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Ehemalige Kranke helfen Kranken – auch in Velbert

14.07.2015 | 06:00 Uhr
Ehemalige Kranke helfen Kranken – auch in Velbert
Julia Noll ist noch in Ausbildung, Patricia Kraft ist bereits so genannte Ex-In-Genesungsbegleiterin.Foto: Alexandra Roth

Velbert/Wuppertal.  Mit Genesungsberatern geht die Psychiatrie neue Wege. Und neue Arbeitsplätze entstehen. „Ex-In“ nennt sich das Projekt, an dem auch die Bergische Diakonie teilnimmt.

„Krankheit war meine Ausbildung“, sagt Patrizia Kraft, eine der ersten Ex-In-Genesungsberaterinnen, die in Wuppertal, in der Bergischen Diakonie, tätig sind. Als Patientin, die sie war, will sie helfen, dass andere aufstehen. Mit ihrer Erfahrung will sie helfen, dass psychisch Kranke selbstständiger werden. „Ich will Mut machen, Motivation fördern, aus Liebe zum Leben.“

Renate Zanjani von der Bergischen Diakonie Wülfrath erläutert diesen vollkommen neuen Weg in der Psychiatrie. „Wenn Menschen sich aus persönlichen Krisen weiter entwickeln, eine speziell auf sie zugeschnittene Ausbildung erhalten, ihre Fähigkeiten und ihr eigenes Krankheits-Wissen einbringen können, dann sind gerade diese Menschen eine wertvolle Ergänzung in der Beratung und der Begleitung psychisch kranker Menschen.“

Betroffene als Kollegen

Günter Schäfer-Bach, Qualitätsbeauftragter der Bergischen Diakonie, bringt das Konzept der Ex-In- Gesundheitsberater auf den Punkt. „Betroffene werden ausgebildet und als Kollegen eingebunden.“

Die Entwicklung steht am Anfang. Ehemalige Kranke, die schwere seelische Erschütterungen bewältigt haben, können sich ausbilden lassen.

Mit ihrem Zertifikat vom Träger Lebensart weisen sie nach, dass sie an der zweisemestrigen Ausbildung teilgenommen haben. Damit haben sie die Voraussetzung geschaffen, in der Betreuung seelisch kranker Menschen – wie zum Beispiel bei der Bergischen Diakonie – arbeiten zu dürfen.

Die ausgebildete Gesundheitsbegleiterin Patrizia Kraft wird für ihre Tätigkeit in Wuppertal als 450-Euro-Kraft bezahlt und Julia Noll, die noch in ihrer Ausbildung steckt, ist auf dem Weg zur zertifizierten Ex-In-Genesungsbegleiterin. Seit letztem November wird sie ausgebildet.

Hilfe auf Augenhöhe

Die erste Hürde beim Job-Center hat sie genommen. Immerhin etwa zehn Termine musste sie über sich ergehen lassen, bis man dort die Ausbildungskosten von etwa 2500 Euro übernommen hat. „Eine Kostenzusage über etwa 30 000 Euro, um in einem kaufmännischen Beruf ausgebildet zu werden, hätte ich bereits nach dem zweiten Termin gehabt.“ Aber das wollte sie nicht. Sie war krank und will Kranken helfen. „Weil“, erklärt sie, „diese Menschen mich verstehen. Und zwar aus ihrer Anschauung meiner Lage heraus, und wie ich die Krankheit überwunden habe, kann ich am besten helfen.“

Hans H. Lind

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2015-07-14 06:00
Velbert