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Emanzipierte Sangesschwestern

03.06.2011 | 15:51 Uhr
Emanzipierte Sangesschwestern
Foto: Uwe Möller

Nierenhof.Die Gründung des Frauenchors „Silcher“ Nierenhof liegt zwar noch kein ganzes Menschenleben zurück, doch die gesellschaftliche Situation von 1951 mutet aus heutiger Perspektive fast mittelalterlich an. „So kurze Zeit nach dem Krieg hatten die Menschen anderes im Sinn, als Chöre zu gründen“, erinnert sich eines der Chormitglieder der ersten Stunde, Waltraud Hallweg. Einer der ersten Frauenchöre überhaupt waren sie, ein Ableger des bereits bestehenden MGV Deutsche Eiche.

„Damals war die Vorstellung noch abwegig, dass sich Frauen abends in einer Gaststätte verabreden, um dort zu singen“, berichtet Hallweg. Doch die westfälischen Damen setzten sich durch, und nach einem Jahr bereits führten sie unter ihrem legendären Leiter Jo Schmier ihr erstes Konzert auf. 1954 emanzipierten sich die Sangesschwestern deutlich von der Deutschen Eiche – Hallweg: Das war doch keine treffende Bezeichnung für Frauen!“ –, um fortan im neuen Titel den Namen des großen deutschen Volkslieddichters Friedrich Silcher zu führen. Der flexible Umgang mit dem jeweiligen Zeitgeist – das sollten nun das Markenzeichen der Silcher-Sängerinnen werden.

Ein tiefgreifender Umbruch fand nach 1970 unter Dirigent Gerhard Sorg statt; zur erhabenen Literatur gesellte sich das, was damals „Musik im Stil der neuen Zeit“ bezeichnet wurde – Musicals vor allem. Das bedeutete nun keineswegs eine Verneigung vor seicht und leicht.

Festkonzert im Oktober

Auch unter Horst Fassbinder arbeitete Silcher am guten Ruf, „wir wollten Meisterchor werden, haben an Wettbewerben teilgenommen“, erinnert sich Waltraud Hallweg, und auch an den Frauenchorfestivals nehmen die Nierenhoferinnen teil. Im sechsten Jahr singt der Frauenchor nun unter Burkhard Wiggeshoff, Dozent an der Bischöflichen Musikschule und der Folkwanghochschule Essen. Ein Vorteil: Wiggeshoff bringt oft junge Talente aus dem Lehrbetrieb mit nach Nierenhof – „eine Bereicherung für unsere Konzerte“, sagt Hallweg.

Abseits des Probenbetriebs existiert beim Frauenchor „Silcher“ ein vorzeigbares Vereinsleben. Am 9. Juli etwa geht es auf Fahrt nach Münster; Aaseefahrt und Stadtbesichtigung inklusive. Es schmerzt den Frauenchor, sein 60-jähriges Bestehen nicht im Bürgerhaus feiern zu können. So wird das Festkonzert gemeinsam mit Ars Cantica am 9. Oktober um 17 Uhr einmal mehr in der Mehrzweckhalle an der Kohlenstraße stattfinden. Und natürlich freute es die Sängerinnen, wenn sich mit Nachwuchs die Tradition des Frauenchors fortsetzen ließe; Waltraud Hallweg ist unter 02052/1359 erreichbar.

Matthias Spruck

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