Er kann’s nicht lassen
03.08.2010 | 18:29 Uhr 2010-08-03T18:29:00+0200
Siegfried Lenz sei der Autor, der ihn über die vielen Jahre am stärksten beeindruckt habe. Durch seine Werke ziehe sich ein roter Faden; stets tauche das Thema „Pflichterfüllung“ in seinen Büchern auf. Diese Pflichterfüllung hat auch das Leben von Horst Haaf geprägt.
Und sie prägt es immer noch. Heute, im Alter von 86 Jahren, betreibt der „Herr der Bücher“ in der Bahnhofstraße ein Antiquariat.
Horst Haaf kann es nicht lassen. In einem Alter, in dem viele Menschen ihre Alltagsaktivitäten auf ein Minimum reduzieren, geht der Buchhändler weiter seinem Beruf nach – oder seinem Hobby. „Als wir zum Jahreswechsel die Buchhandlung Löhr geschlossen haben, sind viele Bücher übrig geblieben. Diese möchten wir verkaufen. Aber natürlich macht mir die Arbeit auch sehr viel Spaß. Beides kommt zusammen“, sagt Haaf.
Viele Autoren geholt
In die Räume der ehemaligen Buchhandlung ist der Junior, Andreas Haaf, mit seinem Spielwarengeschäft „Brumm Bär“ umgezogen. „Der Laden hat gebrummt, wie der Name sagt. Deswegen ist mein Sohn von hier, wo ich jetzt das Antiquariat habe, raus nach nebenan gewechselt“, so Haaf.
Das Antiquariat ist eine von den vielen Stationen im bewegten Leben des Horst Haaf. Nachdem der Velberter mit 23 Jahren nach vier Jahren als Soldat und einem Jahr Gefangenschaft in die Schlossstadt zurückkehrte, war er 62 Jahre lang als Buchhändler tätig. Er heiratete in die Familie von Geschäftsgründer Wilhelm Löhr ein, lernte auch die Buchbinderei. „Das haben wir dann später drangegeben und ich bin Buchhändler mit Leib und Seele geworden“, erzählt Haaf, der im Laufe der vielen Jahre über 100 Autoren nach Velbert geholt hat. Heinrich Böll und Siegfried Lenz sind ihm als Gäste besonders in Erinnerung geblieben. Überhaupt seien die vielen Gespräche mit Autoren, die vielen Buchbesprechungen und Lesungen die Momente in seinem Leben gewesen, an die er sich auch heute noch gerne zurückerinnere.
Aprilscherze ausgeheckt
Horst Haaf leitete in den Fünfziger Jahren als Geschäftsführer den Leseverein, engagierte sich über Jahrzehnte in der Velberter Werbegemeinschaft. „1948 haben wir das Fest ‘100 Jahre Friedrichstraße’ veranstaltet, das war ein besonderes Erlebnis“, so Haaf, der auch immer für einen Spaß zu haben war. Unvergessen bleiben seine Aktivitäten rund um den 1. April. Einmal wurde am früheren Obststand „Roter Schirm“ ein Loch gegraben, um den Bau eines Tunnels für eine Zugverbindung aus Richtung Essen vorzugeben, ein anderes Mal fielen zahlreiche Velberter auf den Besuch des angeblichen Präsidenten von Polwanien herein.
Horst Haaf schmunzelt, wenn er von alten Zeiten erzählt. Er blickt auf eine bewegte und bewegende Karriere zurück: „Mein Leben hat mir viel Spaß gemacht. Und es macht mir noch immer viel Spaß.“ Sprach es und verschwindet in Richtung der Regale, um eines der rund 3000 Bücher aus seinem Antiquariatsbestand zu verkaufen. Der Kunde nimmt es zufrieden entgegen und verlässt den Laden. Horst Haaf ist ebenso zufrieden und hat wieder mal ein kleines Stück zu seiner persönlichen Pflichterfüllung beigetragen.
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