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Winter 2010

Eiserne Nerven und viel Geduld

27.12.2010 | 17:20 Uhr
Eiserne Nerven und viel Geduld
Manchmal wird es für die Schneeräumer ganz schön eng.

Neviges.Es scheint, als ob Friedhelm Tüsselmann nichts aus der Ruhe bringen könnte. Auch wenn die Straße noch so eng ist: Der 62-Jährige kutschiert seinen Schneeräumer behutsam und mit viel Geduld durch die verschneiten Nebenstraßen. Manchmal trennen nur wenige Zentimeter das fast zweieinhalb Meter breite Schneeschild von den parkenden Autos.

„Jetzt geht das ja“, meint Tüsselmann aber abwiegelnd. „Jetzt isset ja hell.“ Morgens um drei oder halb vier, da sehe das schon anders aus. „Im Dunkeln kann ich doch nicht erkennen, ob unter ‘nem Schneehaufen noch ein Auto steht. Da guckt ja manchmal nur der Spiegel raus.“ Und der ist in der Dunkelheit eben kaum erkennbar.

Überblick dank Kamera: Blick nach hinten und auf den Streuzteller.

Doch auch bei Tageslicht ist der Winterdienst auf den kleinen Nevigeser Nebenstraßen kein Zuckerschlecken. „Schauen Sie mal: Links Zaun, rechts Auto. Viel Platz habe ich hier nicht“, kommentiert Tüsselmann die Situation im Wohngebiet an der Maikammer. Doch die meisten Anwohner haben Verständnis. Sie winken freundlich oder nicken anerkennend, wenn er ohne Berührung so eine Engstelle passiert. „So was freut einen dann natürlich“, sagt der 62-Jährige. „Aber es gibt auch genug, die einfach nur meckern.“ So zum Beispiel in der unteren Steinstraße. Da ist der Anwohner gar nicht froh, dass Tüsselmann die so eben frei geschaufelte Einfahrt wieder zuschiebt. „Aber was soll ich denn machen? Irgendwo muss ich den Schnee ja hinschieben. Und wenn dann links und rechts Einfahrten sind, dann muss es einen halt erwischen.“

Seit zwölf Jahren ist Friedhelm Tüsselmann nun schon für die Technischen Betriebe Velbert (TBV) im Winterdienst unterwegs. „Aber so viel Schnee wie in diesem Winter hatten wir noch nicht“, erzählt er. „Wir wissen ja bald nicht mehr wohin mit dem Zeugs.“ Und genießen könne er die weiße Pracht mittlerweile auch nicht mehr. „Nee, das geht nicht“, sagt er und lacht. „Denn das bedeutet in der Regel Arbeit.“ Davon hat er in den letzten Wochen genug gehabt. „Pause? Hatten wir kaum. Während andere an Weihnachten fröhlich unterm Baum saßen, sind wir hier draußen rumgesaust.“ Bitterkeit klingt da nicht mit. Es ist Winter, das gehört eben dazu.

Kritik über nicht oder schlecht geräumte Straßen, die kann Friedhelm Tüsselmann gut ab. „Es gibt Prioritäten. Hauptachsen werden zuerst geräumt, etwa die Siebeneicker- oder die Wilhelmstraße. Dann auch noch die Straßen, auf denen die Busse verkehren. Erst dann kommen die Nebenstraßen.“ Fällt zwischendurch neuer Schnee, „sind wieder die Straßen der Stufe 1 an der Reihe.“

TFriedhelm Tüsselmann im Cockpit.

Und manchmal, klagt Friedhelm Tüsselmann, „manchmal sind es die Anwohner doch selber Schuld, wenn wir nicht durchkommen.“ So etwa an der mittleren Steinstraße. „Rechts geparkt, links geparkt, irgendwie. Frei nach dem Motto ,Hauptsache ich stehe’.“ Für den Schneeräumer ist das zu eng. „Da fahren wir dann auch gar nicht erst rein.“

Ins Schwitzen gerät Routinier Tüsselmann dann aber doch noch, nämlich im Wendekreis der Alexander-Wolff-Straße. Nur dank Allrad-Lenkung schafft er es, in der kleinen Straße zu drehen. „Sonst hätte ich den ganzen Weg rückwärts wieder hier raus gemusst. Und das ist mit dem Schneeschieber vorne kein Vergnügen.“

Sascha Döring

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Kommentare
29.12.2010
10:13
Eiserne Nerven und viel Geduld
von Pat | #5

@4: zumindest über den Einsatz der Polizei wurde doch auch hier schon berichtet.
Ich finds gut, dass mal was aus der Sicht der Männer an der Schneefront berichtet wird. Mir geht das ewige Gemecker der Leute über schlecht geräumte Straßen echt auf den Keks. Und ich muss auch jeden Tag mit dem Auto und zu Fuß raus. Es ist eben Winter und da sind manche Sachen nicht selbstverständlich.

28.12.2010
13:40
Eiserne Nerven und viel Geduld
von gemeinsamer_velberter | #4

andere Berufsgruppen - Polizei, Feuerwehr, Ärzte, Krankenschwestern, Vollzugsbeamte, Taxifahrer und und und ... müssen auch an Weihnachten arbeiten und machen Ihren Job vernünftig (was dies nun nicht dem im Text genannten Mitarbeiter in Abrede stellen soll; wohl eher seinen Vorgesetzen)

28.12.2010
12:23
Eiserne Nerven und viel Geduld
von IceAge5 | #3

@#2 gute Idee, oder vielleicht sollten wir alle den Schnee zum Recyclinghof bringen, damit man daraus wieder Wasser machen kann!! *Ironiemodusaus*

28.12.2010
12:01
Eiserne Nerven und viel Geduld
von Klaus Ginster | #2

Das ganze einfach zu Seite schieben hat bei den momentanen Massen und Temperaturen keinen Sinn.

Die Stadt sollte die Massen lieber mit LKW`s aus der Stadt weg karren. Denn wie lange will man den warten bis es getaut ist!

28.12.2010
00:37
Eiserne Nerven und viel Geduld
von metropol | #1

Danke für den Einsatz.
Liebe Redaktion, es gibt viele kleine Helden dieses Winters. Was machen eigentlich die Zusteller der WAZ? Ich habe seit zwei Wochen keine Zeitung, aber das wird ja auch nicht so einfach sein. Was bedeutet das für die Zusteller?

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