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Dom-Chor Neviges probt mit Spaß anspruchsvolle Messe

22.01.2015 | 09:00 Uhr
Dom-Chor Neviges probt mit Spaß anspruchsvolle Messe
Konzentriert, aber mit Spaß probt der Chor die anspruchsvolle Theresienmesse.Foto: H.W. RIECK

Neviges:   Mit Elan probt der Dom-Chor Neviges für seinen Auftritt im Juni beim Hochamt im Mariendom. Dort steht die anspruchsvolle Theresienmesse von Haydn an.

Konzentriert halten sie das Notenblatt in der Hand, da bleibt keine Zeit für ein Schwätzchen mit dem Nachbarn. „Glooooriaaa, in excelsis deo“ tönt es aus 36 Kehlen. Eine Dame mit grauen Löckchen ehrt Gott in der Höhe dermaßen inbrünstig und begeistert, dass sie im Takt ein bisschen mitschunkelt. Keine Frage, Singen macht Spaß.

Und den haben die 26 Sängerinnen und zehn Sänger des Domchores Neviges jeden Dienstagabend bei ihren Proben im Pilgersaal. Auch, wenn die Lage zuweilen ernst ist, gilt doch die „Theresienmesse“ von Joseph Haydn als ausgesprochen anspruchsvoll und schwierig. „Vor allem für Sopran und Bass ist das sehr anstrengend. Die Stimme muss sämtliche Register beherrschen und beweglich sein“, wird Chorleiter Claus Tinnes nach der Probe sagen. Aber erst später, jetzt hat er erst einmal alle Hände voll zu tun, bis zum Hochamt im Juni muss schließlich jeder Ton perfekt sitzen.

Das Kreuz mit dem „Amen“

Hintergrund
Neue Chormitglieder sind stets willkommen

Der Domchor probt jeden Dienstag von 19 bis 20.30 Uhr im Pilgersaal. Information erteilt Chorleiter Claus Tinnes unter
02053/49 24 136 oder die 1. Vorsitzende Marita Lambeck unter 0202/7691767.

Wer mitsingen möchte, sollte in der Lage sein, Töne sauber nachzusingen und über Rhythmusgefühl verfügen.

„Auf den letzten Metern bitte nicht lauter werden“, heißt vorn die klare Ansage. Gar nicht so einfach, denn wie es Chorleiter Tinnes selbst sagt: „Herr Haydn hat sich für euch so schöne Sachen überlegt.“ Da ist der ein oder andere schon geneigt, vor Begeisterung ein wenig mitzuschmettern. Aber, gemach, gemach: „Nicht so viel Luft rauslassen, und bitte keinen Akzent auf die letzte Note setzen.“ Und dabei soll man auch noch „hoch, hoch, hoch“ kommen mit der Stimme, du lieber Gott, und erst einmal das „Amen“! Ja, diese Stelle sei schon ziemlich schwierig, muss Dirigent Claus Tinnes zugeben, der auch ein Orchester an der Musikschule Velbert leitet. Wie schwierig, merken alle, als Tinnes die Hände abwehrend hebt und verschmitzt meint: „Rote Karten wollen wir heute mal nicht verteilen, kommt ja alles in die Zeitung.“

Wieder konzentriertes Abtauchen in die Notenblätter, steht doch das nicht minder heikle „ Agnus Dei“ an. Doch weder der Chor noch sein Leiter verlieren die gute Laune. „Lamm Gottes, tragt hinweg die Sünden der Welt. Aber passt hier auf, dass die Sünde nicht noch größer wird“, so der Rat von vorn.

„Das ist schon ein schweres Werk, aber wir sind ja auch ein besonderer Chor“, meint Waltraud aus Wuppertal nach 90 Minuten Probe. „Ich bin hier seit 28 Jahren, bin zwar evangelisch, aber wenn ich will, kann ich den Gottesdienst mitgestalten.“ Und Waltraud will, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Ein paar Meter weiter stärkt sich ihre Namensvetterin mit einem Brötchen, den Imbiss gibt’s heute ausnahmsweise, weil Sangesschwester Agnes 80 Jahre alt wurde und zur Feier des Tages eine Runde gibt. „Ich singe noch in anderen Chören, aber diese Herausforderung hier, das finde ich gut.“ Da kann Agnes nur zustimmen: „Wir müssen richtig üben.“ Ja, hier werde ein anderes, gehobenes Repertoire gesungen, meint auch Kerstin, die sich mit ihren 42 Jahren selbst Chor-Küken nennt.

Anders und sakral, was für Klaus aus Wülfrath den besonderen Reiz ausmacht. Der 77-Jährige ist auch begeisterter Läufer, es war ein Sportsfreund, der ihm 2008 den Tipp gab, beim Dom-Chor vorbeizuschauen. Um Klaus war es gleich geschehen. „Man freut sich, an der Liturgie mitzuwirken. Zu Ehren Gottes zu singen, das ist doch eine besondere Motivation.“ Dabei singt er auch sonst gern für sich allein „Operetten und Arien unter der Dusche nach dem Laufen“.

Was sich nur alle wünschen: ein paar Männerstimmen mehr und etwas „frisches Blut“ im Dom-Chor. „Das Problem ist, dass wir kein Gemeindechor sind“, sagt Barbara (64), die immer wieder beeindruckt ist von der Atmosphäre des mächtigen Doms, dessen Akustik nicht ganz ohne zu sein scheint. „Fremde Chöre muss man warnen. Der Polizei-Chor aus Köln kam einmal ziemlich verzweifelt ‘raus.“ Für Chormitglied Irma steht jedenfalls fest: „Diese Messen und Kantaten, das ist einfach herrlich.“

Kathrin Melliwa

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Dom-Chor Neviges probt mit Spaß anspruchsvolle Messe
Dom-Chor Neviges probt mit Spaß anspruchsvolle Messe
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2015-01-22 09:00
Velbert