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Nach verlorener Landtagswahl

Die Politik ist nicht abgehakt

24.05.2012 | 20:00 Uhr
Die Politik ist nicht abgehakt
Marc Ratajczak, ehedem CDU-Landtagsabgeordneter, beim WAZ-Gespräch. Bild : Detlev Kreimeier WAZ FotoPool

Zu Gast bei der WAZ: der bei der Landtagswahl unterlegene CDU-Direktkandidat Marc Ratajczak. Der Mettmanner zieht nach Velbert und hat hier so Einiges vor

„The winner takes it all, the loser’s standing small“ heißt es in einem populären Song der schwedischen Band „Abba“. Die traf damit recht gut den dominierenden Zeitgeist. Denn im Fokus und Scheinwerferlicht steht zumeist der Sieger. Über den Verlierer werden nur zu oft allenfalls wenige Worte verloren. Selbst wenn er – wie etwa im Sport – lediglich um Hundertstel „später“ ins Ziel kommt und „nur“ Silber wert ist. Das muss nicht immer so sein, überlegte WAZ- Redakteur Klaus Kahle und unterhielt sich mit dem bei der NRW-Landtagswahl unterlegenen CDU-Direktkandidaten Marc Ratajczak.

Als feststand, der Landtag löst sich auf und es gibt Neuwahlen – was haben Sie an diesem Tag gedacht?

Ich dachte sofort, Neuwahlen braucht jetzt wirklich kein Mensch. Die Dynamik dieses Tages ist für mich bis heute noch absolut unbeschreibbar. Mir ging vor allem der Gedanke durch den Kopf, dass ich jetzt schon wieder einen kompletten Wahlkampf organisieren muss.

Wessen Niederlage ist das verpasste Direktmandat? Wem kreiden Sie welche Fehler an?

Der Wahlkampf von Norbert Röttgen war einfach Murks. Die Vorschläge aus der Fraktion und von der Basis sind leider nicht umgesetzt worden.

Wie waren die Reaktionen in Ihrem Wahlkampfteam nach der Niederlage?

In dem „Wir-für-Marc“-Team waren rund 120 Leute mit den unterschiedlichsten Aufgaben. Die Stimmung auf der Straße war vorher wesentlich besser als das Wahlergebnis. Fast alle im Team waren deshalb maßlos enttäuscht.

Wer oder was baut Sie zurzeit am meisten auf?

Ich bekomme seit Tagen unheimlich viele E-Mails und Briefe von Freunden, Bekannten und Bürgern, die mich aufmuntern und die mich bitten, die Politik nicht dranzugeben. Meine besten Freunde und die Familie kümmern sich ganz lieb. Und: Die Tatsache, dass ich 37 Prozent mehr Erst- als Zweitstimmen geholt habe, ist mir auch selbst Motivation genug und eine Bestätigung meiner Arbeit.

Um was kümmern Sie sich jetzt vorrangig – oder sind erst einmal Innehalten, Durchatmen und eine Auszeit angesagt?

Ich kümmere mich vor allem um meine Mitarbeiter. Die vier Teilzeit-Kräfte werden nämlich zum Monatsende arbeitslos. Zwei von ihnen sind versorgt, die beiden anderen brauchen aber unbedingt eine neue Perspektive. In erster Linie spreche ich mit neuen Landtagsabgeordneten, ob’s vielleicht passt, und ich schaue mich intensiv in der Region um.

Und Sie selbst, wieder zurück in Ihren alten Job in der Immobilien-Branche?

Diese Stelle steht nicht mehr zur Verfügung. Ich hatte auch keinen Plan B in der Tasche, weil ich mich ganz aufs Gewinnen konzentriert habe. Klar ist: Ich ziehe von Mettmann um und werde schon bald Velberter, weil ich diese Stadt und ihre Menschen kennen- und lieben gelernt habe.

Ändert solch ein Einschnitt die persönliche Sicht auf Wertigkeiten, Ziele und Lebensinhalte?

Eindeutig ja. Die rasante Entschleunigung von 150 Prozent auf Null ist ein richtig krasser Schritt. Aber im Vergleich zu den Menschen, denen es existenziell schlecht geht, habe ich eigentlich eher Luxusprobleme.

Wenn Sie Wegweiser bzw. Ratgeber spielen könnten, was würden Sie der Landes-CDU dringend ans Herz legen?

Wir brauchen zwei Menschen. Erstens eine Person, die die CDU wieder vom Boden aufkratzt. Das muss eine gestandene Führungspersönlichkeit sein. Und zweitens brauchen wir eine jüngere Person, die aufgebaut wird und die dann unverbraucht und frisch in die erste Reihe kann.

Ist für Sie die Politik abgehakt?

Ganz klar nein! Ich werde mich künftig weiterhin engagieren. Hier in Velbert und in der Kommunalpolitik. Und sollte meine Partei das wollen, dann würde ich auch noch ein viertes Mal für den Landtag kandidieren.

Klaus Kahle

Kommentare
25.05.2012
08:28
Die Politik ist nicht abgehakt
von dorfbeobachter | #1

Zunächst vielen Dank an Marc Ratajczac für die Jahre engagierter Arbeit. Tragisch, aber 2005 erging es Wolfgang Werner ebenso: völlig unerwartet zog...
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2012-05-24 20:00
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