„Die FDP ist in Velbert derzeit gut aufgestellt“

Seit dem 9. März ist Jörg Weisse Vorsitzender des  FDP-Stadtverbands Velbert.
Seit dem 9. März ist Jörg Weisse Vorsitzender des FDP-Stadtverbands Velbert.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Jörg Weiss ist überzeugt, dass sich die Menschen wieder vermehrt den Liberalen zuwenden werden. Entsprechend zuversichtlich zeigte sich der neuer Stadtverbandsvorsitzende im WAZ-Interview

Langenberg.. Seit vier Wochen ist er neuer Stadtverbandsvorsitzender der FDP Velbert: Jörg Weisse. WAZ-Redakteur Harald Wiegand sprach mit dem Langenberger Liberalen, der mit der Stadtverbandssitzung am 9. März die Nachfolge von Hartmuth Kitzrow an der Parteispitze antrat.

Vorsitzender eines FDP-Stadtverbandes werden: Herr Weisse, warum tut man sich so etwas heute noch an?

Jörg Weisse: Demokratie und Freiheit sind keine Selbstläufer, wie sich an vielen Beispielen in der Welt leicht feststellen lässt. Es sollten sich daher viel mehr Bürger politisch aktiv engagieren, um unsere Gesellschaft mitzugestalten und nicht nur vom Sofa aus kritisieren, was die anderen alles vermeintlich schlecht machen. Das versuche ich nicht nur meinen drei Kindern vorzuleben. Es lohnt, sich für die Werte Freiheit und Demokratie einzusetzen. Daher ist dieses Amt des Vorsitzenden eines FDP-Stadtverbandes für mich eine große Ehre.

„Mit Steuern muss verantwortungsvoll umgegangen werden“

Vor allem liberal oder in erster Linie wirtschaftskompetent? Welches Profil wollen Sie Velberts FDP geben?

Das eine schließt das andere nicht aus. Wenn Sie die Freiheit haben möchten, politisch etwas zu bewegen, benötigen Sie grundsätzlich den notwendigen finanziellen Spielraum. Diesen erhalten sie aber nur durch eine vernünftige Wirtschafts- und Steuerpolitik. Nur damit lässt sich auch eine liberale Politik realisieren. Man muss sich dabei immer wieder fragen, ob man nicht über seine Verhältnisse lebt und ggf. den nachfolgenden Generationen Lasten unnötigerweise auferlegt. Mit den Steuern der Bürger muss verantwortungsvoll umgegangen werden. Liberale Politik muss u.a. die Demographie, d.h. die immer älter werdende Gesellschaft, im Auge behalten. Im Hinblick auf die Liberalität stehen für mich außerdem ganz oben auf der Agenda die Bürgerrechte, der Datenschutz, die Toleranz gegenüber den anders denkenden und die Chancengleichheit für jeden. Außerdem möchte ich mich für eine vernünftige Flüchtlings- und Einwanderungspolitik auch in Velbert einsetzen, die dem Artikel 1 des Grundgesetzes Rechnung trägt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

„Julius von Felbert hat seine Konsequenzen gezogen“

Im Stadtverband gab es in der letzten Wahlperiode schwere Zerwürfnisse. Langenbergs FDP-Grandseigneur Julius von Felbert soll gar mit Austritt gedroht haben. Wie wollen bzw. können Sie diese Wunden überhaupt heilen?

Das war keine Drohung von Julius von Felbert. Er ist aus der FDP ausgetreten. In der Tat hat es einige Meinungsverschiedenheiten gegeben. In einer Demokratie muss man als Politiker allerdings so etwas aushalten. Wo wenigstens zwei Menschen zusammensitzen, gibt es eben auch wenigstens zwei Meinungen. Julius von Felbert wollte sich in seinem Alter nicht mehr aktiv mit solchen Dingen auseinandersetzen und hat somit seine Konsequenzen gezogen. Er behält aber sein liberales Herz, wie er mir persönlich sagte. Die FDP ist in Velbert derzeit gut aufgestellt. Ich bin als Vorsitzender des Stadtverbandes gewählt worden, um liberale Politik zu machen und nicht, um Selbstbeschäftigung zu betreiben.

„Freiheit ist ein Lebensgefühl“

Sie haben hinsichtlich bevorstehender Landtags- und Bundestagswahlen angekündigt, die FDP mit guter Basisarbeit wieder in den Fokus rücken zu wollen. Wie soll diese Basisarbeit aussehen?

Freiheit ist ein Lebensgefühl und keine Ideologie. Menschen von diesem Lebensgefühl zu begeistern und politisch mitzunehmen ist eine meiner Aufgaben. Ich habe oft den Eindruck, dass der Staat den Bürgern gar nichts mehr zutraut. Vieles wird unnötigerweise geregelt und verwaltet, nur damit keiner mehr Verantwortung zu übernehmen braucht. Insbesondere Verantwortung zu tragen und anderen etwas zuzutrauen bedeutet aber gerade Freiheit. Durch konstruktive Vorschläge und nicht durch populistische Aussagen möchte ich eine Alternative zu anderen Parteien bieten.

„Die Menschen wissen, wie wichtig die FDP ist“

Anfang vergangener Woche war zu lesen, eine „ums Überleben kämpfende FDP“ wolle Zusatzabgaben von ihren Mitgliedern einfordern. Wie, denken Sie, werden ihre Parteifreunde in Velbert auf diese „Sonderumlage“ reagieren? Droht der Partei damit möglicherweise eine neue Austrittswelle?

Neue Austrittswelle? Seit die FDP aus dem Bundestag ausgeschieden ist, haben sich viele zur FDP bekannt und sind in die Partei ein- und nicht ausgetreten. Das belegen insgesamt die einfachen Mitgliederzahlen allein in NRW. Diese Menschen wissen, wie wichtig die FDP in der politischen Landschaft ist. Es gibt immer schwierige Zeiten für eine Partei. Es liegen allerdings erste Anzeichen dafür vor, dass es eine Trendwende in den Umfragen für die FDP gibt. Die Sonderumlage soll auf die Kreisverbände umgelegt werden. Nach meinem Kenntnisstand sind die Mitglieder im Kreis Mettmann derzeit daher nicht direkt davon betroffen. Der Kreisverband wird dies durch Einsparungen kompensieren. Aber sollte sich die Umlage auf die Mitglieder auswirken, so sehe ich auch dann noch keine Austrittswelle.“

Herr Weisse, wir danken Ihnen für dieses Interview.