Dülmener pilgern nach Neviges

Insgesamt 280 Gläubige hatten sich am frühen Samstagmorgen auf den Weg gemacht.
Insgesamt 280 Gläubige hatten sich am frühen Samstagmorgen auf den Weg gemacht.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Auf dem ganzen Weg zusammen singen und beten. Dülmener Wallfahrt ist die älteste, die es in Neviges gibt. Tradition wird in der Familie weitergegeben.

Neviges..  Gebete und Gesänge waren am vergangenen Wochenende in den Straßen von Neviges zu hören, Fahnen mit Kreuzen, Alpha, Omega und dem Meeresstern zu sehen. Aus langer Tradition machten sich zahlreiche Dülmener Pilger wieder einmal auf den Weg zum Gnadenbild Mariens im Nevigeser Wallfahrtsdom.

Wer angesteckt ist, der bleibt dabei

Am frühen Samstagmorgen fuhren die etwa 280 Gläubigen mit dem Bus von Dülmen nach Essen. Von dort aus ging es zu Fuß weiter nach Neviges. Wallfahrtsleiter Erik Potthoff, der die Gruppe begleitete, weiß, dass die Wallfahrt ein großes Bedürfnis für die Dülmener ist. „Die Teilnehmer kommen aus verschiedenen Gemeinden, die Tradition wird in der Familie weitergegeben. Selbst Säuglinge werden im Kinderwagen mitgenommen. Wer einmal angesteckt ist, bleibt dabei.“ Erik Potthoff geht seit siebzehn Jahren mit, ist vom Pilgern nach wie vor fasziniert. „Es ist wie eine Tankstelle, man findet zu sich selbst, hat Zeit zum Nachdenken und Kraft tanken. Außerdem nimmt man die Landschaft dabei ganz anders wahr.“

Auch Sigrid (43) und Annette (41) pilgerten mit zum Gnadenbild. Die beiden Freundinnen nahmen zum dritten beziehungsweise vierten Mal teil. „Uns gefällt die Wallfahrt so gut, weil wir auf dem ganzen Weg zusammen singen und beten. Jeder ist richtig mit dabei“, sagten sie. „Im Gottesdienst ist es ja doch eher so, dass die Lieder leise vor sich hinplätschern und nicht jeder mitmacht.“ Neben den Fußpilgern fuhr eine Gruppe von fünfzig Gläubigen mit dem Bus die gesamte Strecke von Dülmen nach Neviges. Für die beiden Frauen wäre das aber keine Alternative. „Wenn man zu Fuß geht, ist das Erlebnis noch intensiver. Man läuft schon recht stramm und merkt am Ende, dass man etwas getan hat.“

Tradition besteht seit 1682

Nach ihrer Ankunft im Dom gegen halb vier am Samstagnachmittag empfingen die Gläubigen den Segen vom Nevigeser Wallfahrtsleiter Bruder Frank. Später folgten eine Abend- und eine Sturmandacht, in deren Anschluss das Marienbild auf den Marienberg getragen wurde. Während sich einige Pilger mit dem Bus danach wieder auf den Heimweg nach Dülmen machten, blieben andere über Nacht, liefen am Sonntagmorgen zurück nach Essen und fuhren von dort in Richtung Heimat. Bruder Frank erklärt: „Die Dülmener Wallfahrt ist die älteste, die es in Neviges gibt. Selbst während der Weltkriege sind die Gläubigen hierher gepilgert.“ Und so wird die seit 1682 bestehende Tradition auch heute noch aufrechterhalten.