Dornröschenschlaf währt schon sechs Jahre

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Was wir bereits wissen
In der Nacht zum 12. Juli 2009 brannte die Deilbachmühle in Langenberg bis auf die Grundmauern nieder – eine Brandstiftung, die nie aufgeklärt wurde. Und bis heute ist unklar, was aus der Bauruine werden soll.

Langenberg..  Es ist die Nacht zum 12. Juli 2009 – und wie in diesem Jahr die Nacht zu einem Sonntag, als im Deilbachtal eines der traditionsreichsten Ausflugslokale Velberts ein Raub der Flammen wird: Um 4.38 Uhr alarmiert ein Autofahrer die Velberter Feuerwehr, die Deilbachmühle stehe in hellen Flammen. Nur Minuten später trifft das erste Löschfahrzeug an der Deilbachstraße ein. Ausrichten aber können die Retter wenig: Immerhin verhinderten die Wehrleute, dass die Flammen auf das benachbarte Wohnhaus übergreifen, als die Deilbachmühle bis auf die Grundmauern abbrennt.

Spürhund bringt Gewissheit

Dass weder ein technischer Defekt noch eine Unachtsamkeit das Feuer ausgelöst haben, schwant den Brandermittlern der Kriminalpolizei schon bald. Und der Einsatz eines speziell auf die Suche von Brandbeschleunigern ausgebildeten Spürhundes erhärtet den Verdacht schon einige Tage später: An mindestens zwei Stellen, stellen die Ermittler fest, ist der Brand ausgebrochen – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, so ihre Erkenntnisse, vorsätzlich gelegt.

Dennoch dauert es fast ein Jahr, bis die Polizei den Täter überführt zu haben glaubt. Festgenommen wird im Juli 2010 der 27-jährige Christian K. Knapp ein Jahr zuvor hatte der Oberhausener Hotelier und Immobilienmakler das Haus für 420 000 Euro bei einer Zwangsversteigerung erworben.

Angeklagter wird freigesprochen

Doch der Prozess, der am 21. Dezember 2010 vorm Wuppertaler Landgericht beginnt, endet mit einer Überraschung: Aus Mangel an Beweisen wird K. freigesprochen – und für neuen Monate Untersuchungshaft vom Staat entschädigt. „Lieber einen Schuldigen freisprechen als einen Unschuldigen verurteilen“, begründet das Gericht die Entscheidung. Vergeblich legt die Staatsanwalt, die K. überführt sah und sechs Jahre Haft gefordert hatte, Revision beim Bundesgerichtshof ein – es bleibt beim Freispruch.

Mitten im Naturschutzgebiet

Über drei Jahre ist es her, dass dieses Urteil im März 2012 endgültig rechtskräftig wurde. Doch während es in dieser Frage nun unstrittig Gewissheit gibt, bleibt eine andere all die Jahre unbeantwortet: Was wird aus der Deilbachmühle? Plänen Christian K.’s, der – einer früheren Bauvoranfrage folgend – auf den alten Grundmauern ein Fünffamilienhaus errichten will, erteilt die Stadt eine Absage. Mitten im Naturschutzgebiet, in dem die Deilbachmühle liege, komme allenfalls ein Wiederaufbau in den alten Dimensionen und nach alter Nutzung Frage – wenn überhaupt. Denn: Sind mehr alszwei Drittel des Gebäudes zerstört, kann auch der Wiederaufbau verwehrt und von den Behörden der vollständige und endgültige Abriss verfügt werden.

Hotel mit zwölf Doppemzimmern

In mehreren Gespräche zwischen Stadt, K. und dessen Vater einigte man sich schließlich darauf: Der Wiederaufbau sei wohl genehmigungsfähig, wenn dort wieder eine Gaststätte mit Hotel entstehe. Neben zwölf Doppelzimmer würde dann wohl auch zwei Wohneinheiten in diesem Haus genehmigt.

Seit diesem Gespräch, das im Sommer 2012 stattfand, ist allerdings viel Grün über der Brandruine gewuchert. eine Entscheidung, was dort geschehen soll, gibt es immer noch nicht. „Kein neuer Sachstand“, teilte die Stadt jetzt lapidar auf eine WAZ-Anfrage mit.