Der Wolf hat NRW erreicht – Velbert aber noch nicht

Foto: dpa
In der Nähe von Minden ist ein Wolf gesichtet worden. Das Raubtier breitet sich langsam wieder aus in Deutschland. Grund zur Besorgnis besteht aber nicht.

Velbert..  Der letzte Wolf im Rheinland wurde Ende des 18. Jahrhunderts bei Hilden dokumentiert. Das liegt lange zurück. Aber es kann sein, dass Meister Isegrim bei uns wieder durchzieht – oder sogar heimisch wird. Mit Jungwölfen auf Reviersuche fängt es an. Pro Nacht kann ein Wolf durchaus 40 bis 50 Kilometer zurücklegen. Und in ein paar Wochen bis zu 1000 Kilometer sind auf einer Suchwanderung keine Utopie, sondern per GPS nachgewiesen.

Dicht besiedelte Gebiete meidet er

Diplom-Forstwirt Peter Tunecke, für den Velberter Wald zuständig und Wolfsexperte, bestätigt, dass der Wolf große Anpassungsfähigkeit besitzt. Bevorzugt siedele er aber in dünn besiedelten Gebiete in NRW. Aber: „Wenn man bedenkt, dass 1998 gerade einmal 16 Wölfe in Deutschland gezählt wurden und es heute gut 300 gibt, dann wird die Entwicklung zu einer größeren Anzahl schneller voran schreiten“, sagt Tunecke.

Die Politik in NRW stellt sich darauf ein, dass die Rückkehr des Wolfes wahrscheinlich ist. Im Januar hat das Umweltministerium in einer Pressemitteilung bestätigt, das es im Landkreis Minden-Lübbecke eindeutige Wolfsspuren gibt. Und Minister Johannes Remmel sagt: „NRW ist wieder Wolfs-Land.“ Die Schafhalter sind beunruhigt. Doch die Erfahrungen aus Sachsen mit optimierten Schutzzäunen sind Vorbild für die anderen Bundesländer.

Und wie können die Menschen beruhigt werden, die dem Raubtier Wolf immer noch unschöne Eigenschaften wie Habgier, Verschlagenheit und Heimtücke andichten? Tunecke: „Aufklärung ist wichtig. Der Wolf an sich ist scheu. Ein gesunder Wolf meidet den Menschen. Gefährlich kann er nur dann werden, wenn er krank ist, angefahren wird oder man ihn in die Enge treibt. Ein Schicksal wie Bruno der Bär sollte er nicht erleiden. Den hatte man ja zum Problembären abgestempelt und schließlich erschossen.“ Tunecke weiter: „Der Beutegreifer Wolf wird – wenn er denn hier wieder heimisch wird – als Hauptnahrung Rehe bevorzugen. Eine Maus ist für ihn nur ein Snack. Dicht besiedelte Gebiete wie den Kreis Mettmann wird er aber zunächst meiden.“

Der Velberter Dr. Helmut Beine vom Naturschutzbund Nabu begrüßt die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland. „Dass der Wolf auch wieder nach Nordrhein-Westfalen kommt, damit kann man rechnen. Zumindest zeitweise. Er trägt zu einer größeren Artenvielfalt bei.“ Auf seiner Internetseite stellt der Nabu fest: „Der Wolf kommt nach Hause“ – und der Naturschutzbund will Vorurteile abbauen: Er bietet „Wolfsfans“ Patenschaften an.

Gesa Kluth und Ilka Reinhardt vom Lupus Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in Spreewitz konnten Wanderwege von Jungwölfen mit GPS-Halsbändern nachvollziehen. Gesa Kluth erklärt: „Der Nachweis per DNA bestätigt, dass in der Nähe von Minden der erste Wolf in NRW Ende 2014 nachgewiesen wurde. Ob dann etwas später im Januar 2015 auf einem Foto ein zweiter Wolf zu sehen ist, oder es sich um den ersten handelt – der per DNA ausgemacht wurde – , wissen wir nicht. Auf jeden Fall hat der Wolf in NRW erreicht.“

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