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Alldie-Kunst-Kaufhaus

„Ein bisschen verstrahlt sind wir hier ja alle“

22.08.2012 | 23:00 Uhr
„Ein bisschen verstrahlt sind wir hier ja alle“
Ortstermin im Wiemhof, wo demnächst das „Alldie-Kunst-Kaufhaus“ eröffnen soll: MdL Volker Münchow (l.), Künstler Norbert Bauer und Hund „Leon".Foto: Harald Wiegand

Langenberg.   Norbert Bauer hat 200 Aktien fürs „Alldie-Kunst-Kaufhaus“ verkauft. Jetzt soll der Mietvertrag für die LEG-Räume im Wiemhof unterschrieben werden.

Was lange währt, soll nun tatsächlich endlich gut werden: „Ich denke, dass wir den Mietvertrag fürs Alldie-Kunst-Kaufhaus in den nächsten Tagen unterschreiben werden“, zeigte sich Norbert Bauer gestern beim Ortstermin im Wiemhof zuversichtlich. Dorthin hatte der Projektkünstler eingeladen – nicht nur, um über den aktuellen Sachstand des geplanten Kunst-Kaufhauses in der ehemaligen Aldi-Filiale im LEG-Haus zu informieren. Bauer nutzte die Gelegenheit auch, um „Kasse zu machen“: Gleich zwei Kunst-Kaufhaus-Aktien mit Spaßdividende“ verkaufte er an den heimischen Landtagsabgeordneten Volker Münchow, der sich vor Ort selbst über das Projekt informieren lassen wollte. „Etwa 200 Aktien haben wir bereits verkauft“, meldete Bauer, dass die Finanzierung des ehrgeizigen Kulturprojektes immer konkretere Formen annimmt. Zum Stückpreis von 100 Euro werden die zunächst auf 1000 Stück begrenzten Aktien der Düsseldorfer Künstlerin C.U. Frank ausgegeben.

12 000 Euro von Sponsoren

Doch auch anderweitig hat Bauer, der mit seinen früheren Kunstprojekten „Grundsteinkiste“, den „Tuchfühlungen I und II“ sowie den „Ruhr-Atollen“ über hinreichende Erfahrung in Sachen Sponsoring verfügt, bereits Förderer fürs Alldie-Kunst-Kaufhaus gewinnen können. „Je 5000 Euro erhalten wir von den Stadtwerken und der Sparkasse, 2000 Euro von Gelsenwasser – und zwar jährlich, zunächst auf zwei Jahre zugesagt“, so Bauer.

Damit sollen die rund 900 Euro Nebenkosten abgedeckt sein, die’s für das 800 Quadratmeter große Ladenlokal im Wiemhof aufzubringen gilt. Das gibt’s von der LEG, die Bauer schon bei früheren Kunstprojekten in Langenberg unterstützte, zwar umsonst – der Vertrag, den es dafür abzuschließen galt, hat es allerdings in sich. „Bereits im März lag der Vertrag vor, sollte eigentlich gleich unterschrieben werden – bis das Gespräch auf die Nebenkosten kam“, erinnert sich Bauer. Die Folge: Bis heute musste verhandelt werden, und selbst ein ursprünglich für den gestrigen Mittwoch vorgesehener Termin zur Unterzeichnung wurde noch einmal verschoben: „Die LEG wollte ihn doch noch mal durch die hauseigene Rechtsabteilung prüfen lassen.“

Ein Laboratorium für Kunst

Ungenutzt ließ Bauer die Zeit der zähen Vertragsverhandlungen nicht verstreichen. Gemeinsam mit Claudius Lazzeroni, Professor für Medienkunst an der Essener Folkwang-Hochschule, und dem Journalisten Udo Vogt arbeitete er weiter an dem Konzept fürs Kunst-Kaufhaus, das nun im Oktober seine Pforten öffnen soll. „Es soll keine Galerie werden, sondern ein Laboratorium für Kunst“, macht Bauer deutlich. Geplant ist, dort immer einen Künstler „in Residenz“ zu präsentieren. Außerdem soll es ein Café und einen Shop für Kunstobjekte geben. „Für Künstler, die mitmachen wollen, gilt als Bedingung: Es muss immer ein Teil unter 100 Euro angeboten werden – schließlich soll für jeden etwas Erschwingliches dabei sein.“

Das sei ihm ohnehin das wichtigste Anliegen: Kunst für jedermann zugänglich zu machen. Wobei der Kurator des Kunst-Kaufhauses deutlich macht: „Wir werden schon Wert auf künstlerische Qualität legen – es macht keinen Sinn, den Versuch unternehmen zu wollen, hier professionelle Kunst und Hobbykünstler unter einem Dach zu vereinen.“ Schon in der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass so etwas nicht funktioniere.

„LA – Stadt mit Ausstrahlung“

Er jedenfalls sei überzeugt davon, Langenberg durch das Kunst-Kaufhaus für auswärtige Besucher auch langfristig noch attraktiver zu machen. „Fachwerk allein reicht nicht – daher setzen wir mit dem Alldie-Kunst-Kaufhaus auf Innovation“, so Bauer. „LA – Stadt mit Ausstrahlung“: Dieses Flair wolle er Besuchern „verkaufen.“ Und in Anlehnung an den Sender und böse Vorurteile aus der Vergangenheit fügt er augenzwinkernd hinzu: „Und ein bisschen verstrahlt sind wir hier ja alle. . .“

Harald Wiegand


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