„Er war ein sehr freundlicher Chef“

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Renate Kleeberger erinnert sich gerne an Richard von Weizsäcker zurück. Die Langenbergerin lernte ihn vor 57 Jahren über ihren Beruf persönlich kennen.

Langenberg..  Renate Kleeberger isst am Samstag eine selbstgekochte Gemüsesuppe mit Mettwürstchen zum Mittagessen, als sie in den 13-Uhr-Nachrichten vom Tod des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker hört. „Es war ein richtiger Schock“, sagt sie.

Die Meldung berührt die 80-Jährige besonders, weil sie Richard von Weizsäcker als Mensch und Vorgesetzten sehr geschätzt hat. Nach ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau fing sie im Jahr 1952 im Alter von 18 Jahren im Privatbankhaus Waldthausen und Co. in ihrer damaligen Heimatstadt Essen an. Dort lernte sie auch Richard von Weizsäcker kennen, der im Jahr 1958, einige Monate nach dem Tod des Bankiers Fritz von Waldthausen, die Geschäftsleitung des Bankhauses übernahm.

Eine sehr menschliche Art

Bis zum September 1958 arbeitete Renate Kleeberger im Sekretariat von Richard von Weizsäcker. „Ich habe ihn als sehr freundlichen, gerechten und menschlichen Chef erlebt, der so gar nicht abgehoben war. Er hat nie geschimpft und viel gelobt, war stets natürlich und charmant. Wir sind sehr gut miteinander ausgekommen“, erzählt die in der Nachbarstadt Hattingen geborene Langenbergerin.

Als sie einige Monate vor der Geburt ihres ersten Kindes das Bankhaus verließ, unterhielt sie sich mit ihrem Chef sogar über das bevorstehende Ereignis und die Schwangerschaft von dessen Ehefrau Marianne, denn ungefähr zur gleichen Zeit kam eines der vier Kinder der von Weizsäckers zur Welt.

Einladung zum Betriebsausflug

Das Arbeitsverhältnis war so gut, dass ihr ehemaliger Chef Renate Kleeberger im Jahr nach ihrer Kündigung einlud, zusammen mit ihrem Ehemann und Sohn an einem Betriebsausflug des Bankhauses nach Schloss Raesfeld teilzunehmen – ein Erlebnis, an das sie sich bis heute gerne erinnert.

Nachdem Richard von Weizsäcker im Jahr 1984 zum Bundespräsidenten gewählt worden war, schrieb Renate Kleeberger ihm einen Brief, um ihm zu gratulieren. Darin äußerte sie die Befürchtung, dass er sich vermutlich gar nicht mehr an sie erinnern könne. Daraufhin fügte Richard von Weizsäcker dem Antwortschreiben eine persönliche, handgeschriebene Notiz hinzu: „Wie können Sie annehmen, ich hätte Sie vergessen? Wäre ich nur ein Künstler, ich könnte Sie malen!“

Gerade weil der spätere Bundespräsident so sympathisch war, hat Renate Kleebergeralle Unterlagen von damals bis heute aufbewahrt. Ein Wunsch der Langenbergerin blieb dann allerdings doch unerfüllt: „Ich habe immer gedacht und gehofft, dass wir uns noch einmal wiedersehen.“