Einrichtungen aus Velbert begrüßen EU-Vorschläge zum Alkoholpreis

Verkauf von Tabak, Zigaretten und Alkohol an Minderjährige. Kiosk in Monheim am 20.05.2010
Verkauf von Tabak, Zigaretten und Alkohol an Minderjährige. Kiosk in Monheim am 20.05.2010
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Das EU-Parlament will Ende des Monats darüber entscheiden, ob Alkohol teurer und die Altersgrenze für den Konsum angehoben wird. Velberter Institutionen begrüßen den Vorstoß.

Velbert.. In Deutschland trinken 9,5 Millionen Menschen in gesundheitlich belastender Form Alkohol, das belegen Zahlen des Bundesministeriums für Gesundheit. Ende des Monats will das EU-Parlament über Maßnahmen abstimmen, um dieser Entwicklung entgegen zu wirken – darunter eine Erhöhung der Alkoholpreise und eine Heraufsetzung der Altersgrenze für den Konsum.

Umdenken in den Familien

Frank Gentilin begrüßt eine gewisse „Auszehrung“, wie sie durch angehobene Alkoholpreise entstehen würde: „Alkohol ist eines der stärksten Nervengifte, da wäre so eine Maßnahme sinnhaft. In skandinavischen Ländern, wo es bereits erhöhte Preise gibt, kann man ja auch einen ganz anderen Umgang mit Alkohol beobachten. So ist er nicht einfach frei zu kaufen, sondern muss an der Ladentheke bestellt werden, bevor er gebracht wird. Wobei man einschränken muss, dass einem richtig Suchtkranken ein erhöhter Alkoholpreis nichts nützt, dann wird eben die Beschaffungskriminalität steigen.“ Doch so richtig mag der Leiter der Suchthilfeeinrichtung Gut Stock nicht an den dahinter stehenden guten Willen der europäischen Parlamentarier glauben: „Man verdient gut am Alkohol, durch eine Abschaffung des Volumens werden die Einnahmen eben dann durch eine Erhöhung gesichert.“

Dr. Jörg Hilger weist ebenfalls auf Statistiken hin, die den in skandinavischen Ländern gesunkenen Alkoholkonsum belegen: „Grundsätzlich ist der Preis ein präventives Steuermittel und ist aus rein medizinischer Sicht zu begrüßen.“ Auch das Heraufsetzen des Mindestalters für den Konsum auf 18 Jahre befürwortet der leitende Arzt der Psychiatrie II der Fachklinik Langenberg: „Es wäre ein wichtiges Signal dafür, was wir es als Gesellschaft gutheißen, dass Alkohol erst in die Hände über 18-Jähriger gehört.“

Hans-Jürgen Pauly plädiert schon lange für die Anhebung der Preise: „Genau wie bei den Zigaretten habe ich das Gefühl, dass die Politik das Thema bisher nicht ganz ernstgenommen hat, zwar ist es ja nicht die Mehrheit, die säuft, dennoch ist Alkohol die Volksdroge Nr. 1.“ Um daran was zu ändern, glaubt der Vorsitzende des Kreuzbund-Stadtverbandes, müsse bereits in den Familien ein Umdenken einsetzen. „Eltern sollten sich in Bezug auf ihren Alkoholkonsum darüber klar sein, wie sie selbst als Vorbild auf ihre Kinder wirken.“

Judith Ortmann, Leiterin der Diakonie Fachstelle Sucht, bewertet die Maßnahmen als wichtige Bausteine: „Je teurer der Alkohol wird und umso schwerer es wird, daran zu kommen, umso vernünftiger finde ich solche Vorstöße.“