Durbridges Fall Gregory im Forum Niederberg

„Paul Temple und der Fall Gregory“ im Forum Niederberg: Bastian Pastewka (hier umrahmt von seinen Schauspielkolleginnen Edda Fischer und Eva Verena Müller) erwies sich als Durbridge-Experte
„Paul Temple und der Fall Gregory“ im Forum Niederberg: Bastian Pastewka (hier umrahmt von seinen Schauspielkolleginnen Edda Fischer und Eva Verena Müller) erwies sich als Durbridge-Experte
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Bastian Pastewka und seine Komplizen erweckten auf der Bühne im Forum Niederberg einen verschollenen Paul-Temple-Klassiker zu neuem Leben.

Velbert..  Er ist schon eine Marke – und er weiß sein Publikum zu nehmen: Bastian Pastewka, bestens bekannt aus der gleichnamigen Fernseh-Sitcom, der Edgar-Wallace-Parodie „Der Wixxer“ und von vielen, vielen anderen komödiantischen Rollen. Mit „Paul Temple und der Fall Gregory“ begeisterten er und vier „Komplizen“ am Mittwochabend auf der Bühne im ausverkauften Forum Niederberg.

Der Krimi-Mythos von Francis Durbridge als Live-Hörspiel – was erwartete den Besucher? Die Bühnenausstattung mutete jedenfalls schon mal abenteuerlich an. Türrahmen, Kästen, gefüllt mit Sand und andere mit Wasser fanden sich dort. Mikrofone, die dicht über Geschirr und Gläsern baumelten ein Uralt-Kühlschrank, diverse Holzkisten, Kippschalter und allerlei mehr Haushaltsgegenstände, die man nicht notwendigerweise einem Kriminalstück zuordnen würde. Sie bildeten aber den klanglichen Hintergrund für einen in allen Teilen nicht nur spannenden, sondern auch amüsanten Abend.

Francis Durbridge, der britische Krimi-Vielschreiber, verfasste den „Gregory-Fall“ 1946 für die BBC, 1949 wurde er ins Deutsche übersetzt und für den NWDR als Hörspiel produziert. Die Aufzeichnung mit René Deltgen als Paul Temple ging verloren, das Skript gibt es aber glücklicherweise noch. Der WDR hat es ausgegraben und in Bastian Pastewka als erklärtem Durbridge-Fan einen würdigen Paul Temple gefunden.

Der bedient nicht nur die Instrumente für die Geräuschkulisse und setzt die Rolle des smarten Detektivs als Schauspieler um, sondern moderiert das Ganze auch noch in seiner bekannt humorvoll-ironischen Art. So erfährt der Zuschauer einiges über den Autor und sein Frauenbild. Wohl immer ungeklärt wird allerdings bleiben, warum Paul Temples Gattin als Steve einen Männernamen trägt, „wo sie doch einfach nur Frau sein und keine Fragen stellen soll“, betonte Pastewka. Seine Mitspielerin Eva Verena Müller setzte das augenzwinkernd bei ihrem Auftritt in Velbert um, gerne mit dem Satz „Also, was ich nicht begreife, Paul, ist...“

Ihre Schauspielkollegin Edda Fischer hingegen war auf die verschiedenen Polizei-Sergeants abonniert, lieh aber auch der verdächtigen Ärztin Kaye Wiseman ihre wohlklingende Stimme. „Komplize“ Kai Magnus Sting (Duisburger Kabarettist) jonglierte zwischen norwegischem Slang und urbritischem Yard-Kommissar, und meinte scherzend: „Ich bin eigentlich der bessere Paul Temple!“ Alexis Hara („heute-show“) schließlich komplettierte das Team unter anderem in der Rolle des Verlobten des ersten Mordopfers.

Ach ja, der Fall. Ein wenig schräg, undurchsichtig wie der Londoner Nebel, voller rätselhafter Morde, deren logische Aufklärung Durbridge nicht so ganz gelungen ist. Ab sei’s drum: Meisterdetektiv Paul Temple ist dem geheimnisvollen Mr. Gregory auf die Spur gekommen. Dazwischen gab es rasante Action à la „Stirb langsam“, Mixer in der Badwanne, und Gesangseinlagen zwischen „Zuckerhut“ und „Maria aus Bahia“. Tosender Applaus verabschiedete die Akteure, die sich ihrerseits mit Rudi Schurickes „Auf Wiedersehen“ revanchierten.