Die ganze Welt ist ein Büro

Sportlich fit muss er sein: Henryk Berlet im
Sportlich fit muss er sein: Henryk Berlet im
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Den gebürtigen Langenberger Henryk Berlet zog es zuerst nach Berlin. Jetzt betreibt er mit Partnerin Katharina Jacobs einen Internetblog, in dem beide von ihren Erlebnissen berichten

Langenberg/Berlin..  „Raus aus dem Alltag, hinein in die Welt“, die ursprüngliche Idee des gebürtigen Langenbergers Henryk Berlet war es, mit dem Projekt „Digitales Nomadentum“ dem Arbeitsalltag zu entfliehen. Für ihn und Partnerin Katharina Jacobs bedeutet dies, dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen. Und so waren die beiden im letzten Jahr sechs Monate am Stück in der Welt unterwegs.

Nach dem Start in Tanzania ging es über Südafrika nach Argentinien, von Feuerland aus bewegten sie sich Richtung Norden, über Chile und Costa Rica bis nach Kalifornien. Weiter über Hawaii und Neuseeland nach Indonesien. Und dort trennten sich ihre Wege – für eine Zeit. Er ging nach Indien, sie nach Nepal. Letztlich kamen sie wieder gemeinsam zurück in ihre Wahlheimat: Berlin.

Arbeit und Urlaub verbinden

Henryk Berlet lebt den Traum vieler Fernweh-Geplagter. Doch was nach ewigem Urlaub klingt, ist zum Teil harte Arbeit. Manchmal sitzen die beiden Reisenden bis spät in die Nacht und verfassen Reiseberichte und füttern vor allem ihren Reiseblog „www.oooyeah.de“. Dabei stehen die drei „O“ für Out Of Office (frei übersetzt: Wir sind im Urlaub) und bezeichnen so auch das Projekt. Dabei ist dieses für Jacobs und Berlet im Grunde wieder zum Alltag geworden. Nur dass der Ausblick aus dem Fenster, sofern es eines gibt, ständig wechselt.

Die aus Solingen stammende Wahlberlinerin und der 35-Jährige starteten mit ihrer Auszeit vom Alltag den Selbstversuch, ohne feste Bindung an einen Ort zu arbeiten und zu leben. „Dahinter steckt der Gedanke, kreative Dienstleistungen unabhängig von lokaler Präsenz anzubieten – oder anders ausgedrückt: weg vom statischen Büroalltag hin zum mobilen Office unterwegs“, so Jacobs. Der Grafikdesigner und die PR-Beraterin waren inzwischen fest in der Berliner Medien- und Agenturszene angekommen. „Lange Arbeitszeiten, viele Überstunden, Wochenendarbeit, das war unsere Realität“, die 33-Jährige erinnert sich. Es wuchs der Wunsch nach mehr Lebensqualität.

„Wir wollten auf Reisen gehen, die Welt entdecken und dabei unsere Akkus aufladen – aber gleichzeitig weiterhin produktiv sein“, erklärt Henryk den Grundgedanken seines Projekts. Es entstand die Idee für den Reiseblog Out Of Office, auf den es auch Beiträge über Langenberg geschafft haben. Insgesamt finden sich dort Dokumentationen eines neuen Lebens- und Arbeitsmodells als digitale Nomaden.

Und die Fangemeinde der beiden im Internet wächst seitdem kontinuierlich, rund 8 000 Leser folgen ihnen Monat für Monat.

„Den Traum, den wir uns gerade erfüllen, teilen wir mit vielen anderen. Einfach mal ‘out of office’ zu sein und das eigene Leben wieder in den Vordergrund zu stellen, ohne auf Produktivität komplett zu verzichten.“

So hat das Paar einen Zeitgeist getroffen und spricht seinem Umfeld aus dem Herzen. „Auf unserem Blog zeigen wir, das es geht – wir leben als digitale Nomaden!“, erklärt Henryk den Erfolg seiner Website. Und schon morgen geht es wieder los: Katharina fährt ins Salzburger Land zum Snowboardfahren, Henryk zieht es nach Polen: zum Schneeschuhwandern. Für ihn das erste Mal. Und wie es im gefällt: Das kann man dann wieder auf dem Blog nachlesen.