Ein Engel im Weihnachtseinsatz

Markus Schöne ist Gelber Engel beim ADAC in Velbert am Donnerstag 26.12.2014 Bild : Detlev Kreimeier / FUNKE Foto Services
Markus Schöne ist Gelber Engel beim ADAC in Velbert am Donnerstag 26.12.2014 Bild : Detlev Kreimeier / FUNKE Foto Services
Foto: FUNKE Foto Services

Die persönliche Note fällt auch aus der Beifahrer-Perspektive sofort auf: Links neben dem Handschuhfach klebt ein kleines Farbfoto mit Sohn (7) und Tochter (5), auf dem Handy-Display ein Konterfei der Familien-Katze und mittig auf dem Armaturenbrett, da „parkt“ das Modell eines Tumblers. „Mein zweiter Dienstwagen“, erklärt grinsend Marcus Schöne und deutet auf das besagte schwarze Batmobil.

An Heiligabend hatte der ADAC-Straßenwachtfahrer von 7.45 bis 16.30 Uhr Dienst. Heute, am ersten Weihnachtstag, holt der Gelbe Engel seinen richtigen Dienstwagen, einen Ford S-Max, um Viertel vor Zehn in Tönisheide aus der Garage. Seit 2008 bzw. über rund 200 000 Kilometer sind die beiden nun schon miteinander unterwegs.

Der Kfz-Mechaniker, der seit etlichen Jahren auch den Meisterbrief in der Tasche hat, startet den knallgelben Ford, das Modem fährt hoch, auf dem Sky-Pad erscheint sein erster, von den Disponenten im ADAC-Stützpunkt Dormagen übermittelter Auftrag: Am Kostenberg kommt ein Pkw-Fahrer nicht in die Gänge. Die Batterie ist leer.

„Die Arbeit macht einfach Spaß“, sagt Schöne. „Man lernt immer neue, verschiedene Leute kennen. Und die freuen sich, vor allem, wenn wir ihnen helfen können.“ Und das machen der 35-Jährige und seine deutschlandweit fast 1800 Kollegen offensichtlich ziemlich häufig. Die Pannenhelfer kennen herstellerübergreifend verschiedene Fahrzeugtypen universal. Gleich hinter Fahrer- und Beifahrersitz ist der Ford mit Einbauten vollgestopft: u. a. Schubladen mit Werkzeug, sieben Ersatzbatterien, je zwei mal fünf Liter Super und Diesel und nicht zuletzt ein Auslesegerät für die Motorelektronik. Das alles addiert sich zu zweieinhalb Tonnen Gesamtgewicht.

„Wir müssen schauen, was könnte es sein, und dann oft auch improvisieren“, erzählt der ADAC-Mann. Überdies könne man sich Rat und Anregungen über die interne Hotline in Landsberg holen.

Verräterische Marder-Spuren

Marcus Schöne gehört zum 30-köpfigen „Team Wuppertal“ und betreut – zusammen mit drei weiteren Straßenwachtkollegen – die „Strecke 97“: Das ist im Kern der Nord-Kreis samt der ihn durchquerenden Autobahnen; zuweilen geht’s rüber bis in den Norden Düsseldorfs. Laut ADAC Nordrhein ist das Auftragsvolumen bei der Einsatzstrecke 97 von 2012 auf 2013 um fünf Prozent auf ca. 11 000 Einsätze gestiegen. Was einst ein reiner Autobahn-Pannendienst gewesen sei, spiele sich heutzutage größtenteils in den Städten ab, erzählt Schöne. „Früher gingen viele mechanische Teile kaputt. Mittlerweile kommt Elektronik verstärkt hinzu. Meistens haben wir es aber mit den klassischen Fällen zu tun. Batterie, Anlasser, Reifenschäden.“

Und schon muss er in ein Ratinger Wohnviertel. Zu einem Radwechsel. Nach längerer Pause dirigiert ihn der Disponent dann wieder zum Kostenberg. Dort wollte ein VW T 4, anno 1997, nicht anspringen. Der Besitzer wartet schon. Marcus Schöne setzt sich hinters Lenkrad, dreht den Zündschlüssel um und – Überraschung – der Motor läuft. „Ey, astrein“, staunt Walid El Jarbi, „wenn die Jungs kommen, haben die eigentlich immer zu 100 Prozent die richtige Diagnose.“ Schöne empfiehlt, den Anlasser in einer Werkstatt überprüfen zu lassen. Die Leitungen ebenfalls, denn er hat auf einen Blick Marder-Spuren entdeckt.

Es folgen u. a. noch eine Auto-Öffnung (Schlüssel im Kofferraum) und eine Starthilfe (Licht angelassen). Sechs Einsätze werden’s bis zum Schichtende um 18.30 Uhr. „Das ging“, findet Schöne, „ein recht entspannter Tag.“