Jahr sammelt man durch jede Impfung Varianten der Antigenkombinationen und erweitert sein Immunitätsspektrum.“ Einzig wenn man schon einen dicken Kopf und eine laufende Nase hätte, lohne sich eine Impfung nicht. Dann sollte man seinen Körper nicht zusätzlichem Stress aussetzen.