Drogenprävention an der Windrather Talschule Langenberg

So sieht sie aus, die Cannabispflanze. In Deutschland ist Cannabis die am häufigsten konsumierte illegale Droge.
So sieht sie aus, die Cannabispflanze. In Deutschland ist Cannabis die am häufigsten konsumierte illegale Droge.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Das Programm „Charlie“ wird an der Windrather Talschule in Langenberg schon früh zur Drogenprävention angewendet. Dabei arbeiten Eltern genauso mit wie die Kinder selbst.

Thomas Pedroli, selbst Lehrer an der Windrather Talschule (WTS), ist unter anderem als Konflikt-Coach und Autor tätig. Zum Thema Drogenprävention überzeugte er Eltern und Lehrer in einem Wochenendseminar von der Wirksamkeit des Präventionsprogrammes „Charlie“.

Der Holländer hatte sich schon vor einigen Jahren mit Charlie vertraut gemacht. Charlie steht für CHemical Abuse Resolution Lies In Education, übersetzt: Die Lösung von Drogenmissbrauch liegt in der Erziehung. Charlie kam schon 2001 über Schweden nach Deutschland.

Ursachenforschung

„Das Besondere an diesem Programm ist zunächst einmal die langfristige und sehr früh ansetzende – Klasse 1 bis 6 – und möglichst wöchentliche Anwendung.“, weiß Pedroli. Darüber hinaus würden die Eltern intensiv eingebunden. „Sie arbeiten zunächst einmal das Programm untereinander durch, mit dem sich ihre Kinder anschließend auseinandersetzen werden. Es geht ja letztlich darum, dass die Kinder genügend Selbstbewusstsein aufbauen können, konflikt- und entscheidungsfähiger werden, um zum Beispiel einem negativen Gruppendruck standhalten zu können. Die häusliche Umgangskultur bildet natürlich hier eine entscheidende Grundlage.“

Ein weiterer Teilbereich der Schulungen ist die Information über Drogen, die in manchen herkömmlichen Programmen sehr im Vordergrund steht. Darin ist die wesentliche Aussage: „Nimm keine Drogen, denn sie sind gefährlich!“ Das allerdings dürften auch jüngere Schüler bereits mitbekommen haben. Zudem werden der Prävention oftmals nur einige Schulstunden zugestanden. Bei „Charlie“ geht es nachhaltiger an die psychologischen und sozialen Wurzeln des Problems. Und bei Charlie werden alle Erziehenden angesprochen.

So saßen dann 15 Eltern im Klassenraum der Klasse 6 in kleinen Gruppen zusammen und beschäftigen sich mit ihren Ursprungsfamilien. Welche Regeln herrschten dort? Was mochte ich an meiner Familie, was war schwierig? Ein lebhafter und zum Nachdenken anregender Erfahrungsaustausch, wie sich in der anschließenden großen Runde zeigte. In einem anderen Themenkomplex ging es um Gefühle. Das fand Tanja Aguilera, Mutter einer zehnjährigen Schülerin besonders interessant: „Ich finde spannend, wie dabei herauskam, dass eben alle Gefühle wie Freude, Wut, Trauer, die die Kinder äußern, anerkannt, das heißt ernst genommen werden sollten; eben alle Gefühle sind wichtig.“